ZUG: Ihre Kreativität fliesst in viele Kanäle

Franziska Stübi verkauft Masskonfektion. Gelernte Kürschnerin ist sie zudem. Welchen Anteil ihre Kunden daran haben, dass sie auch noch malt, sei hier verraten.

Susanne Holz
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Franziska Stübi mag Farben. Sei es auf der Leinwand, sei es in der Mode. (Bild Maria Schmid)

Franziska Stübi mag Farben. Sei es auf der Leinwand, sei es in der Mode. (Bild Maria Schmid)

In Franziska Stübis Ladengeschäft in der Grabenstrasse fühlt man sich schnell wohl. Die Sonne scheint durchs Schaufenster, in dessen Auslage fröhlich gelbe Portemonnaies den Frühling zu verkünden scheinen. Bei einem Glas Wasser sitzt man zwischen Accessoires aus Leder, Masshemden, sogenannten Wunschjeans und Handmacherschuhen. Ein paar Acrylbilder, gemalt von Franziska Stübi, lehnen an einer Wand und leuchten still vor sich hin. Die 47-jährige Ladenbesitzerin erzählt von sich und ihrem Werdegang. Und der ist kein ganz gewöhnlicher.

In Zug aufgewachsen, entschloss sich Franziska Stübi nach Abschluss der Sekundarschule in Baar – mehr oder weniger aus Zufall und Neugier – für eine Kürschnerlehre. Beim damaligen Pelz Weber in der Neugasse lernte sie den Umgang mit Fell und Leder. An der Gewerbeschule in Zürich traf sie auf rund ein Dutzend weiterer Kürschnerlehrlinge aus der ganzen Schweiz. Franziska Stübi war die einzige Auszubildende in diesem seltenen Handwerk, die aus dem Kanton Zug kam. Derzeit gibt es sogar nur eine einzige Auszubildende in der gesamten Schweiz. Diese geht bei Thomas aus der Au in Zürich in die Lehre. Der Kürschnermeister und Vizepräsident des Schweizerischen Pelzfachverbands führt in der Stadt an der Limmat ein Geschäft für Pelz, Leder und Lammfell und sagt: «Geschätzte 50 Kürschner sind schweizweit noch tätig. Pelze werden allerdings noch so viele verkauft wie vor 30 Jahren – nur über andere Kanäle. Boutiquen beispielsweise.» Nichtsdestotrotz gehe der Trend in den letzten drei, vier Jahren wieder zum individuell Gefertigten – sei das der Schrank vom Schreiner oder der Pelz vom Kürschner.

Ein heikles Thema

Für die frisch ausgebildete Kürschnerin aus Zug war vor Jahren schnell klar: Pelze sind ein heikles Thema. Und Mode ist das, was ich eigentlich machen möchte. Franziska Stübi belegte deshalb Kurse in Schnittzeichnen und bildete sich im Bürobereich weiter. Sie arbeitete für einen Designer und träumte vom eigenen Geschäft. 1994 war es so weit: Stübi eröffnete ihren ersten Laden. Zweimal sollte sie noch zügeln: Seit sieben Jahren findet man sie an der Grabenstrasse. Masskonfektion und Accessoires machen ihr Sortiment aus. Wobei sie die Masshemden nicht selber schneidert, sondern online die Schnittmuster erstellt, zusammen mit dem Kunden den Stoff aussucht und die Details wie Knöpfe oder Taschen bespricht.

Abstrakt und farbenfroh

Ganz zu Anfang war das noch anders. Da entwarf und schneiderte Stübi ihre eigene Kollektion an Herrenhemden. Bunt war sie und aussergewöhnlich: Die Hinterseite eines Hemds zierten da schon mal Tulpen. «Männerhemden sehen alle gleich aus, dachte ich mir damals.» Franziska Stübi erzählt von ihrer Motivation und fügt gleich darauf sympathisch unaufgeregt an: «Ich liess das Entwerfen aber bald wieder bleiben und konzentrierte mich aufs Klassische – die Männer waren einfach zu konservativ für meine Hemden.» Mag sein, dass sich die Zugerin auch deshalb in ihrer freien Zeit verstärkt aufs Malen verlegte: Hier konnte sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. «In der Schule war ich die Beste in Kunst», erzählt Stübi. «Zeichnen und Malen war stets eine meiner Leidenschaften.» Stübis Acrylbilder sind abstrakt und farbenfroh und zieren diverse Büros in Zug, Zürich oder Luzern. Ihre erste Ausstellung in Zug hatte die Künstlerin und gelernte Kürschnerin 1991. Weitere kleine Ausstellungen folgten. Franziska Stübi ist eher ein Geheimtipp als eine allseits bekannte Grösse der Kunstszene.

Vergangenen Sommer hingen Bilder von ihr in Bern – im Eidgenössischen Personalamt. «Das war mir Motivation weiterzumachen», erzählt Stübi, deren Leben zu gleichen Teilen das Malen und die Masskonfektion sind. Dieses Wochenende stellt die Zugerin in der Altstadthalle aus – und freut sich sehr darauf.

Hinweis

Franziska Stübi, Bilderausstellung im alten Kunsthaus (Altstadthalle), 17. bis 19. April. Vernissage am Freitag ab 17 Uhr. Samstag und Sonntag geöffnet von 11 bis 19 Uhr. Unter Altstadt 14, Zug.