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ZUG: Japaner wollen L+G definitiv loswerden

Die bewegte Geschichte des 121-jährigen Traditionskonzerns erhält ein neues Kapitel. Weil Mehrheitsaktionärin Toshiba dringend Geld braucht, plant sie, ihre Tochterfirma Landis + Gyr zu veräussern. Noch in diesem Quartal soll es zu einem Börsengang kommen.
Ernst Meier
Blick ins Innere eines intelligenten Stromzählers. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Zug, 3. August 2011))

Blick ins Innere eines intelligenten Stromzählers. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Zug, 3. August 2011))

Ernst Meier

Immer wieder kamen in den letzten Monaten Gerüchte auf, dass Landis + Gyr (L + G) separat an der Börse kotiert werden soll. Hintergrund waren Spekula­tionen über Toshiba. Der japanische Mischkonzern besitzt 60 Prozent am Zuger Traditionsunternehmen, 40 Prozent gehören der staatsnahen Innovation Network Corporation of Japan (INCJ). Toshiba steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Für das per Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 2016/17 gab das Unternehmen einen Rekordverlust von 950 Milliarden Yen (8,4 Milliarden Franken) bekannt.

Entsprechend muss Toshiba durch den Verkauf von Tafelsilber ihre Bilanz wieder in den Griff bekommen. Die US-Atomsparte Westinghouse Electric wurde in die Insolvenz geschickt, und die abgespaltene Speicherchipsparte soll ebenfalls verkauft werden. Nun will ­To­shiba auch die Zuger Tochter Landis + Gyr zu Geld machen.

Gestern Morgen gab L + G via Medienmitteilung bekannt, dass man einen IPO (Initial Public Offering, Fachbegriff für Börsengang) bis Ende September plane. Die Aktien sollen an der Schweizer Börse SIX kotiert werden. «Die derzeitigen Aktionäre Toshiba und INCJ werden beim Börsengang voraussichtlich ihre gesamten Landis + Gyr-Aktienanteile veräussern», hiess es weiter.

Geschätzter Marktwert von L + G liegt bei 2,3 Milliarden Franken

Gegenüber unserer Zeitung nahm L + G-CEO Richard Mora zu den Börsenplänen Stellung. Dabei zeigte sich, dass trotz den IPO-Plänen noch nicht feststeht, ob es auch wirklich zu einem Börsengang kommt. «Toshiba prüft für Landis + Gyr verschiedene strategische Optionen: ein Verkauf der ganzen Firma, ebenso wie der heute angekündigte Börsengang», erklärte Richard Mora. Noch sei kein definitiver Entscheid gefallen. Mora: «Es laufen Gespräche sowohl mit Interessenten, die L + G ganz übernehmen möchten, als auch mit Investoren, die sich im Rahmen des Börsengangs für eine Beteiligung interessieren.» Auf beiden Seiten sei das Interesse gross. Zum Preis, den man für L + G bezahlen muss, wollte sich Richard Mora nicht äussern. In Fachkreisen spricht man von einem Wert der Zuger Traditionsfirma von 2,3 Milliarden Franken. L + G erwirtschaftet bei einem Jahresumsatz von 1,7 Milliarden Dollar einen Gewinn (Ebitda) von 151 Millionen Dollar und beschäftigt 6000 Mitarbeiter, 330 davon in Zug.

Ob Börsengang oder Verkauf an ein anderes Unternehmen, für L + G wird bald ein neues Kapitel in der sehr be­wegten Firmengeschichte geschrieben. Der Technologiekonzern steht für die Industrialisierung des einstigen Bauernkantons wie kein anderes Unternehmen. Was Sulzer für Winterthur oder die BBC für Baden bedeuteten, das war L + G für Zug. Noch bevor der 11 Gemeinden umfassende Kleinkanton sich als steuergünstigen Wirtschaftsstandort und Heimat von Finanzunternehmen und Rohstoffkonzernen einen Namen machte, war das 1896 in der Stadt Zug gegründete «Electrotechnische Institut Theiler & Co» allgegenwärtig. Ab 1905 hiess das Unternehmen Landis & Gyr – damals noch mit einem kaufmännischen «Und» geschrieben.

Als Zulieferer für die Elektrobranche stellte L&G Stromzähler, Telefoninduktoren und Fonografen her. Schon früh erfolgte die internationale Expansion. Zur Hochblüte in den 1970er-Jahren beschäftigte «L & G» in Zug 5000 Personen, weltweit waren es 15000.

Der Wechsel von den mechanischen zu den elektronischen und später zu digitalen Stromzählern hatte bei L & G eine Serie von nicht mehr enden wollenden Restrukturierungen zur Folge. In Zug gingen massenweise Stellen verloren. Es folgten mehrere Besitzerwechsel, bis Toshiba und INCJ Landis + Gyr 2011 übernahmen. Unter dem Dach des japanischen Mischkonzerns schienen die Zuger am richtigen Ort zu sein.

Die zunehmende Nachfrage nach intelligenten Stromzählern (Smart Meters) belebt die Branche. Vom einfachen Stromzähler für Haushalte und Mehr­familiengebäuden bis zum Hightech-Gerät für Kraftwerke – L + G liefert das ganze Sortiment. Die Stromzähler werden zwar nur noch zu einem sehr kleinen Teil in Zug produziert, die Stadt ist aber nach wie vor Hauptsitz und das Herz von L + G. Das soll auch weiterhin so bleiben, wie Richard Mora versichert: «Eine mögliche Kotierung an der SIX dürfte die Bedeutung Zugs als globalen Hauptsitz darüber hinaus weiter stärken.»

Landis + Gyr: Bewegte Geschichte

1896: Der Techniker Richard Theiler und der Gewürz- und Eisenwarenhändler Adelrich Gyr, beide aus Einsiedeln, gründen in Zug ihr «Electrotechnisches Institut Theiler & Co.» zur Produktion von Stromzählern sowie Telefoninduktoren und Fonografen.

1903: Das Unternehmen nimmt den Ingenieur Heinrich Landis aus dem zürcherischen Richterswil als dritten Gesellschafter auf.

1904Richard Theiler zieht sich aus der Firma zurück. Heinrich Landis übernimmt den Betrieb, zu dem Karl Heinrich Gyr als Teilhaber stösst.

1905Umbenennung in Landis & Gyr.

1924Gründung der Niederlassungen in New York und in Melbourne (Australien). Landis & Gyr beschäftigt zu diesem Zeitpunkt 1100 Personen in Zug.

1940Aufbau eines wärmetechnischen Labors. Der spätere Konzernbereich Building Control firmiert seit 1998 als Siemens Building Technology.

1956Der Jahresumsatz der jetzt an der Börse gehandelten Firma beträgt mittler- weile 80 Millionen Franken.

1976Die Firma beschäftigt weltweit 15 500 Personen, davon über 5000 in Zug. Der Umsatz erreicht mit 900 Millio- nen Franken einen Höchststand.

1984Wirtschaftliche Schwierigkeiten führen zu Restrukturierungs- und
Redimensionierungsmassnahmen.

1987Die Erben von Karl Heinrich Gyr verkaufen ihre Anteile an den Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny.

1995Elektrowatt kauft die Mehrheit und nimmt Landis & Gyr von der Börse..

1998Siemens übernimmt die industriel- len Aktivitäten der Elektrowatt AG und damit auch das als Landis & Gyr Utilities geführte Zählergeschäft. Es kommt zur Schliessung von Fabriken und zu einem Jobabbau auf unter 4000 Beschäftigte.

2002US-Finanzinvestor KKR über- nimmt. Umbenennung in Landis + Gyr.

2004Die Bayard-Gruppe (Australien) kauft L + G. Sie baut sie zur Marktführerin für Smart-Metering-Lösungen aus.

2011Verkauf an Toshiba (60 Prozent) und Innovation Network Corporation of Japan (40 Prozent) für 2,3 Milliarden Dollar.

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