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ZUG: In der Stadt Zug fehlen 491 Betreuungsplätze

In der Riedmatt haben über 70 Kinder keinen Platz in der ausserschulischen Betreuung bekommen. Andere Quartiere haben ähnliche Probleme. Einige Eltern fürchten schwere Konsequenzen.
Samantha Taylor
Die ausserschulische Betreuung in der Riedmatt hat zu wenig Platz für alle Kinder. (Bild Stefan Kaiser)

Die ausserschulische Betreuung in der Riedmatt hat zu wenig Platz für alle Kinder. (Bild Stefan Kaiser)

Samantha Taylor

«Als ich Bescheid bekam, konnte ich es erst gar nicht glauben», sagt Helen Faltas, und die Verärgerung ist ihr noch immer anzumerken. Grund dafür ist ein Schreiben, das Helen Faltas Ende Juni von der Stadt Zug erhalten hat. Der Inhalt: eine Absage für die ausserschulische Betreuung in der Riedmatt ab dem nächsten Schuljahr. «Ich wollte unseren jüngeren Sohn, der jetzt ins freiwillige Kindergartenjahr kommt, wie den älteren auch für drei Mittage und Nachmittage anmelden», sagt die Mutter von zwei Söhnen im Alter von viereinhalb und fünfeinhalb Jahren. In der Krippe, die sie bisher besuchten, habe sie die beiden aufgrund der Kündigungsfristen bereits abgemeldet. «Als dann Ende Juni die Mitteilung von der Stadt kam, dass es in der ausserschulischen Betreuung für die Kleinen keinen Platz mehr habe, war ich total baff», erinnert sich Faltas und ergänzt: «Ich weiss nicht, was ich jetzt machen soll.» Die 38-Jährige ist berufstätig und arbeitet drei Tage pro Woche in Zürich im Bereich Online-Marketing. Ihr Mann hat eine 100-Prozent-Stelle. Faltas: «Wir sind auf einen Platz in der ausserschulischen Betreuung angewiesen.»

30 Familien betroffen

Die Familie Faltas ist mit ihrem Problem nicht alleine. Über 70 Kinder aus den Quartieren Riedpark, Riedmatt, Ammannsmatt und Rank haben in der Riedmatt für das nächste Schuljahr keinen Platz in der ausserschulischen Betreuung erhalten. Betroffen sind rund 30 Familien. Insgesamt bietet die Riedmatt Platz für 45 Kinder am Mittag und 35 Kinder am Nachmittag. «Wir haben vier Kinder. Das älteste geht ab dem Sommer in die Kanti, das jüngste kommt jetzt in den Kindergarten. Für sie stehen wir ohne Lösung da. Nicht einen einzigen Tag haben wir für sie bekommen», sagt Markus Borner, der als stellvertretender Geschäftsführer in einem Betrieb im Bereich Holzhandel tätig ist. Auch er habe den Krippenplatz aufgrund der Fristen gekündigt. «Wir könnten unsere Tochter zwar jetzt wieder anmelden. Aber ob das etwas nützt, ist fraglich. Denn auch dort gibt es lange Wartelisten», berichtet der 45-Jährige, der mit seiner Familie seit 16 Jahren im Quartier wohnt.

Für die betroffenen Eltern ist klar: Die Absage der Stadt kann nicht hingenommen werden. Darum haben sie eine Online-Petition lanciert (www.petitionen24.com/kinderbetreuung_zug). Darin fordern sie von der Stadt und dem Grossen Gemeinderat unter anderem, dass mehr Geld für die Kinderbetreuung gesprochen wird und dass sofortige Massnahmen zur Schaffung neuer Betreuungsplätze ergriffen werden. Rund 100 Unterschriften sind bis gestern Nachmittag zusammengekommen. «Wir verteilen auch Flugblätter und haben das Gespräch mit der Abteilung Kind, Jugend, Familie gesucht», sagt Helen Faltas. Dort habe man sich zwar offen und verständnisvoll gezeigt. «Aber sie konnten uns keine Hoffnungen machen, dass eine Lösung gefunden wird», bedauert sie.

Keine Pflicht für Betreuung

Bildungschefin Vroni Straub-Müller kennt die Problematik. «Wir wissen, dass die Riedmatt aus allen Nähten platzt. Das hat auch mit der Überbauung Riedpark zu tun, in der mehr Kinder wohnen als angenommen. Ausserdem haben wir nicht damit gerechnet, dass so viele Familien die ausserschulische Betreuung in Anspruch nehmen würden.» Das stelle die Schule mit all ihren Angeboten vor Herausforderungen, so die Stadträtin weiter. Doch auch wenn man seitens der Stadt von einer solch hohen Nachfrage ausgegangen wäre, hätte das wenig genützt. «Wir haben begrenzte Ressourcen. In der Riedmatt fehlt es aktuell schlicht an Platz», so Straub.

Die Bildungschefin verweist darauf, dass das Anbieten von Betreuungsplätzen keine Pflicht der Stadt sei. «Es ist im Gegensatz zur Schule kein gesetz­liches Angebot. Wir müssen nicht für alle Kinder Plätze bieten.» Die Stadt verfüge derzeit grundsätzlich über ein attraktives Angebot. «Uns ist aber bewusst, dass wir dennoch nicht bedarfsgerecht sind, weil es zu wenig Plätze hat.» Nicht nur in der Riedmatt. So fehlen gemäss Angaben der Abteilung Kind, Jugend, Familie im Guthirt 44, im Herti 120, im Zentrum (Kirchmatt und Burgbach) 67, in Oberwil 35 und eben in der Riedmatt 225 Plätze. Das sind total 491 fehlende Betreuungsplätze. «Es handelt sich dabei nicht um die Zahl der Kinder, sondern um die Zahl der Plätze, die in den Betreuungsangeboten am Mittag und am Nachmittag nicht vorhanden sind», verdeutlicht Vroni Straub. In einigen Betreuungseinrichtungen – ausser in der Riedmatt – gebe es auch noch freie Plätze vor allem mittwochs und freitags. Diese Tage seien am wenigsten gefragt. Andere seien komplett ausgebucht.

Hoffen auf Lösung

Besserung ist an all diesen Standorten nur bedingt in Sicht. In der Riedmatt wird es vor 2019 wohl keine Entspannung der Lage geben. Bis dahin soll die Erweiterung des Schulhauses gebaut sein, wodurch auch mehr Kapazität für die ausserschulische Betreuung geschaffen wird. Für die Familien, die derzeit ohne Lösung dastehen, ist das allerdings kein Trost. «Das sind mindestens drei Jahre. Für uns geht das nicht», sagt Markus Borner. Die Eltern versuchen, sich deshalb selbst zu organisieren. «Wir haben uns nach Räumen umgesehen, in denen wir einen Mittagstisch organisieren könnten. Ich führe ausserdem gerade Gespräche mit einer Krippe, die sich auf Chamer Boden nur 10 Gehminuten von der Riedmatt entfernt befindet und noch Kapazitäten hätte. Aber es ist schwierig», erzählt Helen Faltas.

Und was passiert, wenn bis in sechs Wochen, also bis zum Ende der Sommerferien, keine Lösung gefunden wird? «Meine Frau wird ihr Pensum nicht erweitern können und ihre Weiterbildung streichen müssen», sagt Markus Borner. Helen Faltas möchte es zwar kaum sagen, denkt aber dennoch daran: «Wenn alle Stricke reissen, werde ich meine Stelle kündigen müssen. Ob wir dann in Zug bleiben können, ist fraglich. Denn eine Familie aus dem Mittelstand kann sich das Leben in Zug schlicht kaum leisten, wenn nur ein Elternteil arbeitet.»

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