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ZUG: Hier entstehen tausend Segelbilder

Für «Ship of Tole­rance» werden zurzeit täglich kleine Kunstwerke gemalt. Verschiedenste Menschen treffen dabei aufeinander.
Lena Beiersdörfer
Die Shedhalle verwandelt sich für einen Monat in ein Malatelier. Gemalt wird für ein Segelschiff. (Bild Maria Schmid)

Die Shedhalle verwandelt sich für einen Monat in ein Malatelier. Gemalt wird für ein Segelschiff. (Bild Maria Schmid)

Lena Beiersdörfer

Die Shedhalle gleicht an diesem Morgen einem riesigen Malatelier. Der mit Farbklecksen bedeckte Boden lässt vermuten, dass heute nicht zum ersten Mal gemalt wird. Am Boden liegen Reihe für Reihe quadratische, weisse Segeltücher. Dazwischen stehen jeweils Farbtöpfe und Pinsel. Eifrig werden letzte Vorbereitungen von den zahlreichen Helfern getroffen. Es fehlen nur noch die heutigen jungen Künstler.

Diese treffen nach und nach ein. Barfuss oder mit blauer Schutzfolie über den Schuhen nehmen sie am Ende des Saals Platz. Manche in übergrossen Hemden, die wohl einst der Vater getragen hat, andere mit einer grossen, unter den Arm geklemmten Papierrolle. Es handelt sich dabei um dritte und vierte Primarschulklassen aus Zug und jugendliche Asylsuchende des Integrationsbrückenangebots (IBA).

Malen für ein Schiff der Toleranz (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Malen für ein Schiff der Toleranz (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Kinder aus 115 Zuger Schulklassen und Jugendliche des Integrations-Brückenangebots engagieren sich für die Toleranz. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Kinder aus 115 Zuger Schulklassen und Jugendliche des Integrations-Brückenangebots engagieren sich für die Toleranz. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Sie malen in der Shedhalle (Bild) rund 1000 Bilder zum Thema. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Sie malen in der Shedhalle (Bild) rund 1000 Bilder zum Thema. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
120 dieser Segelbilder werden mit dem «Ship of Tolerance» über den Zugersee segeln. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)120 dieser Segelbilder werden mit dem «Ship of Tolerance» über den Zugersee segeln. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Die anderen werden ausgestellt. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Die anderen werden ausgestellt. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Akribisch werden die Motive zunächst mit Bleistift vorgezeichnet und anschliessend mit bunten Farben ausgemalt. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Akribisch werden die Motive zunächst mit Bleistift vorgezeichnet und anschliessend mit bunten Farben ausgemalt. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)Ship of Tolerance (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
14 Bilder

In Zug entstehen 1000 Segelbilder

Musik verbindet

Zu Beginn erzählt Sandra Winiger, Leiterin der Kunstvermittlung Kunsthaus Zug und Co-Kuratorin des gesamten Projekts vom «Ship of Tolerance» des Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov. Emilia Kabakov begrüsst die Teilnehmer sogar noch persönlich per Videobotschaft. Im Anschluss wird das Lied «All We Wish Is Peace» unter der Leitung von Henk Geuke, dem Verantwortlichen für Animation für Schulmusik an der Pädagogischen Hochschule Zug, gesungen. «Das Stück hat das Projekt von Anfang an begleitet und soll auch bei der Eröffnung im September gesungen werden», erzählt Geuke. Die Kinder sind jedenfalls begeistert und streiten sich regelrecht darum, wer das Stück mit den Klangröhren begleiten darf.

Dann werden die Kinder in gemischte Gruppen eingeteilt. Eine dieser Gruppen leitet Fabienne Huber. Sie ist Volontärin im Kunsthaus und seit Februar beim «Ship of Tolerance» mit dabei. «Das Projekt behandelt ein wichtiges Thema. Ich bin stolz, Teil davon sein zu dürfen», sagt sie, zeigt den Kindern verschiedene Werke von Ilya Kabakov und erzählt von der Kunstzensur in der Sowjetunion. Die Kinder hören fasziniert zu und bringen immer wieder ihre Ideen ein. Im Bild «Der Mann, der aus seiner Wohnung in den Kosmos flog» ist eine Werkstatt mit einem Schleudersitz in der Mitte zu sehen. In der Decke klafft ein riesiges Loch. Die Kinder sind sich einig, dass niemand sich so ins Weltall katapultieren kann. Doch ein Mädchen meint: «Mit Fantasie geht das schon.» Dann dürfen alle ihre Skizzen zum Thema Toleranz zeigen, die sie im Unterricht entworfen haben. Zu sehen sind Erdkugeln, das Yin-Yang- und das ­Peace-Zeichen, Menschen, die sich die Hände reichen, und vieles mehr.

Viele verschiedene Gesichter

Schliesslich ist es so weit. Das Malen kann losgehen. Akribisch werden die Motive mit Bleistift vorgezeichnet und anschliessend mit Farben ausgemalt. Für Desbele, 18, aus Eritrea bedeutet Toleranz, «wenn verschiedene Länder friedlich miteinander leben können». Auf seiner Zeichnung ist ein grosses Schweizer Kreuz zu sehen und in jeder Ecke eine weitere Flagge. «Das sind Deutschland, Italien, Eritrea und Äthiopien. Aus all diesen Ländern leben Menschen hier in der Schweiz», erklärt er. Auch Reza, 21, aus Afghanistan und Medine, 20, aus dem Kosovo haben die Schweizer Flagge als Grundmotiv. Darauf malen sie ein Auge, einen Mund, eine Hand und Musiknoten. «Wir müssen auch tolerant gegenüber Menschen mit einer Behinderung sein», erklärt Medine. Reza ist begeistert vom ganzen Projekt. «In Afghanistan wäre so etwas nie möglich», erzählt er. «Toleranz bedeutet, dass alle Menschen gleich sind. Das sieht man hier.» Yara und Marc Leon, beide 10, sind schon beinahe fertig mit ihrem Segel. Zu sehen ist ein Sonnenuntergang vor einer grünen Wiese. Marc Leon erklärt: «Das Bild zeigt die Schönheit der Natur, denn wir müssen auch gegenüber der Erde tolerant sein.» Yara findet das ganze Projekt wirklich cool und würde auch gerne ein zweites Mal herkommen. «Die Idee ist toll, darauf wäre ich nie gekommen», sagt sie.

Seit Anfang Juni sind Sandra Winiger und ihr Team jeden Morgen hier und organisieren das Malen: «Es ist eine sehr intensive Zeit.» Die Begegnungen zwischen verschiedensten Menschen seien jeden Tag aufs Neue beeindruckend. «Manchmal hilft ein Asylsuchender einem Kindergartenkind beim Malen», erzählt sie. Das Projekt wurde letzten September lanciert, als Emilia Kabakov das Kunsthaus Zug anfragte. Winiger war sofort begeistert: «Die Frage der Toleranz ist sehr aktuell. Wir können eine öffentliche Diskussion anregen, ohne politisch sein zu müssen.» Das Projekt sei gut angelaufen und habe mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt. «Täglich rufen mich Leute an, die das Projekt in irgendeiner Form unterstützen wollen», erzählt sie begeistert. Insgesamt seien über 2000 Leute daran beteiligt. Das übertreffe zahlenmässig sogar das «Ship of Tolerance» von New York. Ein Blick ins Hinterzimmer gibt eine Ahnung von der immensen Logistik, die hinter dem Projekt steckt. Überall liegen Stapel von sauber nummerierten Segeltüchern. Ebenso wird eine Excel-Liste geführt, wo alle Teilnehmer mit Foto eingetragen werden, damit die Bilder später zugeordnet werden können. Auf die Frage, ob sie selber schon ein Segel bemalt habe, lacht Sandra Winiger und sagt dann: «Nur in der Testphase. Jetzt stehen ganz die Kinder, die Jugendlichen und die Erwachsenen als Botschafter der Toleranz im Mittelpunkt.»

Bilder: Weitere Bilder zu «Ship of Tolerance» gibts auf www.luzernerzeitung.ch/bilder

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