ZUG: Hooligan-Konkordat: «Es braucht einen Schulterschluss»

Am Donnerstag entscheidet das Parlament über den Beitritt zum Konkordat. Der Kommandant der Zuger Polizei warnt, dass Zug für Krawallfans attraktiv werden könnte.

Freddy Trütsch
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Der Zuger Polizeikommandant Karl Walker in der Einsatzzentrale in Zug.

Der Zuger Polizeikommandant Karl Walker in der Einsatzzentrale in Zug.

Das Geschäft ist umstritten. Sehr umstritten. Dass der Kantonsrat in erster Lesung darüber überhaupt diskutierte, hing an einem seidenen Faden. Mit 38 zu 37 (Abstimmung mit Namensaufruf) entschied sich der Rat schliesslich für die Beratung. Am kommenden Donnerstag fällt nun der Entscheid. Vieles spricht dafür, dass auch diese Entscheidung wiederum hauchdünn ausfallen wird. Zumal in einzelnen Parteien sogar von Fraktionszwang die Rede war. Wir haben beim Kommandanten der Zuger Polizei nachgefragt, was passiert, wenn der Kantonsrat Nein zum Beitritt sagt.

Karl Walker, hat Sie dieser grosse Widerstand gegen das Hooligan-Konkordat überrascht?

Karl Walker: Gegenüber Konkordaten bestehen zwar ganz allgemein Vorbehalte. Das Hooligan-Konkordat kostet den Kanton Zug nichts, sondern bringt Vorteile. Deshalb hat mich die starke Opposition schon überrascht.

Was haben Sie im Vorfeld erwartet?

Walker: In den Kantonen Zürich, Luzern, St. Gallen und Bern gab es ein ziemlich geschlossenes Ja der bürgerlichen Parteien und sehr viel Zustimmung bis ins linke Parteienspektrum hinein. Auch die Basler Regierung befürwortet den Beitritt. Ich habe dies ähnlich in Zug erwartet.

Wenn der Kantonsrat Nein sagt, werden dann Zuger Fans benachteiligt?

Walker: Ja, denn wir könnten in Zukunft gegen auswärtige gewalttätige Fans die strengeren Massnahmen des Konkordats nicht anwenden. Zugerische Fans hingegen, die sich bei Auswärtsspielen nicht korrekt aufführen, werden strengere Auflagen oder Massnahmen gewärtigen müssen. Ein Nein zum Konkordat bedeutet aber auch, dass wir das Risiko in Kauf nehmen, dass gewalttätige Fans und Chaoten vermehrt nach Zug reisen könnten, weil wir hier weniger wirksame Massnahmen aussprechen können.

Hatte die Polizei mit den Fans an den EVZ-Spielen in der letzten Saison Probleme?

Walker: Wir mussten in der vergangenen Saison gar keine Ordnungsdiensteinsätze für den EVZ leisten. Es fielen dadurch dem EVZ auch keine Kosten für polizeiliche Ordnungsdiensteinsätze an.

Keine – das würde heissen, dass die Konkordatsgegner Recht haben, wenn sie behaupten, das revidierte Polizeigesetz genüge?

Walker: Der EVZ hat von sich aus wirksame Massnahmen ergriffen und damit sehr erfolgreich neue Massstäbe gesetzt. Mitunter deshalb haben problematische Fans die Spiele in Zug boykottiert. Ob dies so bleibt, wenn wir in Zukunft weniger nachhaltige Sanktionsmöglichkeiten haben als die anderen Kantone, wird die Zukunft zeigen. Wichtig ist, dass die Kantone bei der Eindämmung der Gewalt an Sportveranstaltungen überall gleich vorgehen, wie dies das Konkordat vorsieht. Konkret sollten wir in Zug bei Bedarf die gleich langen Rayonverbote oder direkte Meldeauflagen aussprechen können wie in der übrigen Schweiz.

Aber der Kanton Zug verfügt ja bereits über ein gutes Polizeigesetz.

Walker: Das stimmt, wir haben ein gutes Polizeigesetz. Wenn das Parlament jetzt aber Nein zum Konkordat sagt, werden wir in Zukunft nicht die gleich langen Spiesse gegen Chaoten haben wie die anderen Kantone. Das kann nicht im Sinne unserer Bevölkerung sein, die sorgenfrei Spiele besuchen und nicht übermässige Steuermittel für die Sicherheit bei Sportveranstaltungen einsetzen möchte. Das neue Konkordat ergänzt unser Polizeigesetz zweckmässig.

Gegner sagen, das Konkordat gehe zu weit. Stimmt das?

Walker: Es wird leider viel behauptet, das nicht den Tatsachen entspricht.

Haben Sie Beispiele?

Walker: Es wird gewarnt davor, die Polizei würde an den Spielen das Bier verbieten. Dazu brauchen wir das Konkordat nicht. Bereits nach dem jetzt geltendem Nutzungsvertrag könnte man ein Alkoholverbot aussprechen.

Viele Kritiker haben Mühe mit den Kontrollen und sprechen von einem Eingriff in die Freiheitsrechte.

Walker: Mit dem Konkordat wird vorerst einmal die Freiheit und die gesundheitliche Unversehrtheit der friedlichen Matchbesucher geschützt. Solche Kon-trollen wurden nötig, weil es zu Gewalt und Ausschreitungen gekommen ist. Wenn sich die Situation in unserem Land in einigen Jahren bei Sportveranstaltungen wieder entspannt, wird niemand mehr unnötige Kontrollen machen wollen, weder die Klubs noch die Polizei.

Das Abtasten scheint ein weiteres grosses Problem zu sein. Wird denn jeder Fan beim Eintritt abgetastet?

Walker: Die Eingangskontrollen sind Sache des EVZ. Der Verein bildet sein Sicherheitspersonal unter Beizug der Polizei auch in rechtlichen Belangen aus. Die Sicherheitsorgane machen punktuelle Kontrollen, hauptsächlich beim Zutritt zum Gästesektor. Mir sind keine Reklamationen bekannt, der EVZ würde bei diesen Kontrollen nicht das Augenmass und die Rechtmässigkeit wahren.

Und wo werden Ausweisdokumente mit der Hooligan-Datenbank abgeglichen?

Walker: Beim Zutritt in den Gästesektor. Übrigens: Mit dieser Massnahme gehört der EVZ zu den Pionieren, und er hat in der letzten Saison eine sehr gute Ordnung erreicht. Andere Klubs haben Interesse an der zugerischen Lösung. Das Konkordat schafft auch hier die erforderliche Rechtssicherheit.

Was passiert, wenn der Kantonsrat das Konkordat ablehnt?

Walker: Ich gehe davon aus, dass der EVZ und die Polizei längerfristig mehr Sicherheitsmassnahmen unterhalten müssen, weil die Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Gewaltbereiten und Chaoten eine zu geringe abschreckende Wirkung entfalten. Allenfalls gehen wir auch ein gewisses Risiko ein, für Krawallfans attraktiv zu sein, weil hier die lascheren Regeln gelten und sie im Vergleich zur übrigen Schweiz keine oder geringere Konsequenzen zu tragen haben. Dabei steht nicht der Einlass ins Stadion im Vordergrund – da dürfte der EVZ auch in Zukunft konsequent sein –, sondern das Verhalten der Fans auf dem Weg zum und vom Stadion oder in den Zügen. Es braucht da einen Schulterschluss der Kantone, um die Bevölkerung sowie die Verkehrseinrichtungen besser schützen zu können.