ZUG: Im Untergrund fühlen sie sich wohl

Kein Blick nach draussen und nur künstliches Licht: In der Migros Metalli stören sich die Mitarbeiter daran nicht.

Luc Müller
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Sind sich gewohnt, ohne Tageslicht zu arbeiten: (von links) Michelle Lingg, Christian Angst und Sarah Greter. (Bild: Werner Schelbert)

Sind sich gewohnt, ohne Tageslicht zu arbeiten: (von links) Michelle Lingg, Christian Angst und Sarah Greter. (Bild: Werner Schelbert)

Die Rolltreppe führt in den Keller. Hier gibt es kein Tageslicht mehr. Stattdessen sorgen Neonröhren und Hängelampen für Helligkeit. Seit zweieinhalb Jahren ist Emanuel Pellizzaro in der Migros im Metalli als Filialleiter tätig. Rund 110 Mitarbeiter sind hier angestellt. «Ich habe gar keine Mühe, ohne Tageslicht zu arbeiten», so Emanuel Pellizzaro. Zuvor arbeitete er in einer Migros-Filiale mit grossen Fenstern, «doch es gab keine Umstellungsschwierigkeiten für mich.» Ob die Sonne scheint oder ein Regenguss niedergeht – kurzfristige Wetterumschwünge würden sie jeweils an der Kleidung der Kunden erkennen.

Christian Angst (44) arbeitet als Bereichsleiter Metzgerei. Seit seinem 21. Lebensjahr ist er hier im Metalli. «Im Untergeschoss fühle ich mich nicht unwohl. Ich habe mich in der Anfangszeit schnell daran gewöhnt.» Jetzt im Sommer sei dieser Arbeitsplatz sogar ein Vorteil, weil es kühl sei. Michelle Lingg (22) ist seit Februar in der Nonfood-Abteilung beschäftigt. «Wir können ja genug Pausen machen und entweder nach draussen gehen oder uns im Pausenraum aufhalten, wo wir den Blick nach draussen haben.» Am Anfang sei es ungewohnt gewesen, im Keller zu arbeiten. «Doch jetzt arbeite ich gerne hier. Mit dem künstlichen Licht komme ich sehr gut zurecht», erzählt Sarah Greter (27), Fachleiterin Brot und Backwaren.

Zusätzlich Pausen mit Tageslicht

Vor zwei Jahren habe der Arbeitsinspektor die Filiale genau begutachtet und bestätigt, dass alle arbeitsrechtlichen Vorschriften eingehalten seien. Bei Arbeitsplätzen ohne natürliche Beleuchtung oder ohne Sicht ins Freie sieht das Arbeitsgesetz kompensatorische Massnahme vor, wenn bauliche Veränderungen in einem bestehenden Gebäude nicht möglich sind. «Die Migros Luzern ist bei bestehenden Objekten und Neubauten immer dafür besorgt, das geforderte Tageslicht für den Arbeitsplatz zu gewähren», erklärt Rahel Probst von der Genossenschaft Migros Luzern. Im 1987 erbauten Migros-Markt im Metalli sei dies aus baulichen Aspekten nicht möglich. «Das ist uns bewusst und die Situation und Massnahmen sind mit dem Arbeitsinspektor besprochen», doppelt Probst nach. Den Mitarbeitern sind vermehrt Pausen zu gewähren: Vorschrift sind 20 Minuten pro Halbtag. In der Migros im Metalli gibt es rund 30 Mitarbeiter, die an den Kassen sitzen und oft ohne Tageslicht sind, weil sie den Arbeitsplatz nicht rotieren können. «Seit ich hier bin, hat noch nie eine Kassiererin oder sonstige Mitarbeiter die ihr zustehende zusätzliche Pause beansprucht», sagt der Filialleiter. In der Migros haben die Mitarbeiter am Morgen, Mittag und Nachmittag fest eingeplant eine Pause zugute. «Wir wurden über unser Recht informiert, dass wir zusätzlich Pause machen dürfen. Die Pausenregelung ist unkompliziert. Wenn man sich abmeldet, kann man schnell nach draussen», so Sarah Greter.

Beschwerden bei Gewerkschaft

Bei der Gewerkschaft Unia gibt es oft Beschwerden von Personen, die ohne Tageslicht arbeiten müssen. «In gewissen Fällen gehen wir vor Ort und klären die Sachverhalte ab», so Natalie Imboden, Branchenverantwortliche Detailhandel. In neuen Shoppingcentern oder in Läden in Bahnhöfen entstünden immer noch viele Arbeitsplätze ohne Tageslicht.