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ZUG: Jeder dachte, er könnte der Nächste sein

Über eine anonyme Gruppe auf der Plattform Instagram sind Jugendliche aus dem Kanton Zug blossgestellt worden. Das sorgte für Angst unter Gleichaltrigen, viele fürchteten sich vor dem Online-Pranger. Die Täter schreckten auch vor Drohungen nicht zurück.
Christopher Gilb

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Die Instagram-Gruppe war überall Thema. Im Kino, in der Schule und sogar ein älterer Mitarbeiter habe sie gekannt, erzählt eine Zeugin, die sich an unsere Zeitung gewendet hat. Was Facebook noch vor einigen Jahren für Jugendliche war, ist jetzt Instagram: eine Plattform zum Teilen von Fotos und Videos. «In meiner Generation dreht sich alles darum, wie wir uns auf Instagram präsentieren», so die junge Frau.

Der Albtraum begann, als Anfang letzter Woche eine anonyme Gruppe auftauchte. «Als ich und meine Freundinnen eine Einladung der Gruppe erhielten, dachten wir noch, es handle sich um etwas Witziges.» Dem sei aber nicht so gewesen. Fotos und Videos von Jugendlichen waren dort aufgeschaltet – versehen mit abwertenden Kommentaren. «Ich kannte jemanden von den Fotos, was da verbreitet wurde, waren Lügen», erzählt die Zugerin.

Vergebliche Suche nach dem Urheber

Gezeigt wurden vor allem Frauen. Sie wurden als «Nutten» und Ähnliches bezeichnet. Immer mehr Personen folgten der Gruppe. Eines der Videos hatte 1000 Aufrufe. «Der Kanton Zug ist klein, jeder von uns dachte, er könnte der Nächste sein», erzählt die Zugerin. Für Jugendliche mit tiefem Selbstbewusstsein sei es das Schlimmste, auf Instagram vorgeführt zu werden. Was passieren kann, wenn Menschen Opfer von Cybermobbing werden, zeigt das Beispiel einer 13-Jährigen aus Spreitenbach. Sie hielt die Häme nicht mehr aus und nahm sich letzten Herbst das Leben. «Wir wollten, dass das mit dieser Gruppe aufhört», sagt die Jugendliche aus Zug. Sie seien aber nicht sicher gewesen, wer dahintersteckt. Einer habe der Gruppe gedroht, sie bei Insta­gram zu melden. Daraufhin hätte diese angekündigt, etwas, was nur sein Umfeld wisse, publik zu machen. Um Hinweise auf die Urheber zu sammeln, wurde eine eigene Instagram-Gruppe ins Leben gerufen. Ende letzter Wo- che, war die ominöse Mobbing-Gruppe dann aber plötzlich verschwunden. Die Gruppe habe angekündigt, nur kurz abzutauchen. Die Angst also bleibt. Vielleicht werde man noch eine Anzeige bei der Polizei machen. Bisher ist eine solche aber nicht eingegangen, wie die Zuger Polizei mitteilt. An die Zeitung hat sich die jugendliche Zeugin gewandt, um auf die Mobbing-Gefahr im Internet aufmerksam zu machen.

Marcel Küng, Jugend- und Familienberater bei der Fachstelle punkto Jugend und Kind Zug (kjbz), hat bisher keine Kenntnis von dem Fall gehabt. Wenn es so gewesen sei, wie beschrieben, habe es sich eindeutig um Cy­bermobbing gehandelt. Küng verweist auf die aktuelle James-Studie, der ZHAW zum Me­dienumgang von Jugendlichen. «33 Prozent der Befragten haben laut dieser erlebt, dass ungefragt Fotos oder Videos von ihnen ins Internet gestellt wurden.» Bei rund einem Fünftel der Jugendlichen ist es zudem vorgekommen, dass sie jemanden im Internet fertigmachen wollten. Laut Küng spreche viel dafür, dass die Betreiber der Gruppe in diesem Fall, die Jugendlichen gekannt hätten. «Bei Mobbing kommen die Täter zu 99 Prozent aus dem Umfeld, etwa dem Klassenverband.» Über die Motive der Täter könne er nur spekulieren. «Es gibt aber Menschen mit einer Veranlagung, sich Aufmerksamkeit zu holen, indem sie andere fertigmachen.» Die Möglichkeit dies anonym zu tun, könne die Dynamik fördern.

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