ZUG: Keine Schändung festgestellt

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug hat die Untersuchung im sogenannten K.-o.-Tropfen-Fall eingestellt. Die 34-jährige Privatklägerin sei nicht «widerstandsunfähig» gewesen. Noch ist das Ganze nicht rechtskräftig.

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«Es hat keine Spuren gegeben, die beweisen würden, dass Frau Spiess 'wiederstandsunfähig' gewesen ist.» Michael Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. (Bild: Archiv Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Es hat keine Spuren gegeben, die beweisen würden, dass Frau Spiess 'wiederstandsunfähig' gewesen ist.» Michael Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. (Bild: Archiv Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Wolfgang Holz und Harry Ziegler

Acht Monate lang dauerte die Strafuntersuchung. 18 Zeugen wurden vernommen. Verschiedene Spezialgutachten liess man einholen. «Wir sind froh, dass das Verfahren jetzt zu einem Abschluss gekommen ist – schliesslich stand der Vorwurf einer schweren Straftat im Raum», sagt Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. Nun habe man die Ermittlungen am vergangenen Donnerstag gegen den beschuldigten 41-jährigen Markus Hürli­mann wegen Schändung eingestellt.

Bekanntlich waren sich der Baarer SVP-Kantonsrat und seine Zuger Kantonsratskollegin Jolanda Spiess-Hegglin von der Fraktion der Alternativen-die Grünen im Nachgang zur Landammannfeier im Dezember letzten Jahres sehr nahe gekommen. Spiess-Hegglin hatte sich am Tag danach im Zuger Kantonsspital auf die Verabreichung von K.-o.-Tropfen und den Verdacht auf ein sexuelles Delikt untersuchen lassen. Daraufhin hatte das Spital die Zuger Polizei informiert, und es wurde von der Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung eingeleitet.

Kosten übernimmt der Staat

«Es hat keine Spuren gegeben, die beweisen würden, dass Frau Spiess am besagten Abend widerstandsunfähig gewesen ist», so Schlatter. Die von ihr vor Abschluss der Untersuchung ergänzend eingereichten, neuen Beweisanträge seien abgelehnt worden. Die Einstellungsverfügung seitens der Staatsanwaltschaft ist aber noch nicht rechtskräftig. Beide Parteien haben die Möglichkeit, den Entscheid innerhalb von zehn Tagen beim Obergericht des Kantons Zug anzufechten. Die Verfahrenskosten werden von der Staatsanwaltschaft übernommen – wie hoch diese sind, darüber schweigt sich Schlatter aus. «Wir können diese nicht benennen.»

Was den Beschuldigten angeht, erhält Markus Hürlimann ebenfalls von der Staatskasse eine Entschädigung und eine Genugtuung bezahlt. «Darin inbegriffen ist auch die Entschädigung für die zwei Tage, die der Beschuldigte in Haft verbrachte», erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Über die Höhe der Beträge könne man ebenfalls nichts sagen, weil die Einstellungsverfügung noch nicht rechtskräftig sei.

Weder bestritten noch zugegeben

Was seine Entschädigung anbelangt, verriet Markus Hürlimann gestern am Telefon so viel: «Meine Aufwendungen liegen fünf- bis sechsmal höher als die Summe, die ich als Entschädigung erhalte.» Zur Einstellung des Verfahrens wollte sich Hürlimann nicht äussern. «Darüber muss ich erst mal nachdenken und das Ganze verarbeiten.» Sagts und kündigt im gleichen Atemzug an, demnächst eine Pressekonferenz einzuberufen, bei der er «endlich die ganze ­Wahrheit» über den Vorfall nach der Landammannfeier kundtun werde. Schliesslich sei er von Anfang an «absolut unschuldig». Er habe weder jemals bestritten noch zugegeben, dass es zu gemeinsamem Sex gekommen sei: «Dies betrifft schliesslich die Intimsphäre und geht die Öffentlichkeit nichts an.» Die vergangenen acht Monate seien für ihn und sein persönliches Umfeld sehr belastend gewesen – «auch für Spiess-Hegglin und ihre Familie».

Weiteres Verfahren hängig

Trotz der jetzigen Einstellung der Strafuntersuchung ist die Zuger Sex­affäre also noch nicht ganz zu Ende. Zudem ist das Verfahren wegen übler Nachrede, das Hürlimann gegen Spiess-Hegglin wegen der Schändungsvorwürfe eingeleitet hat, «nach wie vor hängig», wie Schlatter mitteilt.

Hängig ist auch ein Entscheid von Jolanda Spiess-Hegglin und ihrem Anwalt. Wie Spiess-Hegglin ab Anrufbeantworter verlauten lässt, sei noch nicht entschieden, ob sie die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vor Obergericht anfechten werde. Zum jetzigen Zeitpunkt wolle sie dies nicht kommentieren. «Ich will die schriftliche Verfügung abwarten. Dann werde ich mich mit meinem Anwalt beraten und entscheiden», spricht sie vom Anrufbeantworter.