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ZUG: Kaffee trinken, wo Bahngäste sassen

Drei innovative Studenten aus Baar wollen den ausrangierten Bahnwagen vor dem Jugendkulturzentrum i45 zu einem Café umfunktionieren. Dabei haben sie sich einige Besonderheiten einfallen lassen.
Andreas Faessler
Sie bauen den alten Eisenbahnwagen vor der Industrie 45 in ein besonderes Café um: Fabio Fölmli (links) und Kai Imholz. Die Dritte im Bunde ist Laura Hürlimann. Sie fehlt auf dem Bild. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 4. Januar 2018))

Sie bauen den alten Eisenbahnwagen vor der Industrie 45 in ein besonderes Café um: Fabio Fölmli (links) und Kai Imholz. Die Dritte im Bunde ist Laura Hürlimann. Sie fehlt auf dem Bild. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 4. Januar 2018))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Seit den 1980er-Jahren setzen die beiden ausrangierten Eisenbahnwagen vor dem Zuger Jugendkulturzentrum Industrie 45 (i45) einen rustikalen Akzent im dortigen Gewerbeviertel. Damit sie ihre alten Tage nicht nur als Übungs- und Verwirklichungsfläche von passionierten Sprayern fristen, hat die i45, zu der die Wagen gehören, im Rahmen einer Ausschreibung Konzeptvorschläge entgegengenommen, um die beiden stillgelegten Waggons neu zu beleben. Die Idee von drei jungen Baarern, den ­einen von ihnen in eine Cafébar zu verwandeln, überzeugte die Verantwortlichen. Im kommenden Frühling wollen Laura Hürlimann (24), Kai Imholz (25) und Fabio Fölmli (27) den Gastrobetrieb am Platz vor dem Jugendkulturzentrum aufnehmen.

Mittlerweile ist der Wagen komplett ausgeräumt und bereit für die Ausstattung. Isolation und Holzverkleidung werden eingebracht, ein Holzpelletofen installiert, die Bar aufgebaut und der Sitzbereich eingerichtet. Für die Ausbauarbeiten stellt die i45 einen Geldbetrag zur Verfügung, für Einrichtung und Ausstattung müssen die drei Baarer selber aufkommen. «Wir bauen so viel wie möglich selber und können dabei wenn nötig auf die Unterstützung der Leute von der i45 zählen», sagt Fabio Fölmli. Mit ausgesuchten Brockenhaus­möbeln soll kostensparend ein einfacher, aber ästhetisch-stimmiger Sitzbereich entstehen mit Alternativ-Flair.

Guter Kaffee und regionale Produkte

Deutlich kostspieliger wird die Kaffeemaschine sein – da wollen sich die drei nicht lumpen lassen. «Bei uns soll man richtig guten Kaffee kriegen. Darauf ­legen wir grossen Wert», sagt Kai Imholz. Dass es hierfür nicht mit einem herkömmlichen Vollautomaten für den Haus­gebrauch getan ist, versteht sich folglich von selbst. Eigens für die Kaffeemaschine werden sie Ende Januar ein Crowdfunding starten. Auch sonst setzen sie ­einen besonderen Fokus auf Qualität bei allem, was sie anbieten wollen. «Beim Einkauf wollen wir bewusst kleinere Unternehmen in der Region ­berücksichtigen und lokale Erzeugnisse ins Sortiment nehmen», sagt Fabio Fölmli. So kann es denn auch sein, dass das Angebot immer mal variiert.

Ein Gastrobetrieb mit sozialen Komponenten

Das «Café am Gleis», wie das neue Gastroangebot in Form eines Vereins mitten im Zuger Industrieviertel heissen wird, will aber nicht nur mit einer regional geprägten Getränkekarte – Speisen wird es nicht geben –, sondern mit ein paar Besonderheiten punkten, mit denen es sich von vielen anderen Bars und Cafés unterscheidet. So sollen keine dauerhaft fixen Öffnungszeiten gelten, sondern diese werden einerseits in den ­Social Media kommuniziert – beispielsweise jeweils anfangs Monat. «Oder wir machen andererseits kurzfristig auf, wenn jemand von uns spontan Zeit findet», so Kai Imholz. Das werde sich dann schnell rumsprechen. Weiter herrscht im Café am Gleis kein Konsumationszwang – jedermann kann es sich hier jederzeit gemütlich machen und selbst mitgebrachte Snacks verzehren. Zudem werden im Café kleinere Kulturevents Platz finden. Ausserdem denken die drei Baarer darüber nach, Jugendliche mit ins Konzept einzubinden und ihnen eine Beschäftigung zu bieten.

«Aber erst schauen wir natürlich, wie es anläuft im Frühling», so Imholz und Fölmli. Sollte es sich bewähren, so können sie sich vorstellen, in ihrem Café am Gleis eine Arbeitsstelle für eine Person mit geistiger Behinderung zu schaffen – dies als arbeitsintegrative Komponente ihres Geschäftsmodells. Als weitere Spezialität soll das sogenannte «Café surprise»-Konzept Gästen ermöglichen, Menschen mit knappem Budget einen guten Kaffee zu spendieren. Das Café am Gleis soll Treffpunkt für alle sein.

Eine lang gehegte Idee umgesetzt

Wohlweislich betonen die zwei jungen Herren und die junge Dame unisono, dass ihr Café eine Passion sei und Hobby bleiben soll. Sie alle sind Studierende und arbeiten nebenbei. «Zu einem Haupterwerb wird unsere Idee wohl nicht», führt Fabio Fölmli aus. «Uns vereint vor ­allem, dass wir uns seit Pfadi­zeiten kennen und schon mehrfach gemeinsam Erfahrung im Gastrobereich gesammelt haben mit dem Wunsch, irgendwann einmal einen eigenen Betrieb auf die Beine zu ­stellen.» Da kam ihnen die Gelegenheit mit dem ausrangierten Eisenbahnwagen wie gerufen angesichts der teuren Mieten im Kanton Zug. Und mit ihren Studien­gebieten im sozialen Bereich, respektive in Wirtschaft und Marketing bringen die Jungunternehmer vorteilhafte Hintergründe mit, um mit ihrem Café am Gleis die Zuger Gastrowelt zu bereichern.

Auf Facebook und Instagram ist das Café am Gleis bereits rege präsent. Eine Internethomepage ist im Aufbau. Im April oder Mai kann’s losgehen. Und wenn die Tage wärmer werden, soll ein Sitzbereich unter freiem Himmel den Platz beleben.

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