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ZUG: Kindstötung aus gesellschaftlichen Gründen

Das Staatsarchiv hat seine Türen geöffnet. Dabei wurden vergangene, aber längst nicht vergessene Katastrophen, Verbrechen und Skandale im Kanton anschaulich präsentiert.
Die Vergangenheit fasziniert. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. November 2017))

Die Vergangenheit fasziniert. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. November 2017))

Zum sechsten Mal hat der Zuger Archivtag Geschichtsaffine ins Foyer des Verwaltungsgebäudes gelockt. Dieses Jahr sind aus dem Archiv diverse Verbrechen, Skandale und Katastrophen des Kantons zutage gefördert worden. Wer das Wort «Archiv» mit «bieder» assoziiert, irrt sich – es konnte an Führungen teilgenommen, Originalgegenstände bewundert oder an einem Wettbewerb mitgemacht werden.

Der Archivar Renato Morosoli erklärte die Idee hinter dem Anlass: «Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, welche Geschichtsschätze des Kantons hier lagern. Bei jeder bisherigen Durchführung kamen etwa 400 bis 500 Besucher, was zeigt, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird.» Weiter sprach er das Dilemma an, aus der enormen Themenvielfalt eine Auswahl zu treffen. Er erläutert zudem, dass die Organisatoren von privaten Archiven profitierten.

Hagelkörner, gross wie Eier

Vom 2. August 1927 datiert der «Rischer Hagelschlag»: Eiergrosse Brocken haben damals riesige Schäden an Gebäuden hinterlassen und Obsternten zerstört. Auch taucht man in die tragische Geschichte hinter einem Leichenfund eines Säuglings 1925 in der Lorze ein. Eine Dienstmagd hat damals ihr eigenes Kind aufgrund gesellschaftlicher Zwänge getötet – da sie kinderlos bleiben musste. Erschreckendes zu lesen gibt es von der Pestepidemie Mitte des 17. Jahrhunderts, als existenzielle Gefährdung das Lebensgefühl beherrscht hat.

Marcel Wehrle ist digitaler Archivar im Staatsarchiv und hat sich der Herausforderung angenommen, die digitale Datenerfassung anzutreiben: «Die elektronische Datenerfassung ist die Zukunft, trotzdem darf nicht alles digitalisiert werden. Rechtswirksame Dokumente mit Unterschriften behalten wir aus rechtlichen Gründen.» Wehrle betont, dass Archivakten nach Ablauf ihrer Schutzfrist – 30 Jahre für Sachdokumente, 100 Jahre für Personendaten – öffentlich einsehbar sind: «Studenten oder Familienforscher müssen für das Studieren von Archivakten lediglich ein Gesuch einreichen, wenn die Schutzfristen noch am Laufen sind. Das Studieren der Akten erfordert Geduld, da nicht nach Thema, sondern nach Ort der Quelle abgelegt wird.»

Der Zuger Archivtag 2017 hat gegen 600 Besucher gezählt. Markus und Mercedes Lämmler gefällt die Ausstellung. So meint sie: «Ich finde, die Sachen sind spannend und ansprechend präsentiert. Es ist toll, sich vorzustellen, dass dies noch gar nicht so lange her ist.» Markus Lämmler fügt an: «Beeindruckt hat mich, dass die ‹Bravo›-Zeitschrift in den Sechzigerjahren als Schundliteratur abgestempelt wurde und für Junge unter 20 Jahren verboten war.»

Nils Rogenmoser

redaktion@zugerzeitung.ch

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