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ZUG: Kinder-Theaterstück hinterfragt Existenz Gottes

Existiert Gott? Das gegenwärtig auf vielen deutschen Bühnen gespielte Kinderstück «An der Arche um acht» stellt diese Frage ins Zentrum und hat nun auch im Burgbachkeller Premiere gefeiert.
Dorotea Bitterli
Die «Pinguine» der Theatergruppe Noï stellen sich Fragen über die Existenz Gottes. (Bild: Maria Schmid (Zug, 18. November 2017))

Die «Pinguine» der Theatergruppe Noï stellen sich Fragen über die Existenz Gottes. (Bild: Maria Schmid (Zug, 18. November 2017))

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Ein kalter Samstagabend im November – Theaterzeit! Zeit für das zweite Bühnenprojekt des 2015 gegründeten Theaters Noï. Langsam füllt sich das schwarze, bauchige Gewölbe des Burgbachkellers mit Publikum, ein paar kleine Jungen hüpfen aufgeregt hin und her. Auf der schwach beleuchteten Bühne ist es ebenfalls kalt – eiskalt: Zwei verschieden grosse, halbrunde Kulissen staffeln sich hintereinander in die Tiefe, suggerieren das weissgraue Relief zerklüfteten Eises; wenige abgebrochene Eisplatten scheinen davor zu schwimmen; alles ist in bläuliches Licht getaucht.

Derweil die Zuschauer auch die letzten Plätze einnehmen, beginnt aus dem Off unmerklich ein Wind zu wehen, schwillt an, wird zum Sturm, der alles fortreisst, was nicht niet- und nagelfest ist. Bilder von Einöde, Frost und Unwirtlichkeit stellen sich ein. Kein Ort für menschliches Leben. Aber, vielleicht gerade deshalb, ein Ort für menschliche Fragen?

Von der Stichelei zur Gottesfrage

Drei Schauspieler (Sandra Bruppacher, Daniel Christen, Marc Haring) in Pinguingestalt hüpfen herein. Die Kostüme sind gut ­getroffen: schwarzer Frack über weisser Latzhose und gelbgefärbtem T-Shirt, an den Füssen Taucherflossen. Die an den Körper gepressten Arme, der wackelnde Gang, das schwerfällige Hopsen imitieren die Bewegungen der antarktischen Vögel. Aber dann kommt der erste Satz: «Du stinksch!» Und schon geht das Allzumenschliche los: Sie langweilen und streiten sich, werden aggressiv, stossen sich zu Boden. Und als plötzlich ein hellgrüner Schmetterling über die Eiskulisse gaukelt, will der kleinste der Pinguine ihn «abmurksen». Der Kommentar der beiden anderen, «Das ist Mord! – Eiskalt geplant!», ruft im Publikum die ersten Lacher hervor. Die Diskussion auf der Bühne aber wird todernst: Gibt es einen Gott, der alles sieht und Sühne verlangt? Oder sind wir allein und uns selbst überlassen? Und wie ist Gott? Gross, gütig, rachsüchtig? Jedenfalls ist er unsichtbar – und schon philosophieren die Pinguin-Menschen über einen Gottesbeweis! Trotzig läuft der aufmüpfige Kleine weg: «Es git kei Gott!»

Dafür erscheint eine weisse Taube (Judith Spörri), welche die Sintflut ankündigt – das Ende der Welt! Sie ist von Noah beauftragt, von jeder Tierart zwei zu retten, verteilt dafür die nötigen Tickets und bestellt die Pinguine auf acht Uhr an die Arche. Angesichts der drohenden Umweltkatastrophe werden sich die Hauptakteure einig: «Gott macht sich bemerkbar!» Und auf einmal werden sie solidarisch und erfinderisch: Alle drei müssen mit auf das Schiff!

Der zweite Akt spielt im Bauch der Arche Noah – die halbrunden Eiskulissen werden auf den Kopf gestellt und umgedreht, sodass eine schön gemaserte Holzfläche zum Vorschein kommt. Und wieder sind die Tiere Menschen: Die Giraffen werden seekrank, die Klapperschlangen haben ein Kartenspiel in die Arche geschmuggelt, die Pinguine ernähren sich von Guetsli, und der Tod ist ein Tabu: «Die werden es dann schon selber merken!» – «Was denn? Dass sie ertrinken?» – «Das hast jetzt du gesagt!» Und angesichts der drohenden Vernichtung werden die Fragen nach Gott, Humanität, Verantwortlichkeit, Solidarität, Katastrophen und deren Sinn virulenter und variieren letzten Endes ein Grundbedürfnis, das nach Beheimatung auf dieser Erde.

Kindgerechtes Philosophieren

Franz Spörri hat Ulrich Hubs gehalt- und humorvolles Bühnenstück zum Thema «Gott» fantasievoll und poetisch inszeniert. Jenseits jeglichen Moralisierens gelingt ihm ein berührendes philosophisches Nachdenken, das auch kindgerecht ist. Die magischen Schmetterlingsprojektionen, der stimmungsmalende Off-Ton (Technik Bruno Wirth), die aparten Kostüme (Berthe Spörri) und das ausgeklügelte Bühnenbild samt Seemannskoffer (Daniel Christen) bilden den Rahmen für schauspielerische Intensität. Die emotionalsten Momente aber werden zu Musik: Pascal Bruggissers Liedvertonungen und Synthesizer-Improvisationen entfalten subtile unterschwellige Wirkung. Das Premierenpublikum dankte mit langem Applaus.

Hinweis

Das Theater Noï spielt noch vier Mal öffentlich: Freitag, 24. 11., um 20 Uhr; Samstag, 25. 11., um 17 und 20 Uhr; Sonntag, 26. 11., um 17 Uhr. Und zusätzlich sechzehn Mal für angemeldete Zuger und Baarer Schulklassen. Weiteres unter www.theaternoi.ch<span style="display: none;">&nbsp;</span>.

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