ZUG: Informatiker sollen Wirtschaft ankurbeln

Die Hochschule Luzern hat Pläne für ein neues Informatik-Departement in Zug. Der Kanton könnte damit seine Studentenzahl gleich verdoppeln. Davon erhofft man sich in Zug sehr viel.

Stephanie Hess
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Hörsaal der Pädagogischen Hochschule Zug: Bereits heute sorgen Studenten für ein akademisches Klima in Zug. (Archivbild Werner Schelbert)

Hörsaal der Pädagogischen Hochschule Zug: Bereits heute sorgen Studenten für ein akademisches Klima in Zug. (Archivbild Werner Schelbert)

Lehrer, Finanzexperten, Rettungssanitäter, Kindererzieher und Agrotechniker: An drei Fachhochschulen und sieben höheren Fachschulen werden im Kanton Zug heute bereits zahlreiche Fachkräfte ausgebildet. Gut möglich, dass bald auch Informatikfachleute eine Fachhochschulausbildung erhalten. Seit Februar prüft die Hochschule Luzern die Schaffung eines Informatik-Departements – als möglicher Standort kommt dafür der Kanton Zug in Frage. Mit einem solchen Institut würden die 450 aktuell an der Hochschule Luzern studierenden Informatiker nach Zug zügeln. Basierend auf bisherigen Analysen der Hochschule Luzern wird bei einem Vollbetrieb mit 800 bis 1000 Studenten gerechnet. Das würde die bisherige Zahl der Fachhochschulstudenten von rund 700 im Kanton mehr als verdoppeln. Der Standortentscheid soll Mitte Dezember fallen.

Zug müsste mehr bezahlen

Bisher bezahlt der Kanton Zug an die Hochschule Luzern Beiträge in der Höhe von 8 Millionen Franken. Mit einem Zuger Standort müsste der Kanton Zug zusätzlich eine Standortabgeltung in der Höhe von 6 Prozent des Umsatzes der neuen Schule berappen. Wie hoch diese genau sein wird, ist noch Gegenstand von Berechnungen, wie Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel sagt. Die zusätzlichen Beiträge wären für die Hochschule lukrativ, die bekanntlich mit einem strukturellen Defizit kämpft. Michel hält aber deutlich fest: «Eine mögliche Entlastung von Luzern ist nicht Motivator, sondern wäre Folge eines möglichen Standortes Zug.» Derzeit werde beim Kanton eine volkswirtschaftliche Bewertung eines möglichen Informatik-Departements vorgenommen. Für ihn ist aber klar: «Der zusätzlichen Abgeltung des Kantons Zug steht ein entsprechender Gegenwert gegenüber.»

Studenten bringen Kaufkraft

Doch wie sieht dieser Gegenwert aus? Und ist von ihm auch tatsächlich auszugehen? Gemäss Frank Bodmer, Ökonom und Dozent an der Universität Basel, «ist sicherlich mit positiven Effekten zu rechnen». Er nennt den Imageeffekt, den ein solches Institut haben würde. «Zug würde klar sichtbar Verantwortung bei der Ausbildung von Hochqualifizierten übernehmen. Die Arbeit des Instituts dürfte auch regelmässig in den Medien zitiert werden, was letztlich auch Werbung für den Kanton ist», so Bodmer. Andererseits weist der Ökonom auf den Kaufkrafteffekt hin, den die Studenten und auch die Mitarbeiter bringen könnten. So kann der Detailhandel von zusätzlichen Konsumenten profitieren, beispielsweise für die Mittagsverpflegung oder auch als Gäste in Bars, Restaurants und Klubs. Gut möglich, dass rund um das Institut Imbissläden oder auch Bars eröffnen.

«Der Bedarf ist gross»

Am meisten profitieren wird der Kanton aber von der deutlich grösseren Anzahl Informatiker vor Ort. «Es kann damit gerechnet werden, dass die Studenten lokale Stellenanbieter, die sie vielleicht bereits im Studium kennen lernen, eher berücksichtigen», so Bodmer. Mit dem Effekt rechnet auch Matthias Michel: Bis ins Jahr 2020 werde mit über 50 000 fehlenden Fachkräften im Bereich Informatik gerechnet. «Wir wissen, dass in der Zentralschweiz der Bedarf gross ist.» Und Zug steche hier besonders hervor. Mit 10 Prozent der Arbeitsstätten in der Kommunikations- und Technologiebranche sei im Kanton Zug der Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitsplätze doppelt so hoch wie im Schweizer Durchschnitt.

Wandern Absolventen ab?

Doch ob der Kanton Zug die Fachkräfte tatsächlich halten kann? Frank Bodmer sagt: «Viele dieser Informatiker werden letztlich in einem anderen Kanton arbeiten.» Regierungsrat Michel dazu: «Erstens weiss ich vom grossen Interesse von Zuger Unternehmen. Zweitens gibt es die Erkenntnis, dass Studierende in der Region ihrer Ausbildung bleiben. Und wir reden hier ergänzend zum Kanton Zug von einem grösseren Wirtschaftsraum, welcher einen Grossteil des Metropolitanraums Zürich mitumfasst.»

Neben dem volkswirtschaftlichen rechnet man aber auch mit einem intellektuellen Nutzen eines solchen Instituts. Johannes Milde, Präsident der Zuger Wirtschaftskammer, sagt, dass bereits heute eine Zusammenarbeit zwischen den Fachhochschulinstituten und Zuger Unternehmen besteht. Er nennt dabei die Zusammenarbeit des Verbands für Rohstoffhandel mit dem Institut für Wissen, Energie und Rohstoffe (Werz) in Zug. Das Institut ist Teil der Hochschule für Technik Rapperswil. Das Werz habe auch bei der Entwicklung des Siemens-Areals mitgewirkt. Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug, das zur Hochschule Luzern gehört, hat gemäss Matthias Michel mit Wirtschaftspartnern bereits einige Forschungsprojekte lanciert, die weit über Zug hinausstrahlen.