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ZUG: LGBT-Verein: Hier ist anders ganz normal

Der Verein Prisma will Jugendlichen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung eine Plattform für den Austausch bieten – und das Thema in der Gesellschaft zu einer Selbstverständlichkeit machen.
Julian Koller
Mara Labud (Zweite von links) ist Mitbegründerin des Jugendvereins Prisma, der sich an der Pride in Zürich engagieren will. (Bild: Maria Schmid (Zug, 19. Mai 2017))

Mara Labud (Zweite von links) ist Mitbegründerin des Jugendvereins Prisma, der sich an der Pride in Zürich engagieren will. (Bild: Maria Schmid (Zug, 19. Mai 2017))

Julian Koller

redaktion@zugerzeitung.ch

«Lesbisch, schwul, bi, trans oder sonst 08.16?». Das steht auf dem Flyer der Zuger Lesbian, Gay, Bi, Trans (LGBT) Jugendorganisation «Prisma», die es seit August 2016 gibt. Ziel sei, für diese Jugendlichen eine Austauschplattform zu schaffen, auf der sie sich selbst sein können beziehungsweise entdecken können, wer sie überhaupt sind. Im Monatsrhythmus trifft man sich zu diesem Zweck im Laden für Soziokultur an der Kirchenstrasse 7 in der Stadt Zug. Die Treffen stehen jedem Angehörigen der LGBT-Szene, ob geoutet oder nicht, offen.

Am vergangenen Freitagabend ist der Laden für Soziokultur gut besucht. Was dieses Treffen von den anderen Prisma-Veranstaltungen unterscheidet: Heute ist jeder willkommen, auch heterosexuelle, die der Szene einen Besuch abstatten wollen. Gemeinsam mit den ständigen Mitgliedern designen sie Plakate auf Regenbogengrund mit Slogans wie: «I am queer and I am here.» Was so viel heisst wie «Ich bin anders, und ich bin hier». An diesem Abend werden Plakate für die Veranstaltung Pride in Zürich gestaltet. Das Festival, bei dem das Thema LGBT im Fokus steht, findet am 10. Juni statt. An den Wänden an der Kirchenstrasse hängen Umgangstipps für verunsicherte Aussenstehende. Der wichtigste davon lautet: «Wir wollen keine Sonderbehandlung.» Das gemeinsame Ziel sei ja schliesslich, ganz normal behandelt zu werden.

Das Recht, anders zu sein

Prisma ist eine Organisation von Jugendlichen für Jugendliche. Die Kantonsschülerin Mara Labud aus Oberägeri ist Mitbegründerin von Prisma und Mitorganisatorin des Events. «An diesem Ort geht es vor allem darum, dass ‹08.16-Jugendliche› einmal sich selbst sein können, ohne immer herausstechen zu müssen», sagt sie. Allerdings habe bisher der Vorstand den finanziellen Aspekt grösstenteils selbst übernommen. Nun bewerbe man sich um gemeindliche Unterstützung, was Prisma neue Wege eröffnen würde. «Zum Beispiel könnte man dann auch Ausflüge mit den Leuten machen. Oder etwas Öffentliches organisieren wie eine Filmvorstellung mit anschliessender Diskussion. Letztendlich würde man so natürlich schon mehr Leute erreichen.»

Unter den Mitgliedern wird die Arbeit der Organisatoren hochgeschätzt. So auch von Sam Müller aus Oberägeri. Sie ist ebenfalls Kantonsschülerin und regelmässige Besucherin der Treffen. «Als ich selbst entdeckt habe, dass ich nicht ganz 08.15 bin, gab es Prisma leider noch nicht, aber ich bin sicher, dass mir diese Plattform die Sache damals extrem erleichtert hätte.» Müller findet, dass es in Zug mehr Engagement aus der alternativen Szene brauche, denn das führe in der Regel auch zu mehr Akzeptanz. «Im Moment sind die Leute hier zum Teil noch recht kleingeistig. Es ist für mich das Traurigste überhaupt, wenn ich sehen muss, wie Leute im Zug auf dem Nachhauseweg von der Pride-Veranstaltung die Regenbogensticker von ihren Handys entfernen, weil sie Angst haben müssen, zu Hause wieder schief angesehen zu werden.» Das sei allerdings nicht nur in Zug so, sondern an den meisten Orten in der Schweiz. «Als ich in England war, glaubte man mir fast nicht, dass wir in der Schweiz nicht heiraten dürfen», erzählt Müller. «Man hatte von der Schweiz bis anhin ein Bild als sehr fortschrittliches Land.»

Gibt bereits eine «Verbesserung»

Zwischendrin hält Mara Labud noch eine Ansprache zur Haltung der Gesellschaft zur LGBT-Gemeinschaft. Sie betont, die Si­tuation sei viel besser als früher, aber eben noch nicht gut. «Wir wollen nicht, dass unsere Rechte in der Öffentlichkeit eine kontroverse Diskussion darstellen, sondern selbstverständliche Menschenrechte», sagt sie.

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