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ZUG: Kopftreffer in Kauf genommen

Kurz vor Weihnachten 2014 prügelten sich mehrere Männer im Bahnhof. Einen traf es besonders hart. Das Obergericht hat nun das Urteil gegen zwei junge Männer zu diesem Vorfall bestätigt. Sie hätten schwere Kopfverletzungen beim Opfer in Kauf genommen.
Christopher Gilb
Wegen einer Prügelei wird das Arbeitslosengeld gestrichen (Symbolbild). (Bild: Neue LZ)

Wegen einer Prügelei wird das Arbeitslosengeld gestrichen (Symbolbild). (Bild: Neue LZ)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Ein heute 26-jähriger Kroate aus Zug und sein 27-jähriger Schweizer Kollege aus Baar hatten Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Zug gegen sie eingelegt. Wegen schwerer Körperverletzung hatte dieses den Kroaten am 8. Februar 2017 zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt, von denen er 15 in Haft verbringen soll, und der Schweizer wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt. Kürzlich hat das Obergericht nun sein Urteil zum Fall gefällt.

Als die Tat, um die es im Prozess ging, passierte, muss es ein bisschen ausgesehen haben, wie im bekannten Actionfilm «Fight Club» mit Brad Pitt: In der Nacht vom 19. Dezember 2014 gegen halb drei Uhr morgens hielten sich der Kroate und der Schweizer in stark angetrunkenem Zustand im Bahnhof Zug auf, als laut Anklageschrift drei Eritreer den Bahnhof betraten. Die zwei seien dann auf die Gruppe zugegangen und hätten die drei als «Scheissnigger» beschimpft.

Bewusstlos liegen gelassen

Ohne Vorwarnung habe der Kroate einen der Eritreer am ­Kragen gepackt, ihn gegen unten gedrückt und ihm mehrfach gegen die Beine getreten. Dann habe er ihm den Pullover über den Kopf gezogen und weitere Fusstritte ausgeteilt. Doch der Eritreer konnte sich aus dem Griff befreien. Letzterer habe seinen Pullover dann komplett ausgezogen und zu Boden geworfen. Der Kroate im Gegenzug zog seine ­Jacke aus und warf diese ebenfalls zu Boden. Dann standen sie sich gegenüber und begannen sich anzurempeln. Der Schweizer habe derweil die beiden Freunde des Eritreers auf Abstand gehalten. Mit diesen entbrannte dann auch eine kleine Schlägerei. Doch der Hauptkampf fand zwischen dem Kroaten und dem Eritreer statt. Irgendwann gingen beide zu Boden, mit Hilfe des Schweizers habe der Kroate dann jedoch die Oberhand gewonnen. Diese habe er genutzt, um den Kopf des Eritreers mit Schlägen und Tritten zu traktieren. Auch der Schweizer habe mitgemacht. Dann hätten sich die beiden entfernt und den bewusstlosen Eritreer auf dem Boden liegen gelassen. Dann trafen sie aber auf eine Polizei-Patrouille. Der Eritreer wurde mit mittelschweren Verletzungen ins Spital eingeliefert.

Anfang 2017 verhandelte das Strafgericht in diesem Fall. Basierend auf der Aufzeichnung einer Kamera im Bahnhof, kam es zum Schluss, dass die beiden Angeklagten in Kauf nahmen, dass sie dem Eritreer mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf Verletzungen mit lebensgefährlichen Folgen hätten zufügen können. Es verurteilte die beiden deshalb.

Umstrittenes Videomaterial

Wie die Auseinandersetzung aber genau begonnen habe, liess sich gemäss Strafgericht nicht klären – die Aufnahme ist tonlos. Auch die Beschimpfung als «Scheissnigger» lasse sich nicht nachweisen, der diesbezügliche Zeuge war selbst beteiligt. Ob sie wirklich den Kopf oder nur den Oberkörper getroffen hätten, sei ebenfalls nicht erwiesen.

Für die Angeklagten war das Grund genug, Berufung einzulegen. Der Kroate liess beispielsweise ausführen, dass das Videomaterial nicht ansatzweise geeignet sei, mehr als den groben Handlungsablauf wiederzugeben. Es habe sich um eine wechselseitige Auseinandersetzung gehandelt, und rein der Zufall habe entschieden, wer gesiegt habe. Die Verurteilung sei zudem einzig mit seiner Aussage zu einer möglichen Kopfattacke während der Verhandlung – «Ich versuchte es, aber ich traf ihn nicht» – begründet worden. Dabei habe er nur kommentiert, was er auf der Aufzeichnung gesehen habe, und nicht, was er gemäss Erinnerung gemacht habe. Konstant berief er sich auf die fehlende Erinnerung an den Vorfall.

Das Obergericht konstatiert zwar, dass die Aufnahme der Bahnhofskamera qualitativ wirklich nicht mit einer Fernsehübertragung vergleichbar sei, aber «der Ablauf der Auseinandersetzung ist recht zuverlässig ersichtlich.» Es sei ersichtlich, dass der Kroate aus einer Drehung zum Tritt aushole und das kniende Opfer «wenn nicht am Kopf, dann jedenfalls im oberen Bereich des Oberkörpers trifft». Damit hätte er den Kopftreffer in Kauf genommen. Das Gleiche gelte für den Schweizer. Der zwar einerseits gesagt habe, sich nicht an Details zu erinnern, andererseits eine Absicht, den Kopf zu treffen, bestreite. Wie er dem ­Opfer aber, wie auf dem Video ­ersichtlich, gegenübertrete und aushole, lasse nur den Schluss zu, «dass es ihm zumindest gleichgültig war». Das Strafmass des Kroaten senkte das Gericht leicht auf 28 Monate, davon muss er 12 ins Gefängnis. Jenes des Schweizers bleibt gleich. Da beide Angeklagten auf eine Berufung verzichtet haben, ist das Urteil zwischenzeitlich rechtskräftig.

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