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ZUG: «Im Prinzip haben alle Religionen das gleiche Ziel»

Die Pfarrei St. Johannes vereint Glaubensrichtungen: Im Kirchenchor singt ein Buddhist mit, ein Pfarreimitglied ist mit einem Hindu verheiratet.
Susanne Holz
Parthepan und Barbara Gunasekaram (rechts) haben ihre Kinder katholisch getauft. (Bild: Roger Zbinden / Neue ZZ)

Parthepan und Barbara Gunasekaram (rechts) haben ihre Kinder katholisch getauft. (Bild: Roger Zbinden / Neue ZZ)

Susanne Holz

Seit 15 Jahren singt der Tenor im St.-Johannes-Chor – zusammen mit vielen anderen erhebt er seine Stimme zu Weihnachten, zu Ostern, rund ums Kirchenjahr. Was Saman Matara allerdings von seinen Chorkollegen unterscheidet, ist die Religionszugehörigkeit: Der 47-Jährige ist Buddhist. Saman Matara kam vor 15 Jahren der Liebe wegen in die Schweiz und lebt heute zusammen mit seiner Schweizer Frau und dem 14-jährigen Sohn in Walchwil. Europa hat der Singhalese allerdings schon früher bereist: in seiner Tätigkeit als Textilfabrikmanager von Sri Lanka aus.

Gebete ähneln sich

Saman Matara nimmt gerne an katholischen Feierlichkeiten teil. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Saman Matara nimmt gerne an katholischen Feierlichkeiten teil. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Als Saman vor anderthalb Jahrzehnten in den Kanton Zug kam, sprach ihn seine Deutschlehrerin auf eine Mitgliedschaft im St.-Johannes-Chor an. Die Lehrerin selbst singt heute nicht mehr mit, Saman Matara mit einer kurzen Unterbrechung schon. «Ich singe sehr gerne», erzählt der Buddhist. Er fügt an: «Es war vor 15 Jahren schon eine grosse Überraschung für mich, in einem katholischen Chor mitsingen zu können – alle nahmen mich sehr herzlich auf und hiessen mich willkommen.» Und muten ihn, den Buddhisten, die katholischen Kirchenlieder denn gar nicht fremd an? «Für mich sind diese Lieder einfach Musik», erklärt Saman Matara. Überhaupt: Im Buddhismus sei Beten ein bisschen wie Singen – ein melodisches Sprechen. Und alle Gebete ähnelten sich auf dieser Welt.

«Einander Gutes tun»

«Ich bin nicht streng gläubig», sagt der 47-Jährige. «Den Buddhismus betrachte ich mehr als Lebensphilosophie denn als Religion.» Ungefähr einmal im Monat besuche er den buddhistischen Tempel in Lenzburg im Aargau. Was ihm dort besonders gefällt: das gemeinsame Essen und die offenen Diskussionen über den Buddhismus, die man mit dem Mönch führt. Saman Matara ist der Ansicht: «Im Prinzip haben alle Religionen das gleiche Ziel – dass die Menschen einander Gutes tun.» Der Singhalese war auch schon im hinduistischen Tempel der Tamilen in Adliswil. In der katholischen St.-Johannes-Pfarrei nimmt er sehr gerne an allen Feierlichkeiten teil. «Wenn es möglich ist, bin ich dabei», meint er mit einem Lachen.

Fröhliche Stimmung herrscht auch bei den Gunasekarams, als diese von ihrem Leben zwischen den Religionen berichten. Barbara Gunasekaram ist Katholikin und leitet eine Spielgruppe in der Pfarrei St. Johannes. Die 47-Jährige ist verheiratet mit Parthepan Gunasekaram, einem Hindu. Der heute 48 Jahre alte Tamile flüchtete Ende der Achtzigerjahre vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka. Kennen gelernt haben die beiden sich 1992 in Zug. Auch für Barbara Gunasekaram war die Schweiz damals Neuland: Kindheit und Jugend hatte sie in Australien verbracht, zusammen mit ihren Schweizer Eltern. Bei der Hochzeit der Gunasekarams 1996 mischten sich so Kulturen und Religionen aufs Wunderbarste.

Offen für den Glauben des anderen

Barbara Gunasekaram erzählt mit schelmischem Enthusiasmus davon: «Vormittags feierten wir eine hinduistische Zeremonie in Zürich, nachmittags eine katholische in der Zuger St.-Verena-Kapelle. Und abends hatten wir ein schönes Fest im Saal der reformierten Kirche in Baar.» Ihre drei Kinder liessen die Gunasekarams katholisch taufen. Weihnachten und Ostern zu feiern, ist der Mutter wichtig. Auf Reisen in Sri Lanka besucht die Familie dann hinduistische Tempel: «

Ich habe den Hinduismus gern», erzählt die Spielgruppenleiterin, «allein schon wegen Parthepan.» Hindus beteten sehr viel, und jeder Tempel sei einem bestimmten Gott geweiht. «Die Tempel sind für die Tamilen wichtige Zufluchtsorte in allen Lebenslagen», schildert die Katholikin ihren persönlichen Eindruck. «Unterwegs in der Heimat meines Mannes war ich beeindruckt, dass nach all dem Leid, das Krieg und Tsunami hinterlassen haben, die Frauen im Norden Sri Lankas immer noch so stolz und schön in den Tempeln erscheinen. Vielleicht gibt ihnen die Religion die Stärke, um weiterzumachen.»

Die Kinder der Gunasekarams interessieren sich mal mehr für den Hinduismus, mal mehr für den Katholizismus – und sie haben die Freiheit, das zu tun. «Religion ist ein Miteinander», findet ihre Mutter, «ob ich nun zu Jesus oder Shiva bete, spielt keine so grosse Rolle.» Nur verbiegen solle man sich nicht müssen. Vater Parthepan pflichtet ihr bei. Der Hindu war zusammen mit seiner katholischen Frau schon zweimal in Lourdes, ganz ohne Zwang. Und auch nach Einsiedeln geht das Paar sehr gerne. «Viele Tamilen beten in Einsiedeln», weiss Parthepan. «Es gibt Messen für die katholischen Tamilen, aber auch die hinduistischen Tamilen fühlen sich dort sehr willkommen.»

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