ZUG: Kunst belebt die einstigen Räume Kranker

Das alte Kantonsspital lebt, vor allem kulturell. Mit dem Kunstfestival «Auf in den Süden!» will die Stadt unter anderem die Diskussion um die Zukunft des Areals anregen.

Andreas.faessler@zugerzeitung.ch
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Kunst im alten Kantonsspital. Samuel Haettenschweiler trägt mit dem berühmten Schriftzug seinen Teil bei. (Bild Stefan Kaiser)

Kunst im alten Kantonsspital. Samuel Haettenschweiler trägt mit dem berühmten Schriftzug seinen Teil bei. (Bild Stefan Kaiser)

Seit rund sieben Jahren wirken im Gebäudekomplex des ehemaligen Kantonsspitals 15 eingemietete Zuger Vereine, Organisationen und Institutionen. Sie sorgen dafür, dass die Räume lebendig bleiben, wo einst Krankenhausbetrieb geherrscht hat. Gemeinsam bilden diese Mieter die Interessengemeinschaft mit dem Bandwurmnamen «Mieterinnen und Mieter des ehemaligen Kantonsspitalareals». Diese IG ist Schirmherrin des Kunst- und Kulturfestivals «Auf in den Süden!», das dieses Wochenende seine Pforten öffnet und im Rahmen eines Monatsprogramms der Öffentlichkeit aufschlussreichen Einblick in das Wirken der eingemieteten Organisationen gewährt. Am Anfang, also morgen Freitag, steht ein Tag der offenen Türen. Da stehen für die Besucher ab 10 Uhr Infostände und Workshops offen, es gibt im Verlauf des Tages Tanz- und Partyveranstaltungen. Zudem richten sich nach 16 Uhr Baudirektor Heinz Tännler, Stadtpräsident Dolfi Müller und die Kuratorinnen Carole Kambli und Jacqueline Falk mit ihren persönlichen Worten an das Publikum.

Die anschliessende, bis 26. Juni dauernde Kunstausstellung «Reanimationen» nutzt die weitläufigen Räumlichkeiten des einstigen Spitals für die Präsentation Kunstschaffender aus der Region. Ortsspezifische Kunstwerke und Installationen sind auf dem ganzen Areal positioniert und setzen sich hauptsächlich mit den räumlichen Gegebenheiten auseinander. Inspiriert etwa von der persönlichen Kenntnis und Erfahrung im Spital von einst sei es als Besucher oder gar Patient –, und auch animiert von der aktuellen Diskussion um die künftige Nutzung des Gebäudekomplexes haben sich die Künstlerinnen und Künstler an die Umsetzung ihrer Ideen gemacht.

Kunst also mit ganz stark persönlichem Bezug bereichert etwa den einstigen Operationssaal oder den Aufwachraum, die Lobby oder andere Räume mit einst spezifischer Funktion. Die Fragilität des menschlichen Körpers, die Auseinandersetzung mit dem Sterben, das eigene Erleben eines Krankenhausaufenthaltes oder der direkte Bezug zu einem spezifischen Leiden die beteiligten Künstler setzen in ihren Werken und Installationen jeweils ein Thema auf höchst kreative Weise um, das direkt mit dem Spital assoziiert ist.

Ein Begegnungsort

«Die kulturelle Belebung des alten Spitals schafft einen Mehrwert für die Besucherinnen und Besucher und bereitet die geplante öffentliche Nutzung des Areals vor», sagt Stadtpräsident Dolfi Müller. Das Kunstfestival ist insofern auch ein Begegnungsort von Menschen verschiedener Kulturen, als unter anderem der Türkische Verein oder der Serbische Kulturklub Mieter im alten Kantonsspital sind. Ausserdem sind im Laufe der letzten Jahre auch Asyl­suchende als Bewohner des Komplexes hinzugekommen, was das Kulturspektakel zusätzlich belebt.

Gespräch über die Zukunft

Kuratorin Jacqueline Falk verspricht sich von diesem Festival unter anderem einen fruchtbaren Dialog, der um das kulturelle Weiterleben des einstigen Spitalareals entfacht werden soll. Falk: «Es könnte für die Stadt und für die Bevölkerung ein Kulturraum entstehen, der sich nachhaltig als identitätsstiftend erweist.» Zu diesem Thema wird am Samstag, 30. Mai, um 10.30 Uhr eigens eine Podiumsdiskussion abgehalten. Unter der Leitung von Georg Frey, ehemaliger Denkmalpfleger des Kantons Zug, werden Baudirektor Heinz Tännler und Urs Bertschi, Präsident der Bau- und Planungskommission der Stadt Zug, sowie Architekt Albi Nussbaumer, Katrin Jaggi, Expertin für Städtebau, Anwohnerin Susanne Giger und Ümit Sarigecili, Vorstandsmitglied des Türkischen Vereins, über die zukünftige Nutzung des Areals diskutieren.Andreas Faessler

Hinweis

«Auf in den Süden!», Tag der offenen Tür Freitag, 29. Mai ab 10 Uhr. Weitere Informationen sowie das detaillierte Programm zur Ausstellung «Reanimationen» sind online zu finden unter www.aufindensueden.ch.