ZUG: Mit Tricks gegen Zwangsheiraten

Zurzeit laufen die Drähte der Zuger Anlaufstelle gegen Zwangs­heiraten heiss. Von hier aus werden zum Teil gefährliche Rettungsaktionen eingeleitet.

Rahel Schnüriger
Drucken
Teilen
Wer jemand zu einer Heirat zwingt, kann zu einer Strafe von bis zu fünf Jahren verurteilt werden (Symbolbild). (Bild: Neue LZ)

Wer jemand zu einer Heirat zwingt, kann zu einer Strafe von bis zu fünf Jahren verurteilt werden (Symbolbild). (Bild: Neue LZ)

Die meisten Menschen freuen sich auf die langen Sommerferien, die vor der Tür stehen. Doch nicht allen geht es so: Denn manchen droht die Zwangsverheiratung während der Ferien. So zum Beispiel einem erst 14-jährigen Mädchen, das in den Sommerferien in seine Heimat Sri Lanka reisen soll, um die von den Eltern erzwungene Heirat zu vollziehen.

Knapp 350 Fälle

Die Beratungsstelle «zwangsheirat.ch» mit Sitz in Zug erhält in den letzten Wochen vor den Sommerferien fast doppelt so viele Anfragen wie normalerweise – auch aus der Zentralschweiz. «Immer vor den Sommerferien herrscht Hochsaison», sagt Anu Sivaganesan, Leiterin von «zwangsheirat.ch». Für jede der betroffenen Personen versuchen die kostenlos tätigen Berater eine Lösung zu finden. In erster Linie bedeutet dies, die geplanten Sommerferien mit einigen Tricks zu verhindern. Im Fall des 14-jährigen Mädchens könnte die Lösung folgende sein: Da seinen Eltern Bildung über alles geht, soll es statt in die Ferien in einen von der Schule empfohlenen Sprachaufenthalt fahren. Im Notfall greift «zwangsheirat.ch» auf Nichtregierungsorganisationen vor Ort zurück, die zur Rettung, wie zum Beispiel Fluchthilfe, beitragen können. «Diese Aktionen sind aber meist gefährlich», sagt Sivaganesan.