Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: Junger Landwirt will es wissen

Für viele Jugendliche hat am 1. August die Lehre begonnen. Auch für André Müller. Trotz langer Arbeitstage ist er begeistert von seinen neuen Aufgaben auf dem Hof.
Vanessa Varisco
Nebst der Tier-pflege übernimmt Lehrling André Müller auf dem Friesenhof in Cham auch Arbeiten auf dem Feld. (Bild Maria Schmid)

Nebst der Tier-pflege übernimmt Lehrling André Müller auf dem Friesenhof in Cham auch Arbeiten auf dem Feld. (Bild Maria Schmid)

Vanessa Varisco

In Gummistiefeln läuft André Müller über den Hof und holt gerade einige Pferde von der Weide. Seit 6.30 Uhr ist er an der Arbeit und voller Elan bei der Sache. Er hat sich dafür entschieden, seine Lehre in der Landwirtschaft zu absolvieren. «Für mich war klar, dass ich eine abwechslungsreiche Arbeit möchte, und in der Landwirtschaft ist das der Fall. Ich arbeite im Stall mit den Tieren, dann auf dem Feld oder aber auch in der Werkstatt, und das gefällt mir», berichtet der 16-Jährige.

Beeindruckt vom Melken

Seine Lehrstelle hat er auf dem Friesenhof von Patrick Unternährer in Cham angetreten und bereits in seinen ersten vier Tagen viel erlebt. Neben den täglichen Abläufen auf dem Bauernhof hat er beispielsweise auch gelernt, wie der Traktor funktioniert. Besonders beeindruckt hat ihn das Melken. «Das macht mir auch am meisten Spass, und ich habe das Gefühl, dort habe ich den Dreh raus», meint er und wirft dabei einen Blick zu seinem Lehrmeister Patrick Unternährer, der zustimmend nickt. Neuland ist die Arbeit auf dem Bauernhof für André Müller nicht. «Ich wohne in Morgarten auf einem Bauernhof und helfe dort oft mit. Trotzdem ist das hier anders, ich muss viel mehr Zusammenhänge verstehen, damit ich nach und nach selbstständiger arbeiten kann. Denn es hängt alles zusammen», erklärt er.

Insgesamt wird seine Lehre drei Jahre dauern, gemeinsam mit ihm haben 15 weitere Lehrlinge am 1. August gestartet. Neben der Arbeit auf dem Hof geht der Nachwuchslandwirt die ersten zwei Jahre einmal pro Woche zur Schule, im dritten Jahr wird er dann den ganzen Winter in der Schule sein und erneut Einiges dazulernen. «Mein Ziel ist es sicher, die Lehre erfolgreich zu beenden und danach auf einem Betrieb zu arbeiten, bis ich den Hof zu Hause übernehmen kann», schildert er. Zurzeit ist André Müller selten zu Hause, denn mit einem dreiviertelstündigen Weg ist es für ihn einfacher, auf seinem Ausbildungsbetrieb zu übernachten statt nach Hause zu fahren. «Das ist eine Umstellung, und ich muss mich daran gewöhnen, von zu Hause und von meinen Freunden weg zu sein. Dennoch gefällt es mir hier sehr gut», meint er.

Abstriche bei der Freizeit

Seine Tage sind lang, doch André Müller ist zuversichtlich und vor allem begeistert von seinen Aufgaben am neuen Arbeitsort. «Die Arbeit ist sicher streng, aber erstens kenne ich es schon von zu Hause und zweitens macht es mir wirklich Spass, weshalb es mir nicht schwer fällt, mehr zu arbeiten, als dies vielleicht bei anderen Ausbildungen der Fall ist. Wenn man etwas gerne macht, kann man auch mehr Zeit dafür investieren», ist der Lehrling der Meinung.

Für seine Ausbildung hat er einige Abstriche bei der Freizeit gemacht. Früher war er viel Fischen oder war im Schützenverein aktiv, dafür bleibt jetzt aber nur noch wenig Zeit. Trotzdem ist André Müller noch aktiv. «Ich bin gerne in der Badi mit Freunden oder spiele Schwyzerörgeli. Und im Winter gehört natürlich das Skifahren fest dazu», zählt er auf.

Abwechslungsreiche Arbeit

Eines steht fest: Auf seinem Lehrbetrieb erhält der künftige Bauer bestimmt die gewünschte Abwechslung in seinem Arbeitsalltag. Neben der Pflege von Kühen und Pferden ist nämlich auch die Arbeit auf dem Feld wichtig. Bekannt ist der Friesenhof auch für seine Zwetschgen, Kirschen und Aprikosen. «Um die Lehre erfolgreich abschliessen zu können, braucht man ein grosses Wissen, da man die unterschiedlichsten Aufgaben bewältigen muss. Und ich freue mich darauf, dieses Wissen jetzt zu erarbeiten», meint André Müller, bevor er sich voller Enthusiasmus wieder auf den Weg in den Stall macht.

NACHGEFRAGT

Wer will denn heute noch Bauer werden?

«Der Bauer liegt auf der Lauer», solche spöttischen Zeilen über Landwirte waren schon in den 70er-Jahren im «Stern» zu lesen. Auch heute geniessen Bauern nicht immer das allerbeste Image. Mal ehrlich, würden Sie denn gerne Bauer sein? Ein Beruf, der trotz Subventionen wirtschaftlichen Krisen ausgesetzt ist, bietet aber sehr wohl seine schönen Seiten. Und nicht nur das, wie Martin Pfister, Rektor des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums (LBBZ) Schluechthof in Cham, versichert.

Martin Pfister, wer will heute eigentlich noch Bauer werden – in Zeiten, in denen es die meisten Lehrlinge doch eher ins Büro zieht?
Martin Pfister: 90 Prozent der Landwirtschaftslehrlinge im Kanton Zug haben einen landwirtschaftlichen Background. Das heisst, sie stammen aus bäuerlichen Familien.

Wie viele Lehrlinge gibt es denn pro Jahr im Schnitt?
Pfister: Dieses Jahr sind es insgesamt 45 Lehrlinge im Schluechthof. Pro Jahr nehmen die dreijährige Ausbildung 15 Personen im Schnitt auf. Wobei man sehen muss, dass die Zahl derer, die Bauer oder Bäuerin werden wollen, in den letzten sieben bis acht Jahren schweizweit relativ konstant geblieben ist. Sprich: Es gibt in der Schweiz pro Jahr im Schnitt rund 1000 Personen, die sich für eine Landwirtschaftslehre entscheiden. Da es sich in letzter Zeit um eher geburtenschwache Jahrgänge handelt, und da für andere Lehrberufe noch händeringend um Nachwuchs gesucht wird, kann man sagen, dass der bäuerliche Nachwuchs relativ gesehen sogar zugenommen hat. Allerdings besitzen zehn Prozent der jeweils neuen Agrarlehrlinge keinen eigenen Hof mehr.

Trotzdem – wer will schon morgens um fünf aufstehen, um die Kühe zu melken, zumal der Lohn dafür immer schmaler bemessen wird angesichts sinkender Milchpreise?
Pfister: Der Beruf des Bauern ist sicher sehr streng. Aber er ist auch sehr abwechslungsreich und attraktiv. Man ist viel in der Natur, hat viel mit Tieren zu tun, und man muss sich auch mit Technik und Maschinen gut auskennen. Ja, selbst Büroarbeit gehört dazu. Diese Anforderungen bedingen eine sehr gute Ausbildung, die dem Landwirt aufgrund seiner breiten Kenntnisse hilft, auch in anderen Sparten erfolgreich zu sein, die dem Bauerndasein sehr nahestehen.

Die da wären?
Pfister: Zum Beispiel in der landwirtschaftlichen Weiterbildung und in agrarischen Führungspositionen sind Fachleute extrem gesucht.

Was heisst das konkret?
Pfister: Wenn etwa ein neuer Landi-Leiter gesucht wird. Oder im Bereich der Futter- und Pflanzenschutzmittel. Oder eben generell im Lebensmittel verarbeitenden Gewerbe. Der Beruf des Bauern ist so gesehen nicht nur sehr traditionell, sondern auch krisensicher.


Interview Wolfgang Holz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.