ZUG: Hier gibt’s Basiswissen zu unserem Land

Die Direktion des Innern führt in der Kantonsschule einen staatsbürgerlichen Kurs durch. Am ersten Abend kamen rund 170 Personen verschiedenster Nationen. Fast alle wollen Schweizer oder Schweizerin werden.

Monika Wegmann
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Alt Regierungsrat Hanspeter Uster referiert vor gut 170 Personen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 2. Mai 2017))

Alt Regierungsrat Hanspeter Uster referiert vor gut 170 Personen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 2. Mai 2017))

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

Wissen Sie, wann in der Schweiz zum ersten Mal das 1.-August-Fest gefeiert wurde? Nein? – Oje, denn diese Frage könnte eventuell bei Ihrer Bewerbung für das Schweizer Bürgerrecht eine Rolle spielen. Wenn Sie jedoch den derzeit laufenden staatsbürgerlichen Kurs der Direktion des Innern in der Kantonsschule besuchen, dann wissen Sie, dass dies 1891 der Fall war. «Das 1.-August-Fest fand damals statt, als der erste konservative Bundesrat gewählt wurde», erklärte Hanspeter Uster am letzten Dienstag. Der ehemalige Zuger Regierungsrat wirkt an den zwei Kursabenden vom 2. und 9. Mai als Referent, der den rund 170 ausländischen Frauen, Männern und Kindern die wichtigsten Ereignisse zur Geschichte der Schweiz und des Kantons Zug näherbringt.

Offensichtlich muss man wirklich einiges tun und zumindest die wichtigsten historischen Eckdaten auswendig lernen, wenn man das Schweizer Bürgerrecht erwerben will. Zwar kommt heute kein Beamter bei den Bewerbern mehr in der Nacht vorbei, um die Verhältnisse zu überprüfen, doch ein Einbürgerungsverfahren findet statt. Für einen positiven Entscheid sind laut Uster drei staatliche Ebenen involviert, und zwar Bund, Kanton und Gemeinde. Laut Markus Stoll, Abteilungsleiter des kantonalen Bürgerrechtsdiensts, gibt es in Zug keine Prüfung mehr, sondern er führe mit den Bewerbern ein Gespräch zur Schweizer Geschichte, Staatskunde und über ihre Motivation für die Einbürgerung.

Sogar Schweizer wissen nicht immer alles

«Wer sich einbringen will, sollte über Basiswissen verfügen, wie die Demokratie funktioniert», sagte Frau Landammann Manuela Weichelt-Picard. Leider wüssten Schweizer oft erschreckend wenig über die hiesige Politik, das bedauere sie. Mancher sei sich wenig bewusst über die Privilegien in der gut organisierten Schweiz, in deren Gesellschaft Werte wie Freiheit und Toleranz gälten. «Als Neubürger können auch Sie einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt des Kantons Zug leisten», sagte sie motivierend, bevor Hanspeter Uster loslegte. Mit Folien und heiteren Episoden lockerte er die umfangreichen Informationen und Daten auf, ausgehend vom Bundesbrief über den föderalen Aufbau der Schweiz bis zu ihrem heutigen Verhältnis zum Rest der Welt. Ab und zu testete er mit Fragen das Wissen des Publikums und bat, jetzt nicht die Unterlagen abzulesen. Die könne man daheim studieren.

Viele leben schon lange im Land

Schon vor Beginn hatte Rachel van Koppen-Tachang ihre Notizen aufgeregt durchgeblättert: «Das ist alles schwierig.» Die Kamerunerin ist mit einem Holländer verheiratet und lebt seit elf Jahren in der Schweiz: «Die Kultur, das Klima und Essen ist anders, auch die Leute denken anders.» Dennoch gefalle es ihr hier sehr. «Die ganze Familie möchte sich einbürgern lassen. Die Kinder haben die Schule gut absolviert, eine Tochter lernt Fachfrau Sozialhilfe, die andere Logistik.»

Schon 26 Jahre lebt Kulanth Vairiah (52) aus Sri Lanka im Kanton. «Die Schweizer Kultur ist perfekt, und das Leben ist hier gut, auch für meine beiden Kinder, die in der Ausbildung sind», schwärmte der Koch. Rangara­than Annachamy (50) aus Sri Lanka spricht gut Schweizerdeutsch, dank der Arbeit in einem Team. Mit den Unterlagen in der Hand sagte er: «Jetzt muss ich lernen.»

Als Schüler ist Alexej Abdurachimow aus Moskau 2009 auf den Zugerberg ins Montana gekommen. Nun will der 19-Jährige, der gut Deutsch spricht, Schweizer werden, obwohl er ein bisschen Angst vor dem Verfahren hat. «Die Schweiz und Zug sind schön, vor allem die Natur.» Ihm gefällt das internationale Umfeld, da er sich später mit Business Administration befassen will. Putin in Russland sei auch ein Grund zum Bleiben.

Interessiert hat Senada Nasupovic (50) aus Bosnien-Herzegowina den Vortrag verfolgt. «Vieles weiss ich schon, ich habe mit meinen Kindern für die Schule gelernt. Zudem lese ich Zeitungen. Nun bin ich das halbe Leben da und finde das System hier perfekt: die Lebensqualität, der Standard und das Soziale. Jeder kann auch Arbeit finden.» Offen gibt sie zu: «Am Anfang war es nicht leicht. Doch ich habe realisiert, wie wichtig die deutsche Sprache ist. Wenn man hier lebt, muss man sie einfach lernen.»