ZUG: Kanton verzichtet auf L&G-Gebäude

Die Stadt muss sich einen anderen Mieter für ihr Haus an der Gubelstrasse suchen. Dies, weil der Kanton unter anderem aus finanziellen Gründen verzichtet.

Charly Keiser
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Das ehemalige L&G-Gebäude (Bildmitte) gehört der Stadt Zug. Sie muss nun neue Mieter suchen. (Bild Stefan Kaiser)

Das ehemalige L&G-Gebäude (Bildmitte) gehört der Stadt Zug. Sie muss nun neue Mieter suchen. (Bild Stefan Kaiser)

Das Entlastungsprogramm des Kantons Zug zeigt weiter Wirkung. Nach dem Aus des Verwaltungszentrums 3 wird wohl die gesamte Büroraumplanung auf den Kopf gestellt. Wie unsere Zeitung exklusiv weiss, verzichtet der Kanton Zug auf Büroflächen im Landis&Gyr-Gebäude, das die Stadt 2012 gekauft hat. Den Entscheid für den Kauf und einen diesbezüglichen Kredit von 52,23 Millionen Franken fällte der Souverän mit 4343 Ja zu 3428 Nein.

Im April 2014 dann wurde die Doppelinitiative eingereicht, die das Rad zurückdrehen will (siehe Box).

Millionen für den Umzug

Die Gründe der Absage des Kantons liegen primär im monetären Bereich. Es hätten Investitionen in Millionenhöhe getätigt werden müssen, heisst es. Der Regierungsrat hat einen Stellenstopp verfügt und will offenbar am jetzigen Standort und auf dem ZVB-Areal Möglichkeiten schaffen.

«Die Absage des Kantons erstaunt mich nicht», sagt Andreas Kleeb vom Initiativkomitee der Doppelinitiative, mit der Neuigkeit konfrontiert. Angesichts des Entlastungsprogramms seien wohl auch nur schon die Umzugskosten für den Kanton zu hoch. Tatsächlich hätte der Kanton offenbar mehrere Millionen für den Einzug hinblättern müssen, wie unserer Zeitung zugetragen wurde. «Auch das haut mich nicht aus den Socken», sagt Kleeb und fügt an: «Wir haben immer schon von einem Sanierungsbedarf von 20 Millionen Franken für das Gebäude gesprochen. Das ist ja auch einer der Gründe, warum die Stadt das Haus wieder verkaufen soll.» Wenn das tatsächlich stimme, verlange er die Offenlegung der kommerziellen Überlegungen des Kantons für die Absage, ergänzt Kleeb und sagt: «Dank des Öffentlichkeitsprinzips können wir ja die entsprechenden Protokolle anfordern.»

«Für die Stadt Zug war der Kanton ein Wunschpartner für die Vermietung der oberen Geschosse», bekennt Stadtrat Karl Kobelt, dessen Immobilienabteilung für das Geschäft zuständig ist. Auf Anfrage der Stadt habe der Kanton sein Interesse an einer Mitnutzung bekundet. In den vergangenen Monaten seien Gespräche zwischen Finanzdepartement und Baudirektion über die vermietbaren Flächen geführt worden. Überdies habe die Abteilung Immobilien das Hochbauamt des Kantons ausführlich dokumentiert und damit dem Kanton gute Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung gestellt.

«Nun hat aber die Baudirektion signalisiert, von einer Mitnutzung des L&G-Gebäudes abzusehen. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung steht indes noch aus. Sie wurde dem Stadtrat in Aussicht gestellt», sagt Kobelt.

Geht der Umzug der Stadtverwaltung in die L&G weiter oder wird das Abstimmungsresultat der Doppelinitiative abgewartet? «Der Stadtrat hat einen Volksauftrag aus der Abstimmung von 2012», betont Kobelt. Seither verfolge er den Verwaltungszusammenzug im Landis&Gyr-Gebäude. Deshalb habe er zum Beispiel das Haus Zentrum an die Korporation veräussert und sich dort eingemietet. «Der Stadtrat verfolgt weiterhin konsequent den Weg zum Umzug im Jahr 2019. ‹Eine Stadt – eine Verwaltung an einem Ort›, so lautet die Strategie. Es gibt keinen Grund, davon abzuweichen.»

Es gibt konkrete Interessenten

Hat die Stadt ein Szenario für den Fall, dass sie das Gebäude verkaufen muss? «Nein», sagt der Finanzchef. Die Doppelinitiative verlange einen Verkauf im Jahr 2023. Selbst im Fall einer Annahme bliebe genügend Zeit. «Mögliche Szenarien wären zu prüfen.» Es gebe konkrete und seriöse Interessenten für die Bürofläche, die der Kanton möglicherweise hätte mieten wollen, antwortet Kobelt auf die entsprechende Frage. Allerdings sei der Zeithorizont noch zu weit entfernt, um Gespräche zu führen, jedoch liege dem Stadtrat bezüglich der möglichen Mietparteien ein internes Strategiepapier vor.

Und wie sieht der Fahrplan aus? «Die Stadt bleibt aktiv und beschreitet den Weg hin zum Verwaltungszusammenzug im Landis&Gyr-Gebäude. Wie gesagt: Das ist aufgrund des Volksauftrags von 2012 auch ihre Pflicht.»

Landammann Heinz Tännler bestätigt die Umstände, will aber zu den Gründen keine Stellung nehmen. «Das war so mit der Stadt vereinbart. Nur so viel: Gestern habe ich den Brief der Regierung an die Stadt abgeschickt. Sie wird diesen am Montag erhalten.»

Zwei Begehren für eine Sache

DOPPELINITIATIVE«Ja zur historischen Altstadt» und «Ja zu gesunden Stadtfinanzen». So heisst die sogenannte Doppelinitiative, mit der ein überparteiliches Komitee den Kauf des L & G-Gebäudes durch die Stadt rückgängig machen will. Letztere soll nämlich das Haus an der Gubelstrasse bis 2023 veräussern müssen, verlangen die Initianten. Mit dem «Ja zur historischen Altstadt» soll die Stadt zudem verpflichtet werden, die Stadtverwaltung in der Altstadt zu belassen. Dies genauer in den städtischen Liegenschaften im Bereich zwischen dem Bundesplatz und dem Casino.

Streit um Name vor Gericht

Obwohl die Initiativen im April 2014 eingereicht worden sind, könnte es noch lange dauern, bis das Volk über die Begehren an der Urne abstimmen kann. Der Grund ist unter anderem ein Streit um den Namen der Begehren. In einem Punkt haben die Initianten bereits Recht bekommen, ein zweiter Punkt liegt beim Verwaltungsgericht. «Uns kommt die Verzögerung insofern gelegen, weil immer mehr Erkenntnisse ans Tageslicht kommen», sagt Initiant Andreas Kleeb.

Charly Keiser