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ZUG: Mehr Stiefkinder werden adoptiert

Die Zahl der Adoptionen ist in der Schweiz seit Jahren rückläufig – vor allem jene von Kindern aus dem Ausland. Bei Stiefkindern ist das anders. Das hängt laut Experten auch mit einer gesellschaftlichen Entwicklung zusammen.
Samantha Taylor
Nicht allen Paaren ist es vergönnt, Kinder zu haben (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE)

Nicht allen Paaren ist es vergönnt, Kinder zu haben (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE)

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Patchworkfamilien sind längst keine Seltenheit mehr. Bunt gemischt sind viele Familien mit Stiefeltern und Stiefkindern oder Halbgeschwistern. Paare, die Kinder bekommen, sind immer häufiger nicht verheiratet, und auch gleichgeschlechtliche Paare haben den Wunsch nach Kindern. Um all dem Rechnung zu tragen, wurde per 1. Januar das Adoptionsrecht überarbeitet. Das neue Gesetz vereinfacht die Adoption von Stiefkindern. Seit Anfang Jahr können nun nicht mehr nur verheiratete Paare die Kinder des anderen Partners adoptieren, sondern auch Paare die in einer eingetragenen Partnerschaft oder in einer faktischen Lebensgemeinschaft leben. Mit dieser Änderung ist es also auch gleichgeschlechtlichen Paaren möglich, Stiefkinder zu adoptieren. Bisher ging das nicht. Denn in der Schweiz ist die Ehe noch immer heterosexuellen Paaren vorbehalten. Homosexuelle Paare können ihre Partnerschaft eintragen lassen.

Die neue Möglichkeit, dass auch zwei Männer oder zwei Frauen Stiefkinder adoptieren dürfen, wird im Kanton Zug bereits genutzt. Laut der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) hat es seit Anfang Jahr ein Adoptionsgesuch eines gleichgeschlechtlichen Paares gegeben. «Das Paar möchte zwei Kinder, je ein Kind des Partners adoptieren», sagt Amtsleiterin Gabriella Zlauwinen.

Aktuell laufen 13 Verfahren

Grundsätzlich stellt man bei der Zuger Kesb fest, dass die Zahl der Stiefkindadoptionen in den vergangenen Jahren zugenommen hat, hingegen jene von unbekannten Kindern aus dem Ausland rückläufig ist. So gab es beispielsweise 2017 im Kanton vier Stiefkindadoptionen. Kinder aus dem Ausland wurden zwei adoptiert; 2016 war es nur eine Ausland­adoption gegenüber ebenfalls vier Stiefkindadoptionen. Aktuell laufen im Kanton 13 Stiefkind-Adoptionsverfahren. In der ganzen Schweiz gab es laut Bundesamt für Statistik 2016 total 363 Adoptionen. Zwei Drittel davon waren Stiefkindadoptionen. Die Tendenz dürfte sich in den nächsten Jahren weiter verstärken. Einerseits wird das neue Gesetz dazu beitragen. Andererseits, so sagt Zlauwinen, hänge dies auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. «Es gibt eine generelle Zunahme von Patchwork-Familien.»

Seit Jahren auf tiefem Niveau liegen übrigens die Inlandadoptionen von unbekannten Kindern. Dies, da in der Schweiz heute nur noch wenige Frauen ihre Kinder zur Adoption freigeben.

Verfahren kann mehrere Jahre dauern

Kinder zu adoptieren, scheint aber generell nicht mehr sehr im Trend zu sein. Dies zeigen die Zahlen des Bundes. So gab es 1980 noch 1583 Adoptionen, 1995 waren es noch 1030 und im Jahr 2000 noch 875. Ein Grund dafür, der vor allem die Adoptionen aus dem Ausland beeinflusst, ist eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 1993, das sogenannte Haager Adoptionsübereinkommen. Dieses erschwert die Vermittlung von Waisenkindern aus dem Ausland, weil es festhält, dass eine Adoption ins Ausland nur dann möglich ist, wenn sich kein Platz im Herkunftsland des Kindes finden lässt.

Die Adoption eines unbekannten Kindes aus dem Ausland nimmt zudem einiges an Zeit in Anspruch. Laut Zlauwinen muss mit mindestens einem Jahr gerechnet werden. «Es kann keine exakte Dauer des Verfahrens angegeben werden, da diese davon abhängig ist, wann ein Kindervorschlag eintrifft.» Dies könne von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren dauern.

Ein Stiefkind zu adoptieren, ist auf der anderen Seite einiges einfacher. Das Kind sei bereits bekannt, es existiere schon eine Beziehung zwischen Kind und Erwachsenen. «Die Abklärungen, ob die Adoption dem Kindswohl entspricht, sind einfacher und weniger komplex», erklärt Gabriella Zlauwinen. Entsprechend ist in diesen Fällen auch das Verfahren einiges kürzer. Die Kesb rechnet für den Prozess mit rund einem halben Jahr.

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