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ZUG: Hingeschaut: Mullicans Plastiken auf dem Metalli-Platz

Die Plastiken auf dem Metalli-Platz gehören zu den auffälligsten Kunstwerken im öffentlichen Raum des Kantons Zug. Farbe, Form und Platzierung sind wohlgewählt. Fast wäre dies seinerzeit wegen eines Rechtsstreits nicht umsetzbar gewesen.
Andreas Faessler
Wo die grössere der beiden Mullican-Skulpturen in den Himmel ragt, stand ursprünglich ein Portikus als Verlängerung der überdachten Ladenpassage. Nach dessen Abriss konnte die SBG (UBS) als Eigentümerin die Kunstwerke platzieren.

Wo die grössere der beiden Mullican-Skulpturen in den Himmel ragt, stand ursprünglich ein Portikus als Verlängerung der überdachten Ladenpassage. Nach dessen Abriss konnte die SBG (UBS) als Eigentümerin die Kunstwerke platzieren.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Sie erinnern ein wenig an Bauklötze aus dem Kinderzimmer in zehn- und zwanzigfacher Vergrösserung. Und sie dominieren einen der frequentiertesten Orte Zugs. Die beiden geometrisch und farblich stark präsenten Plastiken auf dem Metalli-Platz sind das Werk des New Yorker Künstlers Matt Mullican. «Signpost for Ideas» ist eine dreiteilige Installation. Die grösste, im Fluchtpunkt der Metalli-Passage stehende, ist neun Meter hoch und wiegt knapp fünfeinhalb Tonnen. Ihr kleineres Pendant steht versetzt auf demselben Platz im Fluchtpunkt der Neustadtpassage und ist in seinen Dimensionen um die Hälfte kleiner. Ihre Elemente sind mit aufgemalten Symbolen versehen, welche sich auf einer wiederum versetzt platzierten Betonkonsole unter einer gläsernen Oberfläche wiederfinden.

Der Künstler hat den einzelnen geometrischen Elementen der Türme individuelle Bedeutungen in Bezug auf das menschliche Leben zugemessen: Die bekrönende rote Kugel steht für das Denken und den Geist (das Subjektive), der schwarze Kubus für die Sprache, der kleinere gelbe Würfel für die Kunst, der wieder grössere blaue für die Welt und die acht grünen Kugeln für das Materielle. Mit den piktogrammähnlichen Symbolen auf den Elementen der kleineren Skulptur veranschaulicht Matt Mullican seine eigene Vorstellung der Welt und des Lebens. Die Modelle sollen die Realität abbilden und so selber zur Realität werden. Der Künstler räumt dem Betrachter jedoch sämtliche Freiheit zur individuellen Interpretation ein. Mullicans künstlerische Mission war und ist das Begreifen von Lebensprozessen, wie der heute 66-Jährige bei der Enthüllung des Kunstwerks im September 1996 sagte. Nicht nur die Aussage der Plastik war für ihn massgebend, sondern genau so deren Anordnung und Bezug zum Standort. Nicht ohne Grund hat er die beiden Türme genau auf den Fluchtpunkten der beiden Einkaufspassagen platziert, um so eine Verbindung zwischen diesen beiden Zeilen des öffentlichen Lebens zu schaffen.

Die Wirkung und das vom Urheber beabsichtigte Platzierungskonzept wären um ein Haar zum Scheitern verurteilt gewesen. Das gewölbte Glasdach der Ladenpassage zog sich ursprünglich in Form eines Portikus über den gesamten Platz bis fast zur Gotthardstrasse hin. Die SBG (nachmals UBS) und die Mieteigentümer-Gemeinschaft beschlossen, den bereits erstellten Portikus wieder abzutragen, weil sich nach Vollendung des Bankgebäudes kein stimmiges Gesamtbild ergeben hätte, so einst die Begründung. Die SBG hatte zudem ihr Interesse angemeldet, den Platz auf eigene Kosten mit diesen Werken von Matt Mullican zu gestalten, wobei der Portikus abermals hinderlich gewesen wäre – und selbstverständlich minderte er auch die Wahrnehmung des Bankgebäudes. Der Stadtrat erteilte darauf die Abbruchbewilligung. Doch wurde das Vorhaben vorerst gestoppt, nachdem eine Motion eingegangen war, den Portikus zu erhalten. Die SBG als Initiantin der Kunstwerke liess verlauten, dass sie die Skulpturen im Innenhof aufstellen werde, sollte der Portikus bestehen bleiben. Schliesslich nahm der Rechtsstreit ein Ende, als das Verwaltungsgericht entschied, den Abbruch zu genehmigen. Anfang Juli 1996 wurde die Säulenhalle demontiert. Jetzt war der Platz frei für Matt Mullicans Plastiken, deren Enthüllung die Fertigstellung des Metalli-Komplexes markierte.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut.

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