ZUG: «Ivo Romer genoss Sonderbehandlung»

Die Nachkommen der mutmasslich Betrogenen melden sich zu Wort. Sie sind vom PUK-Bericht der Kommission im Fall Romer masslos enttäuscht.

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Der Stadtrat in seiner damaligen Zusammensetzung (vordere Reihe mit Ivo Romer, dem Zweiten von links) wird von den Nachkommen der mutmasslich geschädigten D. B. kritisiert. (Archivbild Stefan Kaiser)

Der Stadtrat in seiner damaligen Zusammensetzung (vordere Reihe mit Ivo Romer, dem Zweiten von links) wird von den Nachkommen der mutmasslich geschädigten D. B. kritisiert. (Archivbild Stefan Kaiser)

Der Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission zum Fall des alt Stadtrats Ivo Romer ist am Dienstagabend im Grossen Gemeinderat behandelt worden (siehe Box). Romer wird vorgeworfen, die inzwischen verstorbene D.B. um mehrere Millionen Franken gebracht zu haben. Die PUK arbeitete die Rollen des Stadtrats und der Vormundschaftsbehörde in dem Fall auf. Das Fazit: weder der Stadtrat noch die Vormundschaftsbehörde haben Ivo Romer geschützt.

Ganz anders sehen das die Nachkommen von D.B. In einem Bericht, den sie an die Gemeinderäte verschickt haben und der unserer Zeitung vorliegt, legen sie ihre Sicht der Dinge dar.

Die vier Geschwister sind masslos enttäuscht von den Ergebnissen der PUK. Viel öfter als von der PUK festgestellt, hätten falsche Loyalitäten gespielt, stellen sie fest. Ivo Romer habe in Bezug auf ihre Mutter zudem Kompetenzen übernommen, die ihm nicht zustanden seien. «Er war nur befugt, unsere Mutter gegenüber der UBS AG zu vertreten.» Er habe keine Generalvollmacht gehabt und wäre auch nicht Ansprechperson in Vormundschaftsfragen gewesen.

Die Schlussfolgerung der PUK, dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass Ivo Romer geschützt worden sei, ist für die Nachkommen nicht haltbar. «Ivo Romer genoss aufgrund seiner Position eine Sonderbehandlung.» Auch verweist die Familie in ihrem Bericht noch einmal auf die prekäre finanzielle Situation ihrer Mutter und das schwindende Vermögen.

Parlament würdigt Schlussbericht

Umfassend, sorgfältig, differenziert: So lautete das Fazit des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug zum Schlussbericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission Romer. Dies teilt die Stadt Zug in einer Medienmitteilung mit. PUK-Präsident Jürg Messmer (SVP) sagte, der Bericht habe jene Qualität erreicht, die die Kommission selber angestrebt habe. Es sei ein sehr grosser Aufwand betrieben worden, die PUK sei «an die Grenzen des Milizsystems» gestossen.

Stadtpräsident Dolfi Müller zeigte sich erleichtert darüber, dass die PUK die schwerwiegenden Vorwürfe gegen den Stadtrat entkräftet hat. Die Kritik des mangelnden Fingerspitzengefühls bei Interessenkonflikten nehme er sehr ernst. Dolfi Müller bezeichnete den Fall Romer «als heilsamen Schock, aus dem wir Lehren ziehen müssen». 

Die politischen Parteien haben den Schlussbericht positiv zur Kenntnis genommen. «Umfassend und sorgfältig» sei die Arbeit der Kommission, sagte Martin Kühn (FDP). Sie habe ihre Aufgabe «mit vorbildlichem Pflichtbewusstsein gelöst», doppelte Isabelle Reinhart für die CVP nach. «Sorgfältig und differenziert», lautete das Fazit von Silvan Abicht (GLP). Karin Hägi (SP) sieht «alle Vorwürfe widerlegt», die in der «medialen Aufwiegelung» im Fall Romer gegenüber dem Stadtrat geäussert wurden. Die PUK habe aber mit ihrer Arbeit auch «die Ehre des Grossen Gemeinderats und der städtischen Politik gerettet», äusserte sich Philip C. Brunner (SVP)
 
Zu unterschiedlichen Voten führte die Überschreitung des Kostendachs für die Kommission um über 100'000 Franken und damit um über 100 Prozent. Karin Hägi (SP) und Silvan Abicht (GLP) bezeichneten es als unverständlich, dass die Kommission diese Überschreitung erst im Nachhinein kommuniziert hat. Kommissionspräsident Jürg Messmer (SVP) übernahm für die verspätete Kommunikation der Mehrkosten die Verantwortung: «Das nehme ich auf meine Kappe.»

st/rem

Mehr zum Bericht der Nachkommen lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Zuger Zeitung.