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ZUG: Kultur hat Bauarbeitern Platz gemacht

Jetzt sind die Bauarbeiten in vollem Gange – das Theater Casino wird auf Vordermann gebracht. Und es hat bereits Überraschungen gegeben. Ein Augenschein vor Ort.
Andreas Faessler
Die Böden des grossen und kleinen Casinosaals sind verdeckt, der Teppich auf der Empore wird entfernt. (Bilder Werner Schelbert)

Die Böden des grossen und kleinen Casinosaals sind verdeckt, der Teppich auf der Empore wird entfernt. (Bilder Werner Schelbert)

Andreas Faessler

Statt lieblicher Musik und Engelsgesang erfüllen Gehämmer und Bohrlärm das altehrwürdige Theater Casino. Beim Betreten herrscht Helmpflicht – ein Hinweis, dass Abbrucharbeiten stattfinden. Das Haus steht bereits mitten im Umbau respektive in der Renovation. Wandapplikationen, Vorhänge und weitere bewegliche Elemente sind demontiert – das Restaurant dient vielem als Depot –, die Kristalllüster eingepackt, Treppe, Geländer und Böden in den Sälen zum Schutz abgedeckt. Löcher klaffen in Wänden und Decken, überall hat sich durch die Arbeiten bereits eine dicke Staubschicht abgesetzt.

Blinde Türen wieder öffnen

Das reiche Kulturgeschehen ist ausquartiert für diese Übergangszeit, welche voraussichtlich ein Jahr und zwei Monate dauert. Und bis die Theater- und Musikgesellschaft Zug (TMGZ) ihr auf Vordermann gebrachtes Quartier neu beziehen kann, werden noch viele Hammerschläge verhallen. Dafür dürfen die Erwartungen zu Recht hoch sein: «Der Jugendstil des historischen Gebäudes wird in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege so weit in den originalen Urzustand zurückversetzt wie möglich. Alles Historische wird so gut wie es geht erhalten», erklärt Marcel Beerle. Der stellvertretende Leiter Hochbau der Stadt Zug erläutert die Bauarbeiten bei einem Rundgang durch die Baustelle und erwähnt sogleich eine überraschende Entdeckung: Bei der Inspektion kamen auf den seitlichen Emporen Verbindungstüren zum Vorschein, welche jeweils in die angrenzende Wandel­halle führen. Sie waren Jahrzehnte hinter der Wand verborgen gewesen. «Die Rahmen weisen noch die originale Bemalung aus der Erbauungszeit auf», erklärt Beerle. Zwei der Türen waren sogar zugemauert worden. Sie alle werden ebenfalls restauriert und künftig wieder ihren Zweck erfüllen. Der unansehnliche Teppich auf den Emporen wird entfernt und durch Parkett ersetzt, das Geländer indes den heutigen Sicherheitsvorschriften angepasst, indem es erhöht wird. Das historische Parkett im grossen Saal wird fixiert und wo nötig ausgebessert, sodass es nicht mehr knarren wird wie bisher. Der Bühnenvorhang wird ebenfalls ersetzt.

Zurück zur ursprünglichen Farbe

Der Casinosaal als Ganzes sowie die seitlichen Promenierräume, welche teils eine qualitätvolle Vertäfelung aufweisen, sollen den Glanz alter Zeiten zurückerhalten: «Gemeinsam mit dem Denkmalamt versuchen wir unter anderem zu eruieren, welche Farbe Wände und Decke einst hatten, um sie entsprechend zu verputzen», erklärt Marcel Beerle. Ebensolches gilt für die Aussenwände des Gebäudes, das in den Jahren 1907 bis 1909 von Dagobert Keiser und Richard Bracher erbaut worden ist. «Es wird nicht nur eine Instandsetzung der Infrastruktur, sondern das Haus erhält somit auch eine deutliche optische Aufwertung.» Überdies werden alle Fenster und Rollos ersetzt, welche insbesondere auf der Seeseite wetterbedingt einen reichlich desolaten Eindruck machen. Eine gründliche Auffrischung erfährt ferner der einstige Haupteingang des Keiser-Bracher-Baus. Die Türen mit originalen Klinken und Türschliessern werden frisch bemalt. Das dahinterliegende Vestibül mit einstigem Kassenhäuschen behält seinen alten Charme respektive erhält ihn ebenfalls zurück.

Fumoir kommt weg

Im Untergeschoss rumpelts heftig. Die Toilettenanlagen werden dieser Tage komplett erneuert. Schubkarrenweise befördern Arbeiter die abgeschlagenen Fliesen aus den 1980er-Jahren ins Freie. Mulden vor dem Haus füllen sich mit Tonnen von Schutt, denn Ähnliches geht in der Smoking Lounge des Restaurants vor sich. Diese ist in einem kubischen Annexbau an der südwestlichen Ecke untergebracht, welcher ebenfalls aus den 1980er-Jahren stammt und vom See her optisch eher als Störfaktor wahrgenommen wird denn als für das Gesamtbild Gewinn bringend. Er wird abgetragen. Dasselbe gilt für den schmalen Trakt, welcher den neueren Theatersaalkomplex mit dem historischen Casinogebäude verbindet und mit dessen seeseitiger Schaufront bündig ist. Er wird durch einen diskreten, vom See her zurückversetzten Verbindungsbau ersetzt, der den alten vom neuen Teil klar abtrennt und in seiner Funktion als Bindeglied auch als solches erkennbar wird. In der Folge wird der anmutige Jugendstilbau von der Seeseite her als alleinstehender historischer, in seiner Architektur ho­mogener Baukörper wahrgenommen – eine weitere deutliche Aufwertung des äusseren Erscheinungsbildes. Einzige moderne Komponente wird eine elegante externe Stahlwendeltreppe sein, welche da platziert wird, wo der Annexbau des Fumoirs jetzt noch steht, aber in Kürze Geschichte sein wird. Die Konstruktion soll einen formschönen Kontrast zur historischen Fassade setzen. Hier wird sich zudem weiterhin der Zugang zum Restaurant befinden für die Öffnungszeiten ausserhalb des Kulturbetriebes. Auch dieser Zugang wird neu und vor allem einladender gestaltet, als er bisher gewesen ist.

Arbeiten am Theatersaal ab Herbst

Der angrenzende Bau mit dem Theatersaal und dem glasüberdachten Foyer harrt ebenfalls seiner baldigen Überholung, die Arbeiten hier beginnen diesen Herbst – voraussichtlich noch im September. Der gesamte Foyerboden und die Treppe sind bereits dick mit Pappe bedeckt, Mobiliar und Kunstgegenstände sicher verstaut. Wo zuvor die Garderoben waren, ist ein «improvisiertes Baubüro», wie es Marcel Beer­le nennt, eingerichtet.

Die Sommersonne brennt unerbittlich auf das Glasdach und erhitzt das derzeit unklimatisierte Foyer auf gefühlte 40 Grad. Bald wird das Dach mit getönten, sonnenabweisenden Scheiben versehen. Der neue, zentrale Empfangsbereich wird da installiert, wo bisher der Durchgang zum alten Teil war – also hauptsächlich im oben erwähnten neuen Verbindungstrakt.

Feinarbeit mit grobem Werkzeug

Unter dem Strich finden im Theater Casino keine Arbeiten statt, die einen substanziellen Eingriff in die bestehende Architektur bedeuten. «Eigentlich ist es viel Feinarbeit, wenn auch teils mit grobem Werkzeug», umschreibt es Marcel Beerle. Kurzum: Sehr umsichtig und mit Sorgfalt kriegt der Komplex sein Facelifting verpasst. Dies ist nicht zuletzt – oder insbesondere – der Zuger Bevölkerung geschuldet, ist und war das Haus doch seit jeher ein unverzichtbarer Teil des Zuger Kulturlebens genauso wie des gesellschaftlichen Geschehens.

Theater Casino: Weitere Bilder von der Sanierung auf www.zugerzeitung.ch/bilder

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