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ZUG: Influencer erobern die Schweiz – auch Zugerinnen mischen erfolgreich mit

Influencer sind Personen, die auf sozialen Medien Produkte bewerben und damit mitunter die Stilrichtung ihrer Anhängerschaft prägen. Zwei Beispiele aus Steinhausen und Baar zeigen, wie man im Internet unverhofft zu einem kleinen Star werden kann.
Die Steinhauserin Rahel Aeschbach im Auftrag der Zuger Lohri Joaillerie mit ihrem Ehemann Rhe Nowak. (Bild: www.instagram.com/boxofbeauty)

Die Steinhauserin Rahel Aeschbach im Auftrag der Zuger Lohri Joaillerie mit ihrem Ehemann Rhe Nowak. (Bild: www.instagram.com/boxofbeauty)

Es klingt etwas ironisch: Das Erfolgsgeheimnis eines Influencers ist dessen Authentizität. Je lebensnaher er also ist oder sich gibt, desto mehr Personen können sich mit ihm identifizieren. Und desto mehr Vertrauen haben sie in seine Produktempfehlungen – wie beim besten Freund respektive der besten Freundin. So zumindest lautet die Theorie im Influence-Marketing, dieser in der Schweiz relativ neuen Art zu werben (siehe Box).

Dieser Anspruch auf Echtheit und Nähe wirkt bisweilen lächerlich, betrachtet man die bearbeiteten Fotos auf den Internetprofilen, auf denen Luxusgüter in Szene gesetzt werden, wahlweise an Traum-Reise-Destinationen.

Ein solches Scheinbild vermittelt die Steinhauserin Rahel Aeschbach auf ihrem Instagram-Account «boxofbeauty» – vermeintlich: «Ich trage, was ich auch im normalen Leben trage», stellt sie klar. Die 29-Jährige mag ganz einfach exklusive Mode und Accessoires.

Aeschbach eröffnete vor einigen Jahren ein Instagramkonto und veröffentlichte «ohne grosse Erwartungen» Fotos, die sie in modischer Kleidung oder auf Reisen in Badelatschen zeigen. Mittlerweile sehen fast 9000 Personen ihre Beiträge. Das sind genug, damit Firmen und Agenturen sich ihre Dienste sichern wollen. Auf ihrer Homepage www.box-of-beauty.com schreibt sie ausgiebige Blog-Einträge zu den Fotos – auf Deutsch und Englisch.

Dass sie nur die schönen Seiten des Lebens zeigt, dass sie in einer zumeist oberflächlichen Branche tätig ist – Aeschbach bestreitet das keineswegs.

«Ein netter Nebenverdienst»

Sie macht den Eindruck einer reflektierten Person, die sehr gut zwischen Schein und Sein zu unterscheiden weiss. Dass sie auf den meisten Fotos eine Sonnenbrille trägt, hat nicht nur werberisches Kalkül: Sie bezweckt durch das Verdecken der Augen das Ablenken von ihrer Person. «Die Produkte sollen im Vordergrund stehen», sagt Aeschbach, die den Begriff «Influencerin» meidet. «Ich will nicht beeinflussen, sondern inspirieren.»

Ihr Internetauftritt bedeutet für sie in erster Linie Spass. Sie weiss dabei das Privileg der Unabhängigkeit auf ihrer Seite: Aeschbach nimmt nur Aufträge an, die ihr gefallen und für die sie Zeit hat. Denn die Steinhauserin geht nur abends und am Wochenende ihrem Influencer-Dasein nach. Beruflich ist sie Marketing- und Personalverantwortliche im Familienunternehmen Aeschbach Chocolatier in Root, das lange in Cham ansässig war.

Ganz auf die Karte Influencerin zu setzen, kann sie sich nicht vorstellen. Sie zieht daraus neben «einem netten Nebenverdienst» die Bekanntschaft mit «interessanten Menschen aus verschiedenen Bereichen, die man sonst nicht kennenlernen würde».

Vom Erfolg überrumpelt

Ähnlich wie Aeschbach ergeht es der Baarerin Tamy, die ihren Klarnamen nicht veröffentlichen will – allerdings in weit grösseren Dimensionen. 100000 Follower zählt das Instagram-Profil «morethanyoucantake» der wohl meistbetrachteten Zuger Influencerin.

Die 25-Jährige relativiert diese Zahl: «Es sind wohl nicht alle Follower echt», sagt sie. Damit meint sie, dass gefälschte, von Computern gesteuerte Nutzer sich in ihrem Account eingenistet haben. Diese haben zum Zweck, dem Image des Nutzers zu schaden – manchmal stecken Konkurrenten dahinter. Überdies ist es möglich, selbst Follower zu kaufen, was Tamy aber nicht getan habe.

Das Überprüfen der Anhänger auf ihre Echtheit ist eine Aufgabe, die eine Menge Zeit frisst. Und Tamy investierte in den letzten Wochen viel Zeit. Wenn sie ihre Geschichte erzählt, klingt sie vom eigenen Erfolg überrumpelt. Man kann auf ihrem Instagram-Account beispielhaft sehen, wie schnell es gehen kann. Im Juni 2014 bestand ihre Anhängerschaft aus Bekannten, im Oktober 2015 aus 50000 Personen aus aller Welt.

Ein Foto, auf der sie ein T-Shirt einer «kleinen, unbedeutenden Firma» trug, hatte alles ins Rollen gebracht. Heute zeigt Tamy zum Beispiel ihre gerade gemachten roten Nägel vor einem Sportwagen-Logo und weist in der Beschreibung wie vereinbart auf das dafür verantwortliche Zuger Studio hin.

Die Baarerin habe bis zu diesem Jahr oftmals kein Honorar für ihre Werbetätigkeiten verlangt – bis ihr eine erfahrene Influencerin die Augen geöffnet habe. «Ich hatte früher ein schlechtes Gewissen, Geld zu verlangen, weil ich ja tolle Sache als Gegenleistung für die Bilder erhielt. Aber wenn man sich überlegt, dass die Firmen mit mir Fotograf, Model, Texter und Werbeplattform in einem erhalten, für die sie sonst einzeln zahlen müssten, ist das gerechtfertigt.» Sie wählt selbst, für welche Produkte sie wirbt und für welche nicht – abgelehnt hat sie Anfragen wie etwa für Haarwuchsmittel und Abnehmpräparate.

Die Community verlangt viel

Grosser Einfluss geht mit grosser Verantwortung einher. Tamy kennt diese Gleichung nur zu gut. Ihre wohl mehreren 10000 echten Follower verlangen nach Aufmerksamkeit über die alle paar Tage hochgeladenen Fotos hinaus. Neben «billigen Anmachen» würden ernsthafte Fragen an sie gerichtet. Sie versuche, jede zu beantworten, schaffe das aber nicht immer. «Wenn ich gestresst bin, erlaube ich mir Auszeiten zu nehmen», sagt sie offen.

Das wird häufiger der Fall sein, wenn die derzeitige Jurastudentin ab dem kommenden Herbst Betriebswirtschaftslehre studieren wird. Ihre berufliche Zukunft sieht Tamy nicht als Werbefigur im Internet. «Klar kann es sein, dass man gehypt und ein internationaler Star wird. Aber genauso kann es sein, dass sich plötzlich keiner mehr für einen interessiert – dann hat man gar nichts, das ist mir zu riskant.»

So gross die Verlockungen der digitalen Welt sind – letztlich behält die reale die Oberhand.

Raphael Biermayr
<span style="font-size: 1em;">raphael.biermayr@zugerzeitung.ch</span>

Rahel Aeschbach bewirbt vor allem Mode und Accessoires. (Bild: www.instagram.com/boxofbeauty)

Rahel Aeschbach bewirbt vor allem Mode und Accessoires. (Bild: www.instagram.com/boxofbeauty)

Die Baarerin Tamy ist die wohl meistbetrachtete Zuger Influencerin. (Bild: www.instagram.com/morethanyoucantake)

Die Baarerin Tamy ist die wohl meistbetrachtete Zuger Influencerin. (Bild: www.instagram.com/morethanyoucantake)

Ihre Ferien auf Bali erhielt Tamy nach eigenen Angaben zu 80 Prozent von Auftraggebern bezahlt. (Bild: www.instagram.com/morethanyoucantake)

Ihre Ferien auf Bali erhielt Tamy nach eigenen Angaben zu 80 Prozent von Auftraggebern bezahlt. (Bild: www.instagram.com/morethanyoucantake)

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