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ZUG: Kampagne: Handeln, bevor die Batterien leer sind

Seelische Leiden sind nicht sichtbar und werden in der heutigen Gesellschaft immer noch ausgeblendet, dabei sind sie allgegenwärtig. Eine neue Aktion plädiert für einen offenen Umgang mit diesen Krankheiten – es gibt dazu nicht nur Broschüren.
Marco Morosoli
Wenn die Arbeit zu viel wird, muss schnell gehandelt werden.Bild: Stefan Kaiser (23. März 2017)

Wenn die Arbeit zu viel wird, muss schnell gehandelt werden.Bild: Stefan Kaiser (23. März 2017)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Der Pendenzenberg wächst beständig, die Agenda ist mit Terminen vollgestopft, das E-Mail-Postfach quillt über, die Arbeitstage werden immer länger, die Motivation ist im Keller, die Angst um den Job sitzt einem im Nacken, und zu allem Elend nervt auch noch der Chef. Besonders betroffen von einer solchen Ansammlung negativ besetzter Umstände sind dabei, so aktuelle Studien, Menschen der Generation 50 plus. Jede zweite erwerbstätige Person über 50 Jahren klagt über zu grosse psychische Belastung am Arbeitsplatz. Einmal zu Hause angekommen, können davon Betroffene dann nicht mehr abschalten, schlafen schlecht, sind gereizt und fühlen sich ausgebrannt. Einfach ausgedrückt: Ihre Batterien sind leer, und dies ist der perfekte Nährboden, wenn nichts unternommen wird, um in eine Erschöpfungsdepression zu schlittern. Heute unter dem Sammelbegriff Burn-out geläufiger.

Doch so weit darf und vor allem muss es nicht kommen, wenn die obgenannten Alarmzeichen richtig gedeutet werden. Hier setzt die gestern vorgestellte neue Zuger Kampagne aus der 2013 gestarteten Reihe «Deine Psyche? Kein Tabu!» an. Sie hat heuer zum Ziel, den «Bruch im Leben» zu verhindern. Eine Mammutaufgabe, denn noch immer sind psychische Störungen jedweder Art ein Thema, das in unserer schnelllebigen Gesellschaft verdrängt oder gar ausgeblendet wird. Der Mensch muss funktionieren, ein anderer Zustand wäre das Eingeständnis einer Niederlage. Gegen dieses Denken lehnt sich Marylou Selo auf. Und sie spricht als selber Betroffene aus Erfahrung: «Über psychische Belastungen und Krankheiten sollte man genauso selbstverständlich sprechen wie über Beinbrüche – doch dies ist leider noch nicht die Realität.»

Ein immerwährender Kampf gegen Vorurteile

Marylou Selo hat ihr Leben deshalb dem Kampf gegen das Ausblenden der Diskussion über psychische Krankheiten gewidmet und dazu 1994 die Werner-Alfred-Selo-Stiftung gegründet. Ihr Name ist eine Referenz an ihren Vater, der lebenslang an chronischer Migräne und Depression litt und daran zerbrach. Marylou Selo stellt auch deshalb Mittel zur Verfügung, um psychische Krankheiten zu erforschen und Vorurteile diesen gegenüber abzubauen. In dieses Raster passt die seit längerem laufende Kampagne «Deine Psyche? Kein Tabu!» des Kantons Zug perfekt. Die Kampagne 2017 «Bruch im Leben?» fährt dabei zweigleisig. Sie richtet sich gleichermassen an Arbeitnehmer in der Generation 50 plus wie auch an Arbeitgeber. Dem Ersteren wird ein Leitfaden zur Verfügung gestellt, wie er vorgehen muss, wenn ihm der Himmel am Arbeitsplatz auf den Kopf zu fallen droht. Dazu muss er erwiesenermassen eine «grosse Hemmschwelle» überwinden, wie sich Marylou Selo ausdrückt. Von dauernder Überlastung Betroffene schweigen immer noch lieber, als sich Hilfe zu holen. Laut den Unterlagen der Selo-Stiftung begibt sich nur knapp «ein Viertel der Personen mit mittleren bis starken Depressionen in ärztliche Behandlung». Dies erstaunt nicht, denn manchmal fehlt auch auf der Seite des Arbeitgebers eine Anlaufstelle, bei der von Depressionen heimgesuchte Mitarbeiter über die Wunden an ihrer Seele offen sprechen können. Dazu brauche es, so Selo, «Mut» und auch eine grosse Überwindungskraft. Und das in einer Phase, in der für Betroffene oftmals schon ein in den Augen vieler belangloser Entscheid zu einer Herkulesaufgabe anwächst.

Eine Investition, die sich für die Firma lohnt

Dabei wäre es auch für die Firmen wertvoll, solche Hilfen aus eigenem Antrieb anzubieten und betriebsintern auch bekanntzumachen. Das lohnt sich, denn ein Frühwarnsystem für seelische Erkrankungen hilft, Ausfallzeiten zu reduzieren, wie die Selo-Stiftung schreibt, und steigert zudem die Produktivität. Und zu guter Letzt hilft dies auch, hohe finanzielle Belastungen zu vermeiden.

Unter den Firmen, die von der Selo-Stiftung zur Verfügung gestellte Kampagneelemente bereits nutzen, ist die V-Zug. Fabian Britschgi, Fachspezialist Gesundheitsmanagement beim bekannten Zuger Unternehmen, sagt: «Führungspersonen haben die Verantwortung, frühzeitig hinzuschauen, die Situation konstruktiv anzusprechen und vor allem zu handeln, wenn die Arbeitsfähigkeit eines Mitarbeiters in Frage gestellt wird.» Für die V-Zug passt auch das Kampagnenmuster, denn rund ein Drittel der 1500 Mitarbeiter des Industriebetriebes ist über 50 Jahre alt. Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Firmen dem Beispiel der V-Zug folgen werden und das breitgefächerte Angebot der Selo-Stiftung nutzen.

Unterstützung findet die Kampagne der Selo-Stiftung auch beim Kanton. Sie ist dort in dessen Programm Psychische Gesundheit eingebettet. Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister sagt dazu: «Gesundheit ist ein kostbares, aber mittlerweile auch kostspieliges Gut. Wir müssen ein hohes Interesse daran haben, dass Sie und ich physisch und psychisch möglichst fit altern.» Diesen Kampf führt Zug seit 2003, als er als erster Kanton das «Bündnis gegen Depression» schmiedete.

Hinweis

Informationsmaterial zur Kampagne «Deine Psyche? Kein Tabu!» finden Sie im Internet auf www.kein-tabu.ch.

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