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ZUG: Lohngleichheit: Grüne machen doppelt Druck

Die Alternative-die Grünen fordern den Zuger Regierungsrat auf, die Charta des Bundes zu unterschreiben. Der Kanton erachtet dies jedoch nicht als nötig.
Samantha Taylor
Gemäss der Gewerkschaft Unia bezahlen Frauen den höchsten Preis für die Rentenreform. Die Delegierten fordern daher eine Volksinitiative für Lohngleichheit. (Symbolbild) (Bild: Keystone/EPA MTI/BEA KALLOS)

Gemäss der Gewerkschaft Unia bezahlen Frauen den höchsten Preis für die Rentenreform. Die Delegierten fordern daher eine Volksinitiative für Lohngleichheit. (Symbolbild) (Bild: Keystone/EPA MTI/BEA KALLOS)

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Im öffentlichen Sektor oder in Firmen, die Aufträge aus dem öffentlichen Sektor erhalten, sollen Männer und Frauen gleich viel verdienen. Das will der Bundesrat. Um Kantons- und Gemeindeverwaltungen sowie genannte Firmen zur Lohngleichheit zu verpflichten, hat der Bundesrat vor etwas mehr als einem Jahr eine Charta präsentiert. Bis heute haben 12 Kantone und 24 Gemeinden diese Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor unterschrieben. Keine Notwendigkeit das Papier zu unterzeichnen, sieht der Kanton Zug.

Dies sehr zum Missfallen der Alternative-die Grünen (ALG). Sie haben zum Thema deshalb gleich mehrere Vorstösse eingereicht. Mit ihrer Petition, die sie vor knapp einer Woche lanciert haben, wollen sie den Regierungsrat auffordern, die Charta für Lohngleichheit im öffentlichen Sektor zu unterschreiben. Weiter sollen «erforderliche Massnahmen» zur Schaffung von Lohngleichheit eingeleitet und schliesslich im Kanton erneut eine Gleichstellungskommission eingesetzt werden. Die Kommission wurde im Kanton aufgehoben. Nach einem langen Hin und Her und einer Rüge des Bundesgerichtes hat der Regierungsrat im Dezember eine Verordnung und einen Massnahmenplan zur Gleichstellung von Frau und Mann verabschiedet.

Sammlung läuft bis Ende November

In einem ebenfalls eingereichten Postulat fordert die ALG den Regierungsrat auf, die Charta zu unterzeichnen. Ob das Postulat an den Regierungsrat überwiesen wird, entscheidet sich an der Kantonsratssitzung vom 30. November. Bis zu diesem Zeitpunkt will die ALG auch noch Unterschriften für die Petition sammeln. Bisher sind laut Parteipräsident Andreas Lustenberger rund 200 Unterschriften zusammengekommen. «Die Reaktionen auf unser Anliegen waren bisher durchwegs positiv», so Lustenberger. Viele Leute seien sehr erstaunt gewesen, dass Frauen und Männer auch heute noch nicht gleich viel verdienten – sogar im öffentlichen Sektor. «Viele waren froh, dass es diese Charta gibt und man so etwas dagegen tun kann», sagt Lustenberger. Die ALG selbst ist der Meinung, dass sich der Kanton diesem Thema nicht einfach verschliessen könne. «Er muss hier mit gutem Beispiel vorangehen und eine Vorbildfunktion übernehmen – auch für den privaten Sektor.» Die Unterzeichnung der Charta sei eine gute und einfache Möglichkeit, etwas gegen Lohnungleichheit zu tun. Und dies nicht nur in der Verwaltung, wie Lustenberger betont. «Betroffen von einer Überprüfung und Massnahmen sind bei einer Unterzeichnung ja auch Organisationen und Unternehmen, die Aufträge aus dem öffentlichen Sektor erhalten. Gerade dieser Punkt erscheint uns sehr wichtig», so Lustenberger.

Beim Kanton kein Thema

Der Parteipräsident hofft, dass der Druck aus der Öffentlichkeit, der durch die Petition entsteht, sowohl den Kantonsrat zu einer Überweisung des Postulats als auch den Regierungsrat zu einem Umdenken bewegt. Ob dies jedoch eintrifft, ist fraglich. Erst vor einem knappen Monat äusserte sich nämlich Finanzdirektor Heinz Tännler in der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens zum Thema und stellte fest, dass die Unterzeichnung der Charta unnötig sei. «Wir haben im Kanton Zug eigentlich keine Probleme, was Lohngleichheit anbelangt», sagte Tännler. Es gebe pro Jahr auch «kaum Klagen». Der Finanzdirektor räumt jedoch gleichzeitig ein, dass eine Überprüfung bezüglich der Lohngleichheit bisher nicht stattgefunden habe. Eine solche sei nicht nötig, so Tännler. Lustenberger will diese Argumentation nicht gelten lassen. Denn die Statistik sage etwas anderes. «Frauen verdienen auch in den öffentlichen Verwaltungen noch immer weniger als Männer. Dass Zug da als einziger Kanton anders sein sollte, kann ich mir schlicht nicht vorstellen.»

Stadt hat Charta unterschrieben

Anders als der Kanton Zug verhält sich die Stadt Zug. Sie hat die Charta vor wenigen Tagen unterzeichnet. Die öffentliche Hand habe in der Förderung der Lohngleichheit eine Vorbildfunktion, heisst es in einer Mitteilung des Stadtrates. Mann und Frau hätten gemäss Bundesverfassung Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, sagt dazu Stadtpräsident Dolfi Müller. «Die Realität ist aber, dass Frauen auch in der Schweiz nach wie vor benachteiligt werden.» Das Bekenntnis zur Lohngleichheit lebe man in der Stadt Zug bereits heute, betont Müller abschliessend. Andreas Lustenberger erhofft sich durch die Unterschrift der Stadt eine Wirkung für den Kanton: «Vielleicht war genau das der Türöffner.»

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