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ZUG: Matthias Michel stellt sich vors Crypto Valley

Die Euphorie in Bezug aufs Zuger Crypto Valley, also die diversen Firmen, die sich in der Region niederliessen, um Kryptowährungen wie Bitcoin herauszugeben oder zu handeln, war gross. Doch zuletzt gab es vermehrt Kritik. Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel bezieht Stellung.
Matthias Michel, Regierungsrat Zug: «Gerade das Investieren in Bildung erscheint mir ein besonders wichtiger Nachhaltigkeitsfaktor zu sein.» (Bild: Stefan Kaiser)

Matthias Michel, Regierungsrat Zug: «Gerade das Investieren in Bildung erscheint mir ein besonders wichtiger Nachhaltigkeitsfaktor zu sein.» (Bild: Stefan Kaiser)

Exemplarisch für die Kritik ist der Fall der Blockchain-Unternehmung Tezos. Die Eigentümer wollten eine eigene Kryptowährung mit Namen Tezzie schaffen. Dazu haben sie im steuergünstigen Delaware (USA) eine Firma gegründet, welche die Rechte an der Technologie hält. Diese ist aber noch gar nicht funktionstüchtig. Trotzdem nahmen sie bereits über einen ICO, wie eine digitale Finanzierungsrunde in der Kryptoszene genannt wird, 232 Millionen Dollar ein. Das Geld floss an eine in Zug domizilierte Stiftung. 20 Millionen bezogen die Eigentümer davon als Bonus. Solche Finanzierungsrunden und ihre möglichen Auswirkungen haben nun auch die Finma auf den Plan gerufen (wir berichteten). Unter anderem geht es darum, ob Bestimmungen zur Bekämpfung der Geldwäscherei oder Bestimmungen des Bankenrechts verletzt werden. Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel bezieht Stellung zum potenziellen Risiko aus der digitalen Welt.

Glauben Sie, dass Zug mit seinem Crypto Valley aufpassen muss, nicht den guten Ruf als Finanzplatz aufs Spiel zu setzen, wenn sich zu viele undurchsichtige Firmen niederlassen und operieren?

Mit einer offenen Haltung gegenüber Innovationen war der Kanton Zug bisher erfolgreich und ist nun im Bereich der Blockchain-Technologie weltweit bekannt geworden – im positiven Sinn. Wenn es um Anwendungen dieser Technologie im Finanzbereich geht, kennt die Schweiz eine moderne Finanzmarktregulierung. Diese wird gerade im Kanton Zug dank der hier ansässigen grössten Selbstregulierungsorganisation (Verein für Qualitätssicherung für Finanzdienstleistungen; VQF) umgesetzt. Gepaart mit der Organisation der Branche in der Crypto Valley Association (CVA) wird die Branche greifbar und sorgt für Transparenz im Markt. Durch Hochschulinstitute wie beispielsweise das Institut für Finanzdienstleistungen und das in Rotkreuz angesiedelte Departement Informatik, wird die Entwicklung auch wissenschaftlich begleitet. Dieser Rahmen stärkt das Vertrauen in einen Standort und somit dessen Reputation. Damit verbunden ist, dass gewisse Risiken erkannt werden. So tragen Kryptowährungen sehr wohl das Risiko einer Blasenbildung in sich, wie es damals mit der Dotcom-Blase war, gerade weil im heutigen Umfeld Investoren intensiv nach neuen Anlagemöglichkeiten suchen. Entscheidend ist, was die Verkäufer von sogenannten Tokens mit dem Geld aus dem Verkauf Letzterer anstellen. Es gilt die Spreu vom Weizen zu trennen – hier ist die Aufmerksamkeit des Marktes gefragt.

Wie sehen Sie die Problematik der Regulierung? Ist das alleine Sache der Finma?

Aus Gründen der Reputation und des Rechtsstaates erachte ich es als wichtig, dass bestehende rechtliche Instrumente zur Anwendung kommen, wie die Finma das nun praktiziert. Die Kompetenz zur Regulierung im Wirtschafts- und Finanzrecht liegt beim Bund. Auf die Bedeutung des Zuger VQF, der wiederum von der Finma beaufsichtigt wird, habe ich hingewiesen.

Wie klären Sie ab, ob eine Firma seriös ist? Beispielsweise bei einer Firma oder dazugehöriger Stiftung, die sich in Zug niederlassen will?

Es ist eine generelle, schon seit jeher bestehende Aufgabe, dass Unternehmen, die sich in unserem Land und Kanton ansiedeln beziehungsweise hier Geschäfte betreiben, sich an die Gesetzgebung halten. Um nichts anderes geht es auch bei neuen Geschäftsfeldern rund um die Blockchain-Technologie. Die Voraussetzungen für die Eintragung ins Zuger Handelsregister gelten gleichermassen auch für diese Unternehmen und werden entsprechend geprüft. Auch alle strafrechtlichen Instrumente stehen zur Verfügung; Zug hat seit Jahren auch eine gut funktionierende Abteilung Wirtschaftskriminalität bei der Staatsanwaltschaft. Wir brauchen keine neuen Instrumente, umso mehr die bisher in den Medien erwähnten Vorwürfe oder befürchteten Missbräuche auch in angestammten Geschäftsbereichen vorkommen können und nicht kryptowährungsspezifisch sind. (lb)

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