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ZUG: Immer mehr Piloten schweben über dem Zugersee

Für Gleitschirmpiloten ist der Zugerberg ein Paradies. An Spitzentagen starten bis zu 100 Personen. Denn der Ort hat mehr zu bieten als nur eine gute Infrastruktur.
Carmen Rogenmoser
Sportchef Davide Licini. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Sportchef Davide Licini. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Es ist heiss, die Sonne brennt. Männer und Frauen, bepackt mit riesigen Rucksäcken, kämpfen sich eine kleine Anhöhe auf den Zugerberg hinauf. Oben angekommen werden sie herzlich begrüsst. Man kennt sich. Es wird über das Wetter, den Wind und die Thermik diskutiert. Aus den Rucksäcken werden grosse Gleitschirme ausgepackt und auf der Wiese ausgelegt. «Auf und davon», sagt Davide Licini und beschreibt die Szenerie damit punktgenau.

Jeder Flug ist einzigartig

In diesen Tagen sind sie wieder vermehrt anzutreffen: Gleitschirmpiloten, hier beim Start auf dem Zugerberg. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Vor 23 Jahren hat Davide Licini das Gleitschirmfliegen gepackt. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
«Jeder Flug hat etwas Spezielles. Immer erlebt man etwas, dass man zuvor noch nicht erlebt hat.» (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Sagts und hebt ab. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Der 52-Jährige fliegt nicht nur seit 23 Jahren regelmässig, sondern seit 21 Jahren auch Wettkämpfe, nationale und internationale. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Zugersee (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
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Gleitschirmpiloten auf dem Zugerberg

Vor 23 Jahren hat es ihn gepackt. Seit damals ist der Gleitschirm sein Begleiter. Unzählige Flüge hat er absolviert. Zwar könne er sich nicht mehr an jeden einzelnen genau erinnern, er meint aber: «Jeder Flug hat etwas Spezielles. Immer erlebe ich etwas, dass ich zuvor noch nicht erlebt habe.» Die Fliegerei übt auf Licini eine grosse Faszination aus: «Es ist der Reiz, wie ein Vogel in die Luft zu gehen – nicht mit Hilfe eines Motors, sondern nur durch die Sonnenkraft.» Das sei ein wahres Glücksgefühl.

«Dort links ist ein Knopf», ruft Licini mitten im Gespräch und zeigt auf einen grossen Schirm, der von einem anderen Piloten ausgelegt wurde. Beim Aufblasen knickt eine Seite immer wieder ein. Schon kommt ein weiterer Pilot angerannt und schaut sich die Sache näher an. Zwei, drei geübte Handgriffe reichen, und der Knoten ist gelöst. Unter den Piloten herrscht grosse Kameradschaft. Das beweist auch die Holzbank, auf der sich Licini niedergelassen hat. Das «Werni-Müller-Bänkli» wurde zu Ehren eines befreundeten Gleitschirmpiloten angefertigt und beim Startplatz aufgestellt. «Werni Müller starb vor rund einem Jahr beim Fliegen», sagt Licini. Das Risiko eines Absturzes fliegt immer mit – stellt man sich als Laie jedenfalls vor.

Das habe sich in den letzten Jahren aber grundlegend geändert, sagt Licini: «Stürzt heute jemand mit dem Gleitschirm ab, hat das eigentlich immer mit menschlichem Versagen zu tun», sagt der erfahrene Pilot. Materialschäden gebe es in der Regel nicht mehr. «Entscheidend ist die mentale Stärke. Man muss auch die Grösse haben zu merken, wenn man früher landen muss, als anfangs gedacht.» Davide Licini weiss genau, wovon er spricht. Der 52-Jährige fliegt nicht nur seit 23 Jahren regelmässig, sondern seit 21 Jahren auch Wettkämpfe. So nahm er kürzlich an der Paragliding Pre-World-Tour in Italien teil oder an den Schweizer Meisterschaften, wie vor zwei Jahren in Disentis. «Geldverdienen lässt sich damit aber nicht», sagt er. Für die meisten Wettkampfpiloten bleibe das Fliegen ein Hobby. Licini ist als Unternehmensleiter tätig. «Ich habe ein ganz normales Leben», lacht er. «Ich bin aber froh, dass ich mein Hobby auf so hohem Niveau ausüben kann.»

Noch mit 80 Jahren am Schirm

Die Gleitschirmszene ist nach wie vor am Wachsen. Die gegenwärtige Situation sei aber nicht mit dem Boom der 1990er-Jahre zu vergleichen, sagt Licini. «Die Ausübung des Sports ist bis ins hohe Alter möglich», wirft ein weiterer Pilot ein. Er ist der lebende Beweis: Philippe Schlumpf ist 80 Jahre alt und fliegt bereits seit 29 Jahren. Er ist ebenfalls oft auf dem Zugerberg anzutreffen. «Die Infrastruktur ist hervorragend, und die Zusammenarbeit mit dem Bauern, der die Wiese bewirtschaftet, funktioniert sehr gut.» Sowieso sei man als Gleitschirmpilot beim Landen auf fast jeder Wiese willkommen – vorausgesetzt man halte sich an gewisse Regeln, etwa, nicht im hohen Gras zu landen.

So ganz alleine sind die Piloten aber auch in der Luft nicht: Immer wieder werden sie von Vögeln begleitet. Sie zeigen den erfahrenen Fliegern nicht nur, wo thermische Strömungen zu finden sind, sondern sie sorgen auch für spezielle Erlebnisse. «Hier fliegen wir oft mit Milanen und Mäusebussarden», sagt Licini. Die Vögel seien neugierig und wollen wissen, wer sich da mit ihnen in der Luft befinde.

Paradies für Hängegleitsport

Paradeltaclubcro. Zu den Zielen des Paradeltaclubs Zug gehört der Erhalt und die Förderung des Hängegleitsports in der Region Zug. Ebenfalls in der Verantwortung des Clubs liegen die Startplätze Zugerberg und Ramenegg sowie die beiden entsprechenden Landeplätze «Bröchli» in Oberwil und in der Naas in Morgarten. Vor allem der Zugerberg hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Startplatz etabliert. Hier ist es relativ einfach zu starten, sagt Davide Licini, der als Sportchef des Paradeltaclubs amtet. Ausserdem entstehe regelmässig eine geeignete Thermik, so dass eine «Toplandung» möglich ist. Das bedeutet, dass man am selben Ort landet, wo man gestartet ist und sich dafür die Thermik zum Steigen zu eigen macht.

Vom Zugerberg ist es aber auch möglich, auf Strecke zu fliegen. Flüge von bis zu 100 Kilometer sind möglich. «Der Zugerberg ist ein einfacher Startplatz, aber mit spannenden Möglichkeiten», fasst Licini zusammen. Gestartet werden kann das ganze Jahr über. Besonders im Frühling ist der Zugerberg thermisch aktiv. Weil es sich beim Zugerberg um einen Westhang handelt, ist die Sonneneinstrahlung bis am Nachmittag gut, so dass auch Flüge bis Sonnenuntergang möglich sind.

Der Weg zum Gleitschirmpilot

Wer das Brevet zum Gleitschirmpilot erhalten will, muss eine fundierte Ausbildung absolvieren. Dazu gehören in der Grundschulung die Theorie und anschliessend der praktische Teil, rund 50 Höhenflüge werden unter Aufsicht eines Fluglehrers absolviert. Durchgeführt wird die Ausbildung vom schweizerischen Hängegleiterverein. Die Kosten bis zum Brevet, inklusive einer ersten Ausrüstung, liegen laut Licini bei rund 4500 Franken.

Carmen Rogenmoser

Beim Start vom Zugerberg bietet sich den Piloten ein wunderbarer Blick auf den Ennetsee. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Beim Start vom Zugerberg bietet sich den Piloten ein wunderbarer Blick auf den Ennetsee. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Beim Start auf dem Zugerberg. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Beim Start auf dem Zugerberg. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

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