ZUG: Manuela Weichelt-Picard: «Ich freue mich auf die hoffentlich spannenden Begegnungen»

Gestern fand die letzte Regierungsratssitzung des Jahres statt. Sie wurde noch von Landammann Heinz Tännler geleitet. Im neuen Jahr wird Manuela Weichelt-Picard das Gremium und die Sitzungen leiten. Schon heute gibt sie einen Einblick, wie sie das tun will.

Charly Keiser
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Manuela Weichelt beim Fest auf dem Landsgemeindeplatz, das am letzten Freitag zu Ehren ihrer Wahl gefeiert wurde. (Bild: Stefan Kaiser)

Manuela Weichelt beim Fest auf dem Landsgemeindeplatz, das am letzten Freitag zu Ehren ihrer Wahl gefeiert wurde. (Bild: Stefan Kaiser)

An der gestrigen letzten und ausserordentlichen Regierungsratssitzung des Jahres überreichte Landammann Heinz Tännler den Taktstock, den er vor zwei Jahren von Beat Villiger bekommen hatte, Manuela Weichelt.

Ab Neujahr leitet nämlich die 49-Jährige die Regierungsratssitzungen – und dies dann die nächsten zwei Jahre. Zum zweiten Mal nach Brigitte Profos in den Jahren 2005 und 2006 steht damit eine Frau der Exekutive des Kantons Zug vor.

Feiern in Risch und Zug

Frau Landammann hat aufregende Tage hinter sich: Nach der Wahl vom letzten Donnerstag bedankte sie sich im Parlament für das Vertrauen und zeigte auf, wo ihre politischen Schwerpunkte sind und was ihr besonders am Herzen liegt (Ausgabe vom 16. Dezember).

Am gleichen Abend wurde der neu gewählte Kantonsratspräsident Daniel Burch in Risch gefeiert – mittendrin Manuela Weichelt, die neue Chefin des Regierungsrats. Am letzten Freitag folgte die traditionelle Landammannfeier, an der Manuela Weichelt sich auf dem Landsgemeindeplatz ans Volk wandte und danach dann im alten Kantonsspital mit den geladenen Gästen gefeiert wurde.

«Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die grossen Herausforderungen unserer Zeit nicht mit kleinkariertem Parteigeplänkel lösen lassen, sondern nur, indem wir uns alle am Gemeinsamen orientieren, an unseren Werten. Leider sind in den letzten 20 Jahren Werte im politischen Alltag allzu oft in Vergessenheit geraten», betont Manuela Weichelt. Bei der Solidarität gehe es ihr darum, dass kein Mensch im Kanton Zug aufgrund seines Alters, seiner Nationalität, seiner Finanzkraft, seiner Religion, seines Geschlecht oder seiner Weltanschauung ausgegrenzt oder benachteiligt werden dürfe. «In der Präambel zu unserer Bundesverfassung steht ‹... und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen ...›. Davon bin ich wirklich überzeugt.» Auch Richard von Weizsäcker, der ehemalige deutsche Bundespräsident, habe gesagt: Nur eine solidarische Welt könne eine gerechte Welt und friedvolle Welt sein. «Dieses Zitat kann ich doppelt unterschreiben.»

Wie schon in ihren Reden betont Weichelt: «Toleranz heisst für mich keinesfalls ‹laisser faire› oder ‹jeder kann machen, was er will›. Nein, Toleranz ist für mich das ehrliche Interesse am Gegenüber. Und zwar nicht an dem, was uns trennt, sondern an dem, was uns verbindet.» Dieses Verständnis von Toleranz sei positiv und entfalte eine unglaubliche Kraft. In diesem Sinn sei für sie Intoleranz ein «No-Go». In der Politik bedeute Toleranz, dass man die Weltsicht und die Werte der politischen Andersdenkenden respektiere – auch wenn man sie nicht teile.

«Ich war einfach nur begeistert»

Wie ist die Gefühlslage bei der designierten Frau Landammann? «Ich war einfach nur begeistert von der Stimmung im Saal, den lachenden, sich amüsierenden und sich höchst angeregt unterhaltenden Gästen», beschreibt Weichelt, wie sie das Fest erlebt hat. Ambiente, Essen, Trinken, Darbietungen und Reden seien einfach rundum gelungen. «Die geistreichen, witzigen und auch sehr wertschätzenden Ansprachen von alt Landammann Hanspeter Uster und unserem Fraktionspräsidenten Anastas Odermatt gaben dem Abend einen gehaltvollen intellektuellen Rahmen.» Es sei auch nicht alltäglich, dass sie eine politische Feier zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern begehen könne, ergänzt Weichelt und betont: «Es war ein Moment des Glücks, den ich mit vielen mir wichtigen Menschen teilen durfte.» Die Feier sei hervorragend organisiert gewesen, und sie danke noch einmal allen Verantwortlichen der Stadt Zug. Danken wolle sie aber auch den Gastgebern, dem Türkischen und dem Serbischen Verein. «Die Feier stand ganz im Zeichen meiner Werte: Solidarität, Toleranz und Vielfalt.»

Sie freue sich sehr auf die kommenden zwei Jahre, verrät Frau Landammann Manuela Weichelt. «Ich bin mir aber auch der Verantwortung bewusst, die dieses Amt mit sich bringt. In meiner Ansprache auf dem Landsgemeindeplatz sagte ich, dass ich eine Frau Landammann für alle Zugerinnen und Zuger sein werde. Dieses Versprechen werde ich einlösen. Ich freue mich auf die hoffentlich zahlreichen und spannenden Begegnungen.»

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch