ZUG: Jetzt liegt wieder der Duft heisser Marroni in der Luft

Der Regen im Frühling hat auch dem beliebten Natur-Snack zugesetzt. Trotzdem bleiben die Preise für die Konsumenten stabil.

Ernst Meier
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Otto Gabriel: «Wir verkaufen wahre Kernenergie.» (Bild: Alexandra Wey)

Otto Gabriel: «Wir verkaufen wahre Kernenergie.» (Bild: Alexandra Wey)

Die Tage werden kürzer, die Bäume bunter, und die Temperaturen zwingen uns zum Tragen von windschützenden Jacken. Der Herbst hat uns definitiv erreicht. Ein weiteres Indiz für den «Nachsommer» sind die Marronistände, die plötzlich wieder das Bild von stark frequentierten Plätzen bereichern. So auch beim Taxi-Stand hinter dem Bahnhof Zug. Ursula und Otto Gabriel haben seit einer Woche ihr Holzhäuschen mit dem Marroni-Ofen in Betrieb. Der rauchig-aromatische Duft bietet eine willkommene Abwechslung zu Kebab- und Bretzelgerüchen, welche die Pendler in diesem Teil des Bahnhofs empfangen.

Kühl soll es sein, aber nicht kalt

«Wir haben nicht früher als in anderen Jahren geöffnet», sagt Otto Gabriel. Der Buss- und Bettag sei allgemein das Startdatum für Marronistände in der Schweiz. In diesem Jahr fiel er auf den 15. September. «Die Temperaturen sind eigentlich noch zu warm für Marroni», sagt Otto Gabriel. Trotzdem habe man bereits losgelegt. «Es gibt viele Marroni-Liebhaber, die freuen sich jedes Jahr auf den Saisonstart. Und die langen dann trotz warmem Herbst gerne zu», freut sich Gabriel mit einem Lächeln. Ideal für den Verkauf des natürlichen Snacks seien Temperaturen zwischen 3 und 10 Grad. Zu kalt dürfe es auch nicht sein, weil dann mehr Leute zu Hause seien und die Pendler weniger Lust hätten, an einem Stand stehen zu bleiben.

Regen setzte Rohstoff zu

In diesem Jahr sei man als Marroniverkäufer besonders gefordert, klagt Otto Gabriel: «Wir zahlen beim Einkauf zwischen 5 und 10 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Gleichzeitig haben wir unsere Verkaufspreise nicht erhöht.» In der Tat sind die Preise für den natürlichen Rohstoff markant gestiegen, bestätigt man beim Marroni-Importeur Gysi & Strazzini AG in Bern auf Anfrage: «Die ersten Lieferungen sind immer etwas teurer, da sie aufwendiger zum Ernten sind und aus südlicheren Gebieten Italiens kommen.» Zudem liege der Ausschuss zwischen 30 und 50 Prozent der Gesamternte, was deutlich höher sei als sonst. Auch Italien erlebte einen regenreichen Frühling. Das habe sich negativ auf die heutige Erntemenge ausgewirkt, heisst es weiter. Die Preise können in den nächsten Tagen aber wieder sinken.

Zurzeit gibt es in der Schweiz streng genommen gar keine Marroni. Vielmehr werden Esskastanien aus der italienischen Frühernte, die aus dem Gebiet zwischen Neapel und Rom stammt, geröstet. Trotzdem werden sie als Marroni verkauft? «Ja, das ist so», heisst es bei Gysi & Strazzini. Biologisch gebe es eigentlich keinen Unterschied, dieser bestehe jedoch in Aussehen und Geschmack. Auch innerhalb der Marroni- und Edelkastanienarten erkennt man Unterschiede. Allgemein ist die Esskastanie etwas weniger rund und leicht süsser als die Marroni, die erst in ein paar Wochen geerntet werden.

Gut für die Gesundheit

Ob Edelkastanie oder Marroni – beide Früchte gelten als äusserst gesund. Das Naturprodukt enthält wichtige Wirkstoffe und die Vitamine A, B und C. Weil Glykose und Fructose fehlen, eignen sie sich auch für Diabetiker. Durch das Rösten werden sie fettfrei und schonend zubereitet. 100 Gramm Edelkastanien/Marroni enthalten rund 210 Kalorien. Otto Gabriel sagt denn auch mit Überzeugung: «Die Frucht ist nützlich gegen jegliche Schwächen im Menschen und bringt die Gesundheit wieder ins Lot. Wir verkaufen wahre Kernenergie.»

Im Kanton Zug gibt es rund zehn Marronistände. Noch nicht alle haben aber bereits geöffnet.