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ZUG: Krippenplätze dringend gesucht

Es gebe zu wenig subventionierte Kita-Plätze in der Stadt, so die Kinderbetreuung Kibiz. Die Warteliste umfasse über 200 Kinder. Guter Rat ist da teuer. Oder doch nicht?
Susanne Holz
Einen nicht subventionierten Platz in der Kindertagesstätte kann sich nur leisten, wer gut verdient. (Bild Stefan Kaiser)

Einen nicht subventionierten Platz in der Kindertagesstätte kann sich nur leisten, wer gut verdient. (Bild Stefan Kaiser)

Susanne Holz

Es brauche mehr subventionierte Kita-Plätze für Zuger Stadtkinder: Laut Eliane Birchmeier, PR-Beauftragte der Kinderbetreuung Zug (Kibiz), gibt es derzeit deutlich zu wenige dieser Plätze. «Die Warteliste von Kibiz umfasst seit längerem über 200 Kinder.» Auf einen freien Platz meldeten sich bis zu 20 Eltern.

Aktuell bietet Kibiz mit einem Leistungsauftrag von der Stadt in vier Stadtzuger Kitas 134 Plätze für rund 200 Kinder an. 131 Plätze sind subventioniert. Gemäss Bestandesaufnahme 2014 der Abteilung Kind, Jugend, Familie der Stadt Zug besteht ein zusätzlicher Bedarf an 31 Kita-Betreuungsplätzen für Vorschulkinder und an 81 Plätzen für Babys.

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Um der grossen Nachfrage wenigstens ein Stück weit nachzukommen, hat Kibiz nun laut Eliane Birchmeier entschieden, in der Kita Guthirt 11 zusätzliche Plätze zu schaffen. «Die Stadt Zug kann diese allerdings infolge der Budgetkürzung nicht subventionieren. Somit werden die neuen Plätze Selbstzahlern angeboten.» Ein Tropfen auf den heissen Stein also und eine Hilfe nur für diejenigen, die einen nicht subventionierten Platz bezahlen können. Gemäss Karen Umbach, Kibiz-Präsidentin, variieren die Kosten eines nicht subventionierten Platzes je nach Trägerschaft: «Bei uns kostet ein Platz für Zuger Eltern 118 Franken pro Tag, weil wir Beiträge der Kirchgemeinde, der Korporation, der Bürgergemeinde, Spenden usw. verwenden. Der Tagessatz für eine Nicht-Zuger-Familie beträgt 125 Franken für ein Kind über 18 Monate beziehungsweise 147 Franken für ein Baby. Man muss gut verdienen, um sich einen nicht subventionierten Platz leisten zu können.»

Die Politik ist gefordert

Auf die derzeitige lange Warteliste für Kita-Plätze angesprochen, sagt Karen Umbach: «Es ist ein Dauerproblem, aber die Situation hat sich in den letzten Monaten verschärft.» Waren 2011 noch 73 Kinder auf der Warteliste, waren es 2014 bereits 170. «Rund 150 Kinder benötigen einen Platz per sofort.» Umbach erzählt: «Wir werden täglich von Eltern mit Telefonanrufen bestürmt. Eltern, die in Not oder sogar Panik sind, die arbeiten wollen oder müssen.» Als man vor Wochen einen Babyplatz zu vergeben hatte, sei die Kita-Leiterin um 7.30 Uhr bereits von zwei Müttern erwartet worden. «Beide verzweifelt, weil sie ihren Job verlieren würden, wenn sie keinen Betreuungsplatz für ihr Kind fänden.»

Für Karen Umbach ist klar: «Die Politik muss erkennen, was für eine volkswirtschaftliche Bedeutung es hat, wenn gut ausgebildete Frauen ihrem Beruf nicht nachgehen können. Gerade nach der Annahme der Einwanderungsinitiative.» Stefan Moos, FDP-Fraktionschef, findet: «Eltern, die finanziell auf ihren Job angewiesen sind, sind bevorzugt zu unterstützen. Uns Liberalen ist aber auch daran gelegen, dass gut ausgebildete Frauen beruflich am Ball bleiben können. Wir sind für den Ausbau der Kita-Plätze, fragen aber nach der Finanzierung. Die Stadt Zug hat derzeit sicher kein Geld für weitere Plätze.»

Weniger Vorschriften

Laut Stefan Moos sind deshalb auch private Anbieter zu befürworten. Zudem findet der liberale Politiker: «Zu viele Vorschriften und Überbürokratisierung machen Kinderbetreuung teuer.» Moos plädiert dafür, eigenverantwortliche Lösungen zu suchen und nicht nur staatliche Hilfe einzufordern. Er gibt jedoch zu: «Natürlich geht das nicht überall und ist es abhängig vom Einkommen.»

Stefan Hodel, Zuger Fraktionschef der Alternative-CSP, macht sich für eine Förderung von Tagesmüttern stark: «Tagesmütter oder -väter brauchen keine zusätzliche Infrastruktur, es muss weder etwas gebaut noch gemietet werden. Im besten Fall wohnen Tageseltern in direkter Nachbarschaft des zu betreuenden Kindes.» Der alternative Politiker gibt zu bedenken, dass die Fraktion der FDP an der Budgetsitzung des Grossen Gemeinderates vom vergangenen 9. Dezember «leider den Antrag gestellt hat, den budgetierten Betrag um 280 000 Franken zu kürzen, obwohl Stadträtin Vroni Straub auf die grosse Warteliste hingewiesen hat».

Vroni Straub – sie ist derzeit am Suchen von Lösungen. Die Vorsteherin des Zuger Bildungsdepartements sagt: «Das Problem fehlender Kita-Plätze hat sich in letzter Zeit akzentuiert. Die gesteigerte Nachfrage zeigt, dass viele neue Familien von einer gemeinsamen Erwerbstätigkeit mit gleichzeitiger, oft teilweiser Fremdbetreuung der Kinder ausgehen. Die Gründe dafür sind vielfältig – hoher Ausbildungsstandard der Eltern, hohe Lebenshaltungskosten usw.»

Einkommensgrenzen revidieren?

Die Stadt Zug richte Beiträge von rund 3 Millionen Franken jährlich an die subventionierte Kinderbetreuung aus. Dieser Topf reiche, um den Verpflichtungen aus den Leistungsvereinbarungen nachzukommen. «Der Nachfrageüberhang kann aber ohne zusätzliche Mittel nicht ausgeglichen werden.» Wie Vroni Straub erklärt, denkt die Stadt Zug über eine Anpassung des Tarifmodells nach, um zusätzliche Plätze zu subventionieren. Das vorhandene Geld solle umverteilt und zielgerichteter eingesetzt werden. «Es gilt, den Topf besser zu verteilen, damit er mehr Familien zugutekommt.» Urs Bertschi, SP-Fraktionschef, schlägt eine Überprüfung der Einkommens- und Vermögensgrenzen für subventionierte Plätze vor, um eine kostenneutrale Angebotserweiterung zu realisieren. «Sollten sie zu hoch sein, müssten sie korrigiert werden – so würden Nachfrager mit zu hohem Einkommen und Vermögen Plätze frei machen.»

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