ZUG: Hürlimann erinnert sich nur bruchstückhaft

In den Proben der Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin sind nach Angaben der Zuger Staatsanwaltschaft keine K.-o.-Tropfen nachgewiesen worden. Spiess-Hegglin zeigt sich «nicht überrascht». Und auch der Zuger Kantonsrat Markus Hürlimann nimmt Stellung zu den gegen ihn im Raum stehenden Vorwürfe.

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Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin während der Landammannfeier am 19. Dezember. (Bild: Charly Keiser)

Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin während der Landammannfeier am 19. Dezember. (Bild: Charly Keiser)

Das bedeutet allerdings nicht, dass mit absoluter Sicherheit keine solchen Tropfen im Spiel waren. Wie Polizeisprecher Marcel Schlatter auf Anfrage der sda sagte, ist GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure)8 Stunden nachweisbar. Im Falle von Jolanda Spiess-Hegglin vergingen zwischen dem mutmasslichen Vorfall und der Probe-Entnahme im Spital allerdings rund 20 Stunden.

«Wir haben grundsätzlich immer noch keine Ahnung, was sich in dieser Nacht zugetragen hat», sagte Schlatter weiter. Dies werde nun in den kommenden Wochen abgeklärt.

«Ich bin darüber nicht überrascht», sagte Jolanda Spiess-Hegglin nach Angaben ihres Sprechers Patrick Senn, als sie von der Staatsanwaltschaft darüber informiert worden war, dass mit der Auswertung ihrer Blut- und Urinwerte kein Nachweis für den Einsatz von K.o.-Tropfen oder einer anderen Substanz erbracht werden konnte.

Dass eine wie auch immer geartete Substanz im Einsatz gewesen sein muss, davon ist Jolanda Spiess-Hegglin immer noch überzeugt: «Die Umstände meines Erwachens am Sonntagmorgen – ohne jedes Anzeichen einer Alkoholvergiftung am Vorabend und die Erinnerung an das, was ich bis zum Beginn der Erinnerungslücke nur getrunken hatte, lassen für mich keinen anderen Schluss zu.»

Spiess-Hegglin betont, dass diese Überzeugung in keinem Widerspruch zu den heute veröffentlichen Ergebnissen steht: «Dass keine Substanzen nachgewiesen wurden heisst nicht, dass keine eingesetzt worden waren.»

Keine Beschuldigung gegen eine Person

Jolanda Spiess-Hegglin hält weiter fest, dass Sie zu keinem Zeitpunkt Beschuldigungen gegen eine Person erhoben hat. Sie habe nie behauptet, dass es der Zuger SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann gewesen sei, der ihr etwas ins Glas geschüttet habe. «Ich habe schon in meiner ersten Medienmitteilung klar gemacht, dass ich der Überzeugung bin, dass diese Sache eine Angelegenheit für die Untersuchungsbehörden ist, die unter Wahrung des Untersuchungsgeheimnisses und der Unschuldsvermutung in aller Ruhe abklären sollten, was vorgefallen ist.»

Unverständlich sind für sie in diesem Zusammenhang die Vorgänge im Kantonsspital Zug: «Ich war nach meiner Erinnerung am Sonntagmorgen um ca. 11 Uhr im Kantonsspital, wurde dann erst von einer Stelle zur nächsten und wieder nach Hause geschickt, um meine Kleider vom Vorabend holen zu gehen. Offensichtlich war das Spital überhaupt nicht vorbereitet auf einen Fall wie meinen.» Spiess denkt deshalb darüber nach, diese Erfahrung zum Gegenstand eines politischen Vorstosses zu machen.

Hürlimann verwahrt sich gegen die Vorwürfe

Im Namen von Markus Hürlimann hat sich nun auch dessen Rechtsanwalt Markus Dorman in einer Medienmitteilung geäussert: «Markus Hürlimann verwahrt sich gegen die Vorwürfe, die gegen ihn im Raum stehen. Er hat stets festgehalten, dass er weder irgendwie mit K.o.-Tropfen zugange war noch sonst wie strafbare Handlungen vorgenommen hat.»

Die Medienberichterstattung der vergangenen Tage berge die Gefahr, dass Markus Hürlimann ohne jegliche erhärteten Erkenntnisse in der Öffentlichkeit vorverurteilt wird. Verschiedene Punkte, die als Tatsachen dargestellt wurden, seien schlicht und einfach unzutreffend. Die würden auch die neusten Erkenntnisse des Vorverfahrens eindrücklich zeigen. Dabei weist Dormann nochmals auf die Unschuldsvermutung hin.

Aktuell läuft lediglich ein Vorverfahren gegen Markus Hürlimann. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob überhaupt Anhaltspunkte für die Eröffnung einer Untersuchung vorliegen. Es sei denkbar, dass aufgrund der laufenden Befragungen und weiteren medizinischen Untersuchungen eine so genannte Nichtanhandnahme erfolgt und gar kein Untersuchungserfahren eröffnet wird, heisst es in der Mitteilung weiter.

Zeugen bestätigen «beidseitig freiwillige Annäherung»

Markus Hürlimann habe nie einem Medium gesagt, es sei zwischen ihm und Jolanda Spiess-Hegglin zu Sex gekommen. «Alle bisher befragten Zeugen bestätigen jedoch entgegen den geäusserten Vorwürfen unmissverständlich und übereinstimmend eine aus ihrer Sicht beidseitig freiwillige Annäherung zwischen den beiden unter Alkoholeinfluss.» Ein Zeuge bestätige zudem, dass bei beiden nicht nur Wein, sondern auch Höherprozentiges im Spiel war. Laut diesen übereinstimmenden Zeugenaussagen haben Jolanda Spiess und Markus Hürlimann einander geküsst.

Markus Hürlimann selbst könne sich aufgrund des Alkoholkonsums wie Jolanda Spiess-Hegglin nur bruchstückhaft erinnern. Markus Hürlimann sei sehr an einer raschen Klärung interessiert und arbeite in allen Punkten eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Hürlimann werde sich allfällige rechtliche Schritte vorbehalten.

Mit Unterleibsschmerzen aufgewacht

Der Vorfall soll nach der Feier für den neuen Landammann Heinz Tännler (SVP) in der Nacht auf den 21. Dezember 2014 passiert sein. Dort war Spiess-Hegglin zuletzt zusammen mit Hürlimann gesehen worden.

Die Politikerin wachte am Morgen danach mit Unterleibsschmerzen auf, hatte aber keinen Kater. Weil sie sich an nichts mehr erinnern konnte, ging Spiess-Hegglin ins Spital. Die Ärzte informierten schliesslich die Polizei.

sda/pd/zim

Als der Abend noch jung war: Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin an der Land­ammannfeier vom 20. Dezember 2014. (Bild: Charly Keiser)

Als der Abend noch jung war: Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin an der Land­ammannfeier vom 20. Dezember 2014. (Bild: Charly Keiser)