ZUG: «Kunst muss etwas in mir auslösen»

Vor genau 40 Jahren hat Carla Renggli den Schritt in die Selbstständigkeit als Galeristin gewagt. Mit viel Eigeninitiative und einem verlässlichen Auge für gute Kunst hat sie sich in der Altstadt ihr kleines Imperium mit überregionaler Ausstrahlung geschaffen.

Andreas Faessler
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Seit 40 Jahren führt Carla Renggli ihre Galerie in der Zuger Altstadt mit viel Herzblut. Genauso wichtig wie ihre Beziehung zu den Kunstwerken ist für sie diejenige zu den Künstlern dahinter. (Bild: Maria Schmid (Zug, 7. Juni 2017))

Seit 40 Jahren führt Carla Renggli ihre Galerie in der Zuger Altstadt mit viel Herzblut. Genauso wichtig wie ihre Beziehung zu den Kunstwerken ist für sie diejenige zu den Künstlern dahinter. (Bild: Maria Schmid (Zug, 7. Juni 2017))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

«Die Zeiten haben sich geändert», sagt Carla Renggli. «Kunstgalerien haben es im heutigen Umfeld nicht mehr einfach.» Mangelnder Sammlernachwuchs und der Kunsthandel via Internet sind nur zwei Faktoren, welche den Kunstgalerien zunehmend die Existenz erschweren. Carla Renggli selbst aber will nicht klagen – nachdem sie in der Altstadt nun seit vier Jahrzehnten ihre eigene Galerie erfolgreich führt, muss die gebürtige Baarerin etwas richtig gemacht haben. Dabei war sie einst eine Quereinsteigerin in der sich stark wandelnden Branche und ist faktisch auf autodidaktischem Weg zur Galeristin geworden. Nach einer pharmazeutischen Lehre arbeitete Carla Renggli nur kurz auf ihrem Beruf, ehe sie ihr Interesse an der Kunst zu einer Luzerner Galerie führte, wo sie fünf Jahre als Angestellte tätig war.

Der Anfang im Kellergewölbe

Dann kam der Wunsch nach Selbstständigkeit. «Mein Mann und ich hatten seit jeher in Zug unsere engsten Vernetzungen. So war für mich denn auch klar, dass ich meine erste Galerie hier eröffnen will.» Es war das Jahr 1977, als an der Goldgasse in der Zuger Altstadt ein Kellergewölbe zur Vermietung stand – die Gelegenheit. Hier organisierte Carla Renggli als junge Galeristin ihre ersten Ausstellungen mit Werken von Zentralschweizer Künstlern – und hatte nebenbei damals wie heute ein feines Sortiment an exklusiven Kunstkarten im Angebot. Es lief gut. «Es war eine Zeit, als Grafik stark im Kommen war. Die Leute erhielten so gute Kunst zu erschwinglichen Preisen», erinnert sich die heute 64-Jährige, welche diesen Trend damals erkannte und ihr Ausstellungskonzept danach ausrichtete.

Ihr verlässliches Auge für gute Kunst hat sich fortan bewährt, was auch die Leute merkten. Dem wachsenden Interesse stand der beschränkte Platz an der Goldgasse im Weg. 1996 wurden die Räume im Parterre des Hauses in der Ober Altstadt 8 frei – ein wahrer Glücksfall für die Zugerin. Umzug. Die drei Geschosse im schmucken Altstadthaus waren wie für sie zugeschnitten. 2005 erhielten Carla Renggli und ihr Mann die Gelegenheit, das ganze Haus gemeinsam mit einer Drittpartei zu erwerben und zu renovieren. Der Verbleib ihrer geliebten Galerie an dieser pittoresken Ecke war gesichert. «Einen besseren Ort könnte ich mir kaum vorstellen», schwärmt Carla Renggli mit berechtigtem Stolz, hat sie ihr kleines Kunstimperium in der Zuger Altstadt doch mit purer Eigeninitiative zu dem gemacht, was es ist. Sieben Ausstellungen pro Jahr organisiert sie in den charmanten Räumen, die Hängungen aller Art zulassen und über genügend Flexibilität für grössere und kleinere Installationen sowie skulpturale Kunst verfügen. Auch um diese Vorzüge weiss ihre treue Stammkundschaft.

In ihrer Galerie stellt die Zugerin nur Kunst aus, die auch sie persönlich anspricht. «Es muss etwas in mir auslösen, zur Reflexion anregen. Wichtig ist mir die Ernsthaftigkeit und Professionalität, mit der die Künstlerin respektive der Künstler sich ans Werk macht.» Indem sie die Kunstschaffenden repräsentiert, übernimmt Carla Renggli auch eine grosse Verantwortung, steht sie doch in diesem Moment quasi «im Dienst des Künstlers», wie sie es umschreibt. Und es ist zu einem wesentlichen Teil die Art der Präsentation der Kunstwerke, welche die Qualität dieses Dienstes ausmacht: Für die Zugerin ist eine schön gestaltete Ausstellung das A und O. «Die Künstler verdienen es, dass ihre Arbeit würdig präsentiert wird. Das ist mir ein ganz grosses Anliegen», betont die Galeristin, die seit Jahren regelmässig an Kunstmessen in Zürich teilnimmt. Auch privat sammelt sie Kunst – hauptsächlich zeitgenössische. So hat diese auch in ihrer Wohnung im Zuger Fridbach, wo Carla Renggli mit ihrem Mann Max wohnt, einen hohen Stellenwert. Ihr Mann, Germanist im Ruhestand, teilt ihre Leidenschaft für gute Kunst und unterstützt seine Frau tatkräftig, geht ihr bei der Organisation der Ausstellungen zur Hand und kümmert sich um die Medienarbeit. Dass Zug ein schwieriges Pflaster ist, um sich als Galeriebesitzerin über Wasser zu halten, mag Carla Renggli nicht bestätigen. Sie sieht’s eher gegenteilig: «Die Überschaubarkeit der Stadt und des Kantons macht Zug zu einem guten Ort, vor allem wenn man hauptsächlich Künstler aus der Region repräsentiert. Und es gibt hier viele kunstinteressierte Leute.»

Enge Verbindungen zu den Künstlern

Auf dem Rundgang durch die am Samstag startende Jubiläumsausstellung (siehe Kasten) merkt man schnell: Carla Renggli kennt «ihre» Künstler und deren Arbeit genau. Ihr ist der Bezug zum Menschen hinter den Werken ebenso wichtig. Zahlreiche ihrer Künstler repräsentiert die Galeristin seit vielen Jahren, es sind enge, auf Vertrauen basierende Bindungen entstanden.

Das Herzblut, mit dem Carla Renggli ihre Galerie in der Zuger Altstadt betreibt, wird auch weiterhin fliessen. «Solange ich fit genug bin, den grossen Aufwand, mit dem die Ausstellungen verbunden sind, zu stemmen, will ich weiterhin genau das tun, was ich die vergangenen 40 Jahre gemacht habe.»