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ZUG: Lebendige Bücher ausleihen

Ein Buch, das zur Begrüssung die Hand schüttelt, lacht und gestikuliert. Das klingt schon fast nach dem letzten Schrei aus dem Internet. Aber Technik spielt in diesem Fall keine Rolle. Im Gegenteil.
Daniela Sattler
Führt ein angeregtes Gespräch mit einem «Leser»: das lebendige Buch Hans-Jörg Hasler (Sterbebegleiter). (Bild: Werner Schelbert (Zug, 25. März 2017))

Führt ein angeregtes Gespräch mit einem «Leser»: das lebendige Buch Hans-Jörg Hasler (Sterbebegleiter). (Bild: Werner Schelbert (Zug, 25. März 2017))

Daniela Sattler

redaktion@zugerzeitung.ch

In der Bibliothek Zug fand am Samstag die zweite Veranstaltung «Living Library» statt. Dabei konnten statt Bücher Menschen für Gespräche vor Ort «ausgeliehen» werden. Zum Anlass hatten sich – neben der in der «Zuger Zeitung» porträtierten Sterbe­begleiterin Gabriela Rüegg und einem weiteren Sterbebegleiter – eine rumänische Pflegerin, ein ehemaliger Sans-Papiers, eine Muslima mit Kopftuch, eine Schweizer Ordensfrau und eine mit einem Schweizer verheiratete Thailänderin eingefunden.

Locker gelegt oder festgesteckt: Kein Stück Stoff birgt so viel Konfliktpotenzial wie das Kopftuch. Aber wie denken eigentlich Muslimas selbst über das Kopftuch? Um klarzustellen: Saadet Yavuz trägt ihr Kopftuch freiwillig. «Um die weiblichen Reize nicht öffentlich zur Schau zu stellen», wie sie ihrer «Leserin» erklärt. Ein Hidschab allerdings wäre für sie zu extrem und stehe auch nicht für den Islam.

Sprache ist der Schlüssel zur Integration

Die 38-jährige Saadet Yavuz ist in der Türkei aufgewachsen und lebt mit ihrer Familie seit drei Jahren in Rotkreuz. «Ich würde meine Töchter nie dazu zwingen, ein Kopftuch zu tragen», betont sie. Die Tatsache, dass sie sich mit ihrer Gesprächspartnerin fliessend in deutscher Sprache austauscht, lässt erahnen, dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist – und ein Stück Stoff in diesem Zusammenhang kaum eine Rolle mehr spielt. Dass die Sprache von grosser Bedeutung sei, meint auch Saadets Mann Mehmet. Daher habe er seine Frau auch zu Intensiv-Deutschkursen angemeldet. Denn: «Die Sprache des Landes, in dem man lebt, nicht zu sprechen – und dann noch ein Kopftuch zu tragen –, das kann verständlicherweise nicht ankommen.»

Die Bücher sind während des ganzen Nachmittags ausgeliehen. Miriam Lodge aus Zug etwa hat sich für die Geschichte des Sans-Papiers entschieden. Weil ihr Vater vor gut 50 Jahren auch einer von ihnen gewesen sei. «Die eben geschilderten Erlebnisse haben mich zutiefst berührt», sagt sie im Anschluss an das Gespräch.

Die Kirche in der heutigen Zeit

Auch an den kleinen Tisch der Ordensfrau Schwester Brigitte hat sich inzwischen ein «Leser» gesetzt. «Wie kann der Mensch von heute nach einem Alltag, in dem so vieles überdreht ist und in dem Populismus vorherrscht, in die Kirche gehen und dort Anknüpfungspunkte finden?», ist eine seiner Hauptfragen in dem interessanten Gespräch, das sich daraufhin in eine philosophisch-spirituelle Richtung bewegt.

Spontan in der Bibliothek eingefunden hat sich an diesem Nachmittag ebenfalls Frieda Waldispühl Zindel, die Präsidentin von Hospiz Zug. Just zu dem Zeitpunkt, als gerade wieder ein Buch zur Ausleihe freigegeben wurde: jenes von der mit einem Schweizer verheirateten Thailänderin. Waldispühl Zindel äussert sich nach der Unterhaltung mit der Frau begeistert. «Sie spricht sehr gut Deutsch, und zwischen uns hat ein spannender Austausch stattgefunden.»

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