Der Kanton Zug kündigt verstärkte Coronakontrollen in Risikobetrieben an

Im Kanton Zug setzen die Betriebe der Freizeitbranche die Corona-Schutzmassnahmen nicht immer ausreichend um. Vor allem bei den Kontaktdaten sieht die Gesundheitsdirektion Verbesserungsmöglichkeiten. Sie will deswegen ihre Kontrollen in Betrieben mit erhöhtem Ansteckungsrisiko verstärken.

Zoe Gwerder
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Wie Gastrobetriebe, werden nun auch andere Unternehmen stärker auf ihre Schutzkonzepte geprüft.

Wie Gastrobetriebe, werden nun auch andere Unternehmen stärker auf ihre Schutzkonzepte geprüft.

Symbolbild: Boris Bürgisser

Im Kanton Zug wird das Einhalten der Covid-19-Schutzkonzepte intensiver kontrolliert. Der Kanton hat sich hierzu am Donnerstag mit den Vertretern der Gemeinden getroffen. «Neu werden wir auch in jenen Betrieben kontrollieren, welche schon länger wieder geöffnet sind und wir seit dem Frühling nicht mehr angeschaut haben», erklärt Brian Martin. Der Epidemiologe und ehemalige Zürcher Kantonsarzt ist Mitarbeiter des kantonsärztlichen Dienstes des Kantons Zug.

Wie Martin erklärt, werden die stärkeren Kontrollen vorsorglich gemacht – sind also nicht auf eine Häufung von Fällen in diesem Bereich zurückzuführen. «Zum einen haben wir die Vorgaben des Bundes, welcher solche Kontrollen verlangt, und zum anderen entspricht es dem Konzept des Kantons Zug, dass wir vorausschauend agieren.» Hierbei bezieht sich der Kanton Zug auch auf die aktuellen Zahlen. Diese haben sich nach einem Anstieg im Verlauf des Monats Juni zurzeit auf höherem Niveau stabilisiert. Zudem sei es nun so, dass der Anteil an Fällen, bei welchen die Ansteckungskette nicht mehr zurückverfolgt werden kann, zunehme.

Ansteckungen im grossen Umfang liessen aufschrecken

Neben Restaurants, Museen und anderen öffentlich zugänglichen Betrieben werden auch Industrie-, Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe, wie beispielsweise auch die Nahrungsmittelproduktion, genauer unter die Lupe genommen. Dies habe mit Erfahrungen im Ausland zu tun. «Dort gab es Ansteckungen im grossen Umfang – das liess einen aufschrecken», so Martin. «Im Gegensatz zu den Klubs und Bars, wo nach ersten Erfahrungen hat reagiert werden müssen, wollen wir nun bei der zweiten Stufe proaktiv handeln.» Dabei gehe es um die Arbeitsbedingungen und nicht um die Produkte. Eine Ansteckung über Lebensmittel sei sehr unwahrscheinlich.

Diese Unternehmen werden nun von den Gemeinden genauer angeschaut und deren Schutzkonzepte überprüft. «Wir haben festgestellt, dass die meisten Betriebe die geforderten Schutzkonzepte zwar haben, deren Umsetzung aber noch verbessert werden könnte», sagt der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister und fügt an: «Problematisch wird es vor allem dann, wenn die von den Betreibern erhobenen Kontaktdaten kein effizientes Contact-Tracing erlauben, weil nicht von allen anwesenden Personen korrekte beziehungsweise hinreichende Daten vorhanden sind.»

Die Kontrollen sollen nun die Eigenverantwortung der Betriebe sowie deren Verständnis für die Massnahmen stärken. Brian Martin: «Es geht auch darum, dass diese sich nun Gedanken machen, wie sie Schutzmassnahmen umsetzen können, sollten dereinst die Zahlen wieder markant steigen.» So sei beispielsweise die Lösung mit der Aufnahme von Kontaktdaten nur eine «Schönwetterlösung», die keine Ansteckungen verhindert, sondern bestenfalls eine weitere Ausbreitung. «Sobald die Zahlen wieder stärker ansteigen, wird diese Massnahme nicht mehr reichen, um einen Betrieb offen zu halten.»

Martin betont, dass der Kanton bei diesem Schritt nun aber nicht der Aufpasser der Gemeinden sei. Diese müssten einzig Zahlen zu den kontrollierten Betrieben und Beanstandungen dem Kanton melden, welcher diese wiederum dem Bund weitergebe. Nachtklubs und Bars, aber auch Gesundheitsbetrieben werden nach wie vor vom Kanton kontrolliert.

Dank Massnahmen wenig Ansteckungen bei der Arbeit

Gemäss Martin haben Erfahrungen nun gezeigt, dass gute Schutzkonzepte wirksam sind. «Wir hatten Personen, die vor dem Ausbruch der Symptome arbeiten gingen und dank der Schutzkonzepte auch in dieser ansteckenden Phase niemandem im Betrieb das Virus weitergegeben haben.»

Stand Freitag sind im Kanton Zug 271 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Dies sind 12 Neuansteckungen innert einer Woche. Inzwischen weist der Kanton Zug bei den Quarantänefällen unterschiedliche Kategorien aus. Insgesamt befinden sich derzeit fast 200 Personen in Quarantäne. Der grösste Teil davon sind Personen, die aus Risikoländern zurückgekehrt sind und sich deshalb in Quarantäne befinden. Aufgrund eines positiven Tests oder eines solchen im Umfeld befinden sich derzeit fast 40 Personen in Isolation oder Quarantäne.

Gemäss Brian Martin gehen rund ein Drittel der Ansteckungen der letzten beiden Wochen auf Rückkehrer aus dem Ausland zurück. Dass also heimgereiste Personen positiv getestet wurden und teilweise auch Personen aus deren Umfeld. Deutlich zurückgegangen sind laut Martin hingegen die Ansteckungen aus der Partyszene. Sei es in Klubs oder auch bei privaten Festen. «In den letzten Wochen waren es nur noch Einzelne. Das ist erfreulich.»