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ZUG: Illegale Glücksspiele im Hinterzimmer

Erneut hat die Polizei eine Razzia durchgeführt und dabei Computer sowie Bargeld sichergestellt. Den Draht­ziehern ist allerdings kaum beizukommen.
Silvan Meier
Symbolbild Keyston / Gaetan Bally

Symbolbild Keyston / Gaetan Bally

Silvan Meier

Am 11. April stürmt die Zuger Polizei ein Klublokal in Hünenberg. Die Polizisten stellen diverse Spielterminals und Wettcomputer sowie mehrere tausend Franken sicher. Der Betreiber ist ein 33-jähriger Kosovare. Wenige Monate später dieselbe Szenerie, dieses Mal an der Neugasse in Baar: Im Lokal Balkan-Net nimmt die Polizei die Gastwirtin, eine 35-jährige Serbin, fest und beschlagnahmt auch hier Wettcomputer, Spielterminals und Bargeld. Nicht zum ersten Mal. Bereits im März 2011 hat die Polizei dem «Balkan-Net» und zwei weiteren Lokalen in Baar einen Besuch abgestattet – wegen Verdachts auf illegales Glücksspiel.

Auch andernorts in der Zentralschweiz ermitteln die Untersuchungsbehörden fieberhaft. So haben die Luzerner und die Schwyzer Kantonspolizei dieses Jahr bereits mehrere Razzien durchgeführt. Entsprechende Kontrollen gab es auch in anderen Deutschschweizer Kantonen (siehe Box).

Aufwendige Verfahren

Illegales Glücksspiel und Sportwetten beschäftigen neben den kantonalen Untersuchungsbehörden insbesondere die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK). Sie kontrolliert einerseits die gesetzlich zugelassenen Casinos, geht andererseits aber auch gegen illegale Anbieter vor. Und sie hat mehr zu tun als früher, wie sie in ihrem Jahresbericht 2014 schreibt. Es seien «vermehrt komplexe Untersuchungen gegen Verbrechersyndikate» nötig gewesen. 123 Strafverfahren hat die ESBK letztes Jahr eröffnet. Angesichts der Schätzung von ESBK-Direktor Jean-Marie Jordan, dass schweizweit in rund 2500 Lokalen illegale Glücksspiele mit einem Bruttospielertrag von 150 Millionen Franken angeboten werden, scheint das eine geringe Zahl zu sein. Der Aufwand für ein Verfahren sei aber sehr gross. Vor allem auch, weil 90 Prozent der Fälle Online-Spiele betreffen. Für die Beweisaufnahme müssen die Speichermedien und Datenträger entschlüsselt und analysiert werden. Oftmals ziehen sich die Ermittlungen in die Länge, wie es im Jahresbericht heisst: «Je mehr Akten ausgewertet wurden, desto weiter wurde der Kreis der Verdächtigen. Dies führte zu weiteren Hausdurchsuchungen, anlässlich derer neue Beweismittel erhoben wurden.»

Erschwert wird die Untersuchung durch die lückenhafte Gesetzgebung. Wenn ein Online-Angebot von einem Land aus betrieben wird, in dem die Spiele legal sind, bestehen in der Schweiz kaum strafrechtliche Anknüpfungspunkte. Die Täter müssen in flagranti erwischt werden – mit Filmaufnahmen beispielsweise. Wie die Zuger Polizei genau vorgegangen ist, will Pressesprecher Marcel Schlatter nicht offenlegen: «Die Täterschaft soll uns – wenn wir schon beim Thema sind – nicht in die Karten blicken können. Aber die Ermittlungen sind in der Tat anspruchsvoll und intensiv.»

Organisierte Banden

Die Erläuterungen der ESBK machen klar, dass hinter dem illegalen Glücksspiel in Bars und Restaurants gut organisierte Banden stehen, oftmals aus Südosteuropa. Eine Einschätzung, die Simon Planzer, Rechtsanwalt und Experte für Glücksspiel-Recht, teilt. «Reine Einzeltäter gibt es kaum. Wie auch bezüglich anderer Delikte wird oft innerhalb von Bekannten- und Familienstrukturen gehandelt.» Diese Clans stünden dann vor dem Dilemma, dass sie einerseits möglichst wenige Mitwisser haben wollten, andererseits das Geschäftsmodell dann besonders rentabel sei, wenn viele Kunden mit hohen Beträgen in diesen Bars spielten. Die aktuelle Gesetzessituation, welche keinen regulierten Markt zulässt, sei alles andere als ideal, fügt Planzer an. Ganz eliminieren lasse sich das illegale Glücksspiel in lichtscheuen Lokalitäten zwar nie, so Planzer. «Es geht aber darum, diesen Marktanteil so weit wie möglich zu verringern – und dafür braucht es ein attraktives legales Angebot.» Dies sei auch im Interesse des Konsumentenschutzes. Während legale Anbieter wie die Casinos strengen Auflagen unterlägen, seien Betrugsbekämpfung und Glücksspielsucht-Prävention sicherlich kein Anliegen der Betreiber solcher Lokalitäten.

Automaten, Computer, Bargeld

Illegales Glücksspiel van. Neben den Zuger Razzien haben die Behörden in diesem Jahr auch in umliegenden Kantonen illegale Glücks- und Wettspiellokale kontrolliert. Eine Übersicht über die Fälle (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • 29. Januar: Die Luzerner Polizei führt in einem Lokal am Bundesplatz in Luzern eine Razzia durch. Sie stellt Wettscheine, Kassenbücher und Wettprogramme sicher. Der Schweizer Betreiber wird festgenommen. Am selben Abend wird auch die Kantonspolizei Zürich fündig. Sie untersucht in Wetzikon ein türkisches Lokal sowie in Affoltern am Albis zwei Lokale. An beiden Orten stellt sie illegale Automaten und Wettcomputer sicher.
  • 5. Februar: Die Kantonspolizei Aargau stellt in einschlägig bekannten Lokalen Oftringen, Zofingen und Aarburg diverse Automaten und Computer sicher.
  • 20. Februar: Sieben illegale Glücks- und Wettspielautomaten beschlagnahmt die Zürcher Kantonspolizei in einem Lokal in Horgen. Der türkische Betreiber des Lokals wird festgenommen.
  • 22. Februar: In einem Lokal in Wädenswil verhaftet die Zürcher Kantonspolizei den türkischen Betreiber und stellt Automaten sowie rund 10 000 Franken Bargeld sicher.
  • 27. Februar: In Lachen führt die Kantonspolizei Schwyz eine Kontrolle in einem von einem Türken betriebenen Lokal durch. Sie beschlagnahmt Bargeld sowie sechs Computer.
  • 24. März: Die Kantonspolizei Zürich nimmt in einem privaten Club in Urdorf zwei Männer fest, die sich illegal in der Schweiz aufhalten. Zudem beschlagnahmt sie Automaten und Geld.
  • 26. Mai: Die Kantonspolizei Schwyz und die Spielbankenkommission untersuchen ein Lokal in Seewen. Betreiber sind zwei Serben. Die Behörden stellen Laptops, Glücksspielgeräte und mehrere zehntausend Franken Bargeld sicher.

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