ZUG: Hier hauste einst der Eremit

Im Bruderhaus von St. Verena lebte ein Einsiedler und betreute die Kapelle. Die Katholische Kirchgemeinde und die Denkmalpflege haben das Gebäude restauriert. Bald zieht eine neue Sigristenfamilie ein.

Wolfgang Holz
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Nackter Fels: Ambros Birrer vor der Kellermauer, die wohl aus dem Jahre 1725 stammt, als das Bruderhaus gebaut wurde. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 14. Dezember 2016))

Nackter Fels: Ambros Birrer vor der Kellermauer, die wohl aus dem Jahre 1725 stammt, als das Bruderhaus gebaut wurde. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 14. Dezember 2016))

Wie in einer Felsgrotte kommt sich vor – wer die Kellerstufen hinabgestiegen ist. Teils unbehauene, klotzige Steine, wild aufeinandergeschichtet und mit Mörtel grob verfugt, scheinen einen da unten bedrohlich anzustarren.

Fast gruselig wirkt dieser kleine Raum mit der wuchtigen Mauer. Und man kann sich leibhaftig vorstellen, wie anno 1725 der erste Bruder, Joseph Anton Fessler, in dieser Grube als Eremit hauste und von hier aus die gegenüberliegende St.-Verena-Kapelle betreute – die rund zwanzig Jahre zuvor gebaut worden war. Ora et labora in zugigen Verhältnissen quasi.

Erdwärme aus 80 Metern Tiefe beheizt nun das Haus

Knapp 300 Jahre später wirkt das ehemalige Bruderhaus äusserst behaglich und wohnlich – wie man sich bei einem Rundgang mit Ambros Birrer, Vizepräsident der Katholischen Kirchgemeinde der Stadt Zug, überzeugen kann. Allein die Tatsache, dass wenige Schritte von der besagten, denkmalgeschützten Mauer im Keller des restaurierten Bruderhauses eine moderne Erdwärmeheizung installiert wurde, die dank der Wärme aus zwei 80 Meter tiefen Löchern das Gebäude nun beheizt, hätte jener erste Waldbruder wohl als göttliches Wunder empfunden.

«Am 22. Dezember kann nun die neue Sigristenfamilie als Mieterin hier einziehen. Die Sigristin wird die St.-Verena-Kapelle künftig in einem 30-Prozent-Pensum betreuen», sagt Ambros Birrer und ist stolz darauf, dass im ehemaligen Bruderhaus wieder Leben einkehrt.

Während die St.-Verena-Kapelle, die dem Einsiedler Klosterarchitekten Caspar Mosbrugger zugeschrieben wird, auf der anderen Seite der Blasenbergstrasse mit ihrem charakteristischen Kreuz-Satteldach längst als Bijou gilt, ist das ehemalige Bruderhaus bislang nur als hässliches Entlein wahrgenommen worden. Das ändert sich nun.

Denn zusammen mit dem kantonalen Amt für Denkmalpflege und dem Zuger Architektenbüro Zumbühl-Heggli ist der Katholischen Kirchgemeinde der Stadt Zug eine bis in Details äusserst einfühlsame und gleichzeitig kreative Restaurierung des bis vor kurzem noch hinter Büschen versteckten Häuschens am Zugerberg gelungen.

Einfühlsam, weil neben der denkmalgeschützten Mauer im Keller der ursprüngliche, aus dunklen Tannenholzbalken gebaute Kern des Hauses im Erdgeschoss sowie in den Obergeschossen gut konserviert werden konnte. Dabei hat man im Bruderhaus viele der alten Balken geschmackvoll freigelegt. Den Umbau der seitlichen Laube als auch die neuen Wanddämmungen in einem jüngeren Anbau des Hauses, das insgesamt sechseinhalb Zimmer mit 150 Quadratmeter Wohnfläche aufweist, fertigten die Handwerker in heller Massivholzbauweise.

Dies sorgt für ein dezentes optisches Wechselspiel aus dunklem und hellem Holz, was die Verschränkung von Alt und Neu vor Augen führt.

Wobei der offene Wohnraum mit Stube, Esszimmer und moderner Küchenzeile im Parterre besonders einladend wirkt. Die Zimmer im ersten und zweiten Obergeschoss strahlen eine angenehme, ja fast meditative Ruhe aus. Bad und WC erschliessen eine kleine, moderne Wohlfühloase.

Kreativ wirkt die Restaurierung des ehemaligen Bruderhauses vor allem an den Aussenfassaden des Gebäudes. Die talwärts gerichtete Front mit Holzschindeln betont das Traditionelle eines Hauses auf dem Lande.

Die seitliche Fassade zur Blasenbergstrasse hin, in der es früher nur im Erdgeschoss zwei kleine Fenster gegeben hat, gewärtigt dagegen avantgardistische Züge. Hinter gestaffelten Holzlatten scheinen die neuen Fenster geheimnisvoll wie hinter einem Vorhang durch. Das Ganze wirkt infolge der seriellen Ornamentierung der Holzlatten sehr arabesk, ja schon fast orientalisch.

960 000 Franken kosten Restaurierung und Umbau

«Aus unserer Sicht ist das Bruderhaus ein gutes Beispiel dafür, wie unter Erhalt der historischen Substanz und des Erscheinungsbildes auch Erweiterungen und Umnutzungen möglich sind», zieht Franziska Kaiser vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie Bilanz.

Und das ist noch nicht alles im Rahmen der Restauration, die die Kirchgemeinde laut Ambros Birrer insgesamt 960 000 Franken kostet. «Es gibt auch noch einen neuen Brunnen mit Trinkwasser aus eigener Quelle vor dem Haus – der ist für die Öffentlichkeit gedacht.»

Wolfgang Holz
wolfgang.holz@zugerzeitung.ch

Warmes Ambiente: alte Balken kombiniert mit Massivholzbauweise. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 14. Dezember 2016))

Warmes Ambiente: alte Balken kombiniert mit Massivholzbauweise. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 14. Dezember 2016))

Bescheiden, aber stilvoll: das Bruderhaus mit ornamentaler Laube. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 14. Dezember 2016))

Bescheiden, aber stilvoll: das Bruderhaus mit ornamentaler Laube. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 14. Dezember 2016))