Zug
Kosten über 1,5 Millionen Franken: So teuer ist Littering im Kanton Zug

Weggeworfene Aludosen im Gebüsch und leere Glasflaschen verschandeln nicht nur die Kulisse, sondern kosten auch viel Geld – und manchmal das Leben eines Tiers.

Vanessa Varisco
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Herumliegender Abfall ist in vielen Gemeinden Zugs Thema.

Herumliegender Abfall ist in vielen Gemeinden Zugs Thema.

Symbolbild:
Stefan Kaiser

Abfall auf der Weide, auf der Kühe grasen: Ein No-Go, da die Gesundheit der Tiere dadurch gefährdet wird. Darauf werden Spaziergänger und Spaziergängerinnen im Kanton Zug aufmerksam gemacht mittels Schildern an den Weiden: «Dankeschön für saubere Weiden» oder «Abfall macht mich [die Kuh] krank» ist zu lesen. An diversen Ausflugszielen im Kanton sieht man ebenfalls immer mal wieder Aludosen im Gebüsch, leere Flaschen und bis vor kurzem zerknüllte Masken.

Ob Littering im Kanton und der Landwirtschaft ein Problem ist, wollten die beiden Kantonsräte Brigitte Wenzin Widmer (SVP/Cham) und Martin Schuler (SVP/Hünenberg) wissen und reichten deshalb eine Interpellation ein.

Littering verursacht Kosten im öffentlichen Raum

Man ist sich der Problematik bewusst, so der Regierungsrat. Mit Bussen für Littering wurden 2021 13'100 Franken (was 131 verteilten Bussen entspricht) eingenommen, doch das sind nur knapp halb so viel wie im Jahr zuvor: Dort verteilte man 252 Bussen und nahm 25'200 Franken ein. Absolutes Rekordjahr seit der Einführung von Littering als Tatbestand 2013 ist 2016: 59'200 Franken Bussgelder wurden dann eingenommen.

Das deckt die Kosten des Litterings aber nicht: Schätzungen der Werkdienste und des Zweckverbands der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) zufolge verursacht es in Zug (ohne Areale des öffentlichen Verkehrs) Kosten von jährlich 1,5 Millionen Franken.

Die Tendenz von Littering ist laut Bussgeldern fallend. Der Regierungsrat hat keine Analyse für die konkreten Gründe erfasst, nennt aber folgende Möglichkeiten: «Im Allgemeinen scheint das Bewusstsein für den Umgang mit der Umwelt und Abfall in den letzten Jahren zu steigen. So ist ein Trend hin zu weniger Verpackungen, Mehrweggeschirr und Recyclingmaterialien aus natürlichen Stoffen erkennbar.»

Pandemie verschärfte Litteringproblematik

Gleichzeitig sei anzunehmen, dass sich das Wissen um das Litteringverbot und die Erfahrung, dass die Polizei die Bussen ausstellt, laufend verbreitet hat. Lückenlos repräsentativ sind die Bussenzahlen nicht, da das Wegwerfen der Kleinabfälle direkt gesehen werden muss.

Neben der grundsätzlich sinkenden Tendenz der weggeworfenen Abfälle in die Natur habe die Pandemie das Problem verschärft:

«Die Entsorgungsstellen waren mehr beansprucht, die Verunreinigungen durch Hundekot, Kleinabfälle, Verpackungen und so weiter nahmen zu.»

Zudem waren in den Frühlings- und Sommermonaten der Pandemie die Seeufer in Zug und Cham an den Wochenenden jeweils stark frequentiert. Damit einher gingen Klagen wegen Littering, Ruhestörungen, Sachbeschädigungen und Gewalt.

Kranke Tiere, kaputte Maschinen

Dass Littering in der Landwirtschaft ein Problem ist, ist dem Regierungsrat bewusst. Feste Fremdkörper im hohen Gras können Mähmaschinen beschädigen. Splitter durch zerkleinerte Aludosen oder durch andere Gegenstände im Tierfutter können zu inneren Verletzungen bei den Nutztieren führen. Zigarettenstummel oder Hundekot im Futter können Krankheiten auslösen.

Grundsätzlich seien Grundeigentümer und Grundeigentümerinnen selbst verantwortlich für die Reinigung der Landwirtschaftsflächen. Den Gemeinden stehe es dabei aber frei, individuelle Vereinbarungen mit Betroffenen zu prüfen.

Entschädigt wird ein Landwirt nicht, wenn sein Tier aufgrund von Littering stirbt, heisst es weiter im Bericht. Eine Strafanzeige gegen unbekannt (zum Beispiel wegen Sachbeschädigung oder Tierquälerei) genauso wie das zivilrechtliche Schadenersatzrecht dürften laut Regierung keine Ergebnisse liefern, da die Verursacherinnen und Verursacher in der Regel nicht bekannt sind und «die kausalen Zusammenhänge im Einzelfall erstellt» werden müssten.

Präventionsarbeit bereits in der Schule

Entgegenwirken will man dem Litteringproblem durch Präventions- und Sensibilisierungsarbeit. Schon in den Schulen. Der Zeba bot und bietet kostenlosen Abfallunterricht für Schulklassen vom Kindergarten bis zur Oberstufe an. Abfallpädagoginnen und -pädagogen sensibilisieren die Kinder und Jugendlichen dabei unter anderem für die Litteringproblematik. Das Angebot werde rege genutzt.

An den Hotspots der Stadt Zug ist auch die Polizei stärker präsent und verteilte auch kleine Abfallsäcke mit der Aufschrift «Zug blibt suuber». Die Mitarbeiter der Werkdienste unternahmen während der Pandemie auch mehr Reinigungstouren, denn, so der Regierungsrat:

«An sauberen Stellen liegt die Hemmschwelle zu littern höher als an verschmutzten.»

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