ZUG: «Kein einfaches Pflaster für Kultur»

Ende Monat ist Schluss mit der vorübergehenden Nutzung der alten Päcklipost. Fabian Schmid zieht mit seiner «Hebe Bühni» zweierlei Bilanz.

Andreas Faessler
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Das Projekt «Hebe Bühni» geht zu Ende. Es war nicht leicht, doch für Initiant Fabian Schmid dennoch erfüllend. (Bild Maria Schmid)

Das Projekt «Hebe Bühni» geht zu Ende. Es war nicht leicht, doch für Initiant Fabian Schmid dennoch erfüllend. (Bild Maria Schmid)

Ein kurzes, aber dafür umso aussergewöhnlicheres Kapitel in der Zuger Kulturszene geht zu Ende. Im Rahmen einer Zwischennutzung hob Fabian Schmid im Juli 2014 in der alten Päcklipost die «Hebe Bühni» aus der Taufe. War sein Kulturlokal Aige Esdewebe längst Geschichte, ergab sich die «Hebe Bühni» als für Schmid überraschendes Folgeprojekt. Philipp Andermatt, Besitzer des Grundstücks, auf dem die alte Päcklipost steht, hatte dies der Post abgekauft. Bis mindestens Ende Dezember 2014 stellte er es Fabian Schmid mit eventueller Verlängerungsmöglichkeit zur Verfügung. Und diese trat denn auch ein bis Ende März 2015. Bald werden der Postanbau und das Nachbargebäude abgebrochen, um einer neuen Überbauung Platz zu machen.

Die Herzbilanz stimmt

Fabian Schmid schaut auf dieses relativ kurze, aber dafür umso ereignisreichere Übergangsprojekt zurück, das wie zu einem neuen Wohnzimmer des alten Aige-Publikums wurde. «Die ‹Hebe Bühni› war für mich eine super Erfahrung. Es war wider Erwarten, dass dies überhaupt möglich geworden ist», sagt er im Rückblick und spricht dabei auch dankend das Wohlwollen des Eigentümers an. «Ich konnte hier wirken, ohne auf jegliche Kulturförderung angewiesen zu sein.» Gewinnbringend war die «Hebe Bühni» nicht, aber das war nie Schmids Absicht. «Die Herzbilanz sollte stimmen und stimmt. Und einzig das zählt.»

Gedränge wie auch gähnende Leere hat die «Hebe Bühni» erlebt. So gab es ungewohnte Veranstaltungen, bei denen die meisten Sitzreihen leer blieben. «Berechenbare Events wiederum, wie beispielsweise die regelmässigen Musikspektakel, waren super besucht», so Schmid. «Da hat sich schnell ein treues Stammpublikum etabliert. Darunter auch viele Expats.» Ebenfalls dankerfüllt wendet sich Fabian Schmid an die tatkräftige Unterstützung lokaler Klein(st)unternehmer und einige der vielen Zuger Kulturinstitutionen, die ihm für die «Hebe Bühni» Material zur Verfügung gestellt haben.

Verbindliche, gelebte Position fehlt

Wenn auch die Herzbilanz für Fabian Schmid stimmt, so stellt er nach fast zehn Jahren lokaler Kulturarbeit fest, dass Zug kein einfaches Pflaster für Kulturschaffende ist. Allem voran bedauert er, dass es in Zug noch kein konkretes Kulturkonzept gibt. «Das wäre zum Beispiel nur schon für eine optimale Nutzung von Steuergeldern sehr hilfreich», sagt er. Ausserdem müssten sich in seinen Augen sowohl die Stadt als auch der ganze Kanton fragen: Was genau ist Zug? Was hat Zug für eine Identität? Schmid selbst fragt: «Wann hat sich Zug das letzte Mal konkret positioniert und ist dazu gestanden – ohne Wenn und Aber?» In Schmids Augen seit der Entscheidung zu tiefen Steuern nicht mehr. «Und diese Entscheidung war für den armen Kanton rückblickend – wirtschaftlich gesehen – genial!» Eine klare Vision und deren gelebte Positionierung habe Auswirkungen auf alle Bereiche, ob Wirtschaft, Soziales, Tourismus und auch Kultur, und müsse ganzheitlich betrachtet werden, ist er überzeugt. Es ist nicht so, dass er der Stadt und dem Kanton jegliche Persönlichkeit abspricht, im Gegenteil, «aber es gibt noch viele Druckstellen. Man kann in Zug mit Eigeninitiative enorm viel bewegen, nur fehlen flankierende Massnahmen.» Aus ihm spricht eine gewisse Ernüchterung. Was wird sein? Fabian Schmid weiss es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. «Am 1. April, nachdem die ‹Hebe Bühni› die Tore geschlossen hat, mache ich mein Köfferchen zu. Und dann schenke ich ‹gwundrig› dem Moment mein Lachen ...»

Hinweis

Am Dienstag, 31. März, dem letzten Tag der «Hebe Bühni», gibt es ein Abschiedsfest mit Musik von Julian von Flüe, Roberto Bossard und den Jodlerinnen Natalie Huber und Flavia Vasella.