Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: Leistungslöhne entsetzen Lehrpersonen

Die Lehrpersonen in den Gemeinden sollen nicht mehr automatisch befördert werden. Bürgerliche Politiker fordern stattdessen Leistungslöhne. Nicht nur Lehrer sind empört.
Gemäss eines Vorstosses sollen für Zuger Lehrpersonen künftig nicht mehr wie üblich zehn, sondern neunzehn Gehaltsstufen gelten. Das nicht nur bei den Lehrpersonen für rote Köpfe. (Symbolbild) (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)

Gemäss eines Vorstosses sollen für Zuger Lehrpersonen künftig nicht mehr wie üblich zehn, sondern neunzehn Gehaltsstufen gelten. Das nicht nur bei den Lehrpersonen für rote Köpfe. (Symbolbild) (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)

Wolfgang Holz

Der Kanton Zug muss bekanntlich sparen. Alle sollen dazu beitragen. Auch die Schulen. Genauer gesagt: die Lehrer. In einer Motion fordern acht Kantonsrätinnen und -räte aus SVP, FDP und CVP, dass für Lehrer an den gemeindlichen Schulen künftig statt zehn Gehaltsstufen neunzehn Stufen gelten sollen. Dadurch würden sich die Kosten für die jährlichen Erhöhungen der Lehrersaläre aufgrund von Beförderungsschritten reduzieren. Zudem will die politische Allianz der Bürgerlichen, dass der Aufstieg von Lehrern in höhere Gehaltsklassen in Zukunft nicht mehr automatisch erfolgt, sondern aufgrund einer Leistungsbeurteilung sowie unter Berücksichtigung der allgemeinen Wirtschaftslage und des Finanzhaushalts – also, dass für gemeindliche Lehrer das Gleiche gilt wie für kantonale Lehrpersonen.

«Qualitätsstandards in Gefahr»

Ueli Wirth, Bildungsvorsteher in Hünenberg, macht sich Sorgen um den Lehrerberuf im Kanton Zug, sollte diese Motion für erheblich erklärt werden. «Der Lohn für Lehrer muss konkurrenzfähig bleiben», sagt der FDP-Gemeinderat. Noch würden Lehrer in Zug mehr verdienen als in Luzern und im Aargau. Das sei gut für die Zuger Schulen. Würden mehr Gehaltsstufen für Lehrer eingeführt werden, verliere der Lehrerberuf nicht nur an Attraktivität gegenüber anderen Kantonen, sondern auch gegenüber anderen Berufen. Wirth ist auch gegen die Einführung von Leistungslöhnen, weil dies zwangsläufig zu einem massiven Aufstocken der Schulleitungspensen führen würde. «So würden wir mehr Geld in die Schuladministration statt in das Unterrichten stecken. Die Auswahl an qualitativ guten Lehrern wäre deutlich geringer, was sich direkt auf unsere Schulqualität negativ auswirken würde.»

Dass die Qualität der Lehrer im Kanton Zug derzeit noch gut sei, das versichert Jürg Portmann, Rektor aus Walchwil. «Einen Leistungslohn einzuführen, wäre ein Rückschritt ins letzte Jahrhundert.» Denn dann könnten sich reichere Gemeinden aufgrund der unterschiedlichen Lohngefüge die besseren Lehrer leisten. Ausserdem ist die wahre Leistung eines Lehrers kaum zu messen. «Es ist zu bezweifeln, dass die wahre Leistung eines Lehrers so einfach messbar ist.» Sie lasse sich kaum durch gelegentliche Schulbesuche sowie Schülerbeurteilungen bestimmen. Deshalb sei die kantonale Fixierung der Lehrergehälter, so wie sie jetzt praktiziert werde, sinnvoller, gerechter und eben besser für die Garantie des momentanen Bildungsstandards und der Qualität des Unterrichts an den Zuger Schulen.

Männermangel an Primarschulen

Georges Raemy, Präsident der Schulleiter und Schulleiterinnen des Kantons Zug, stösst ins gleiche Horn. Die Attraktivität des Lehrerberufs vermindere sich durch die Ziele der Motion. Insbesondere der Männeranteil in der Primarschule und in der Oberstufe gehe durch solche Pläne weiter zurück. «In der Oberstufe ist das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Lehrpersonen noch einigermassen ausgeglichen, aber in der Primarschule sind nur noch 10 bis 15 Prozent Männer unter den Lehrern anzutreffen – Tendenz fallend.» Gerade in der Primarschule drohe dadurch eine weitere Ausweitung der Frauenquote bei den Lehrpersonen, so Raemy, der auch gleichzeitig Schulleiter des Schulhauses Eichmatt in Hünenberg See ist. Für die soziale und individuelle Entwicklung von Buben in der Schule sei auch der Unterricht durch männliche Lehrpersonen unerlässlich. «Nicht zuletzt sind solche Vorstellungen von der regelmässigen Leistungskontrolle von 38 Lehrpersonen in meiner Schule durch mich, den Schulleiter, mit den zur Verfügung gestellten Bewertungsinstrumenten und Zeitressourcen praktisch gar nicht machbar.»

Was die Lehrpersonen selbst betrifft, spricht Barbara Kurth-Weimer, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrervereins Kanton Zug, deutliche Worte. «Eine Schule ist doch kein Markt wie die Privatwirtschaft, sondern ein Service public, dessen Qualität es aufrechtzuerhalten gilt.» Die Einführung von Leistungslöhnen und die Verzögerung der Gehaltserhöhungen durch kleinere und mehr Lohnstufen sei deshalb ein «Frontalangriff» auf die Lohnentwicklung der Lehrpersonen und auf deren Berufszufriedenheit. Die Lehrpersonen würden sich heutzutage in ihrer Arbeit stark engagieren in teilweise 50- bis 60-Stunden-Wochen. «Die Arbeit mit Menschen ist sehr anspruchsvoll, und die meisten Lehrerinnen und Lehrer identifizieren sich massiv mit ihrem Beruf», ist Kurth überzeugt – und verweist auf die Ergebnisse der externen Schulevaluation von 2014/15. In dem Bericht ist zu lesen, dass sich von den 1111 schriftlich befragten Schülerinnen und Schülern im Kanton Zug 94 Prozent an ihrer Schule wohl fühlen. Auch sind 92 Prozent der Eltern mit der Schule und 94 Prozent mit den Lehrpersonen ihres Kindes zufrieden. Zudem fühlen sich die allermeisten Lehrpersonen (97 Prozent) in ihrem Kollegium wohl.

Schleiss: «Es gibt klügere Wege»

Ob es sinnvoll ist, über Lohnfragen bei Lehrern nachzudenken, gibt Bildungsdirektor Stephan Schleiss zu bedenken. «Die Motionäre zielen laut eigenen Aussagen zwar nur auf eine Flexibilisierung der gemeindlichen Anstellungsbedingungen und nicht auf die Saläre der Lehrpersonen.» Aus diesem Grund – und vor allem auch, weil es um gemeindliche Angestellte geht – seien die Stellungnahmen der Gemeinden besonders wichtig. Der Zuger SVP-Regierungsrat stellt aber klar: «Es gibt in meinen Augen klügere und nachhaltigere Wege, um die Kosten im Bereich der Volksschule zu senken, falls man muss. Vor allem ist eine Gesamtsicht wichtig, bevor man beginnt, an einer Schraube zu drehen.» Für John Hattie, in der Bildungsforschung laut Schleiss der Mann der Stunde, gehören Leistungslöhne für Lehrpersonen zu den klassischen Fehlinvestitionen im Bereich der Schulentwicklung. Er behaupte das nicht nur, sondern habe Hunderte von Studien zum Thema analysiert. «Was er prüfenswert findet, sind höhere Löhne für Lehrpersonen, die sich pädagogisch und didaktisch weiterbilden, Lehrer bleiben und gleichzeitig ihr Wissen an Kollegen weitergeben. Das wären dann Erfahrungslöhne.»

Gemäss Bildungsdirektor Stephan Schleiss ist der Lohn selbstverständlich ein wichtiges Kriterium, um gute Leute für den Lehrerberuf zu gewinnen. «Die Löhne in der Volksschule sind aber nicht so, dass der Lohn das ausschlaggebende Kriterium sein kann. 125 000 Franken nach 25 Jahren als Primarlehrer, da gibt es halt auch Leute, die sich für einen anderen Beruf oder eine höhere Schulstufe entscheiden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.