Medizingeschichte aus dem Zuger Boden

Die neuste Ausstellung des Museums für Urgeschichte zeigt, wie sich das Bewusstsein rund um das Thema Gesundheit entwickelt hat.

Nils Rogenmoser
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Rolf und Madlaina Zimmermann bei einem Experiment für Kinder. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 17. November 2019)

Rolf und Madlaina Zimmermann bei einem Experiment für Kinder. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 17. November 2019)

Kälte und Regen sind ideale Voraussetzungen für einen sonntägigen Museumsbesuch – das Wetter hätte am Eröffnungstag der neuen Ausstellung «Gesundheit! – 7000 Jahre Heilkunst» nicht besser sein können. Auch thematisch kommt die Ausstellung passend zur Jahreszeit daher – der Start der Erkältungssaison steht unmittelbar vor der Tür.

Am Vormittag findet vis-à-vis des Museums für Urgeschichte die offizielle Vernissage statt. Nach der Begrüssung erhebt Stephan Schleiss, Vorsteher der Direktion für Bildung und Kultur, das Wort. Er erläutert, dass die Gesundheit im heutigen gesellschaftlichen Diskurs ein omnipräsentes Thema sei und betont, dass dies vor tausenden von Jahren die Menschen schon im gleichen Masse beschäftigt hat: «Funde belegen, dass bereits in der Steinzeit umfassende Kenntnisse der Natur vorhanden waren. Diese wurden dann über Generationen mündlich weitergegeben.»

Von Schädeloperationen und Fischbandwürmern

Schleiss spricht den lokalen Charakter der Ausstellung an: «Ausgestellt wird unter anderem ein Schädel einer Zuger Frau, die im 18. Jahrhundert gelebt und sich sechs Schädeloperationen unterzogen hat. Weiter belegen Funde, dass die Leute in Zug am Fischbandwurm erkrankten, der durch ungenügend gekochten Fisch entstand.»

Ebbe Nielsen von der Kantonsarchäologie Luzern informiert, dass die Originalausstellung 2018 im Naturmuseum Luzern stattgefunden habe: «Es erfüllt uns mit Stolz, nun hier in einem derart renommierten Museum ausstellen zu dürfen.» Auch Dorothea Hintermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums für Urgeschichte und Ausstellungskuratorin, beteuert ihre Freude über die gelungene Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie Luzern und den sonstigen Mitwirkenden: «Die Ausstellung schien mir sogleich passend für unser Museum.» Die Originalausstellung habe man mit Zuger Objekten ergänzt: «Jahrhundertealte Pfirsiche oder Kirschen, die bei Cham-Hagendorn gefunden worden sind, oder ein Stück Birkenteer, der als einer der ältesten Kaugummis gilt, sind ausgestellt.» Stolz sei Hintermann darüber, dass die Ausstellung in Deutsch und in Englisch daherkomme.

Von den Pfahlbauern bis in die Neuzeit

Nach der Vernissage strömen die Besucher ins Museum, wo auch ein Apéro bereitsteht. Während es Platz für interaktives und spielerisches Lernen gibt, sind an den Wänden Artefakten und schriftliche Dokumente zu betrachten. Hintermann erläutert: «Wir versuchen, aufzuzeigen, welche Antworten die Archäologie auf die Geschichte der Medizin der letzten 7000 Jahre geben kann. Es bleibt natürlich bei einer Annäherung und keiner lückenlosen Geschichtsdarstellung.» Die Ausstellung umfasst die Zeit der Pfahlbauer, die römische Epoche sowie das Mittelalter und die Neuzeit.

Werner von Wyl ist begeistert von der Ausstellung: «Ein Besuch ist für einen Zuger jeder Altersklasse ein Muss. Wir sind uns gar nicht mehr bewusst, welche Geschichte unser Boden beinhaltet. Die Ausstellung ist nicht nur anschaulich, sondern auch fachlich hochkompetent und die Informationen kurz und knapp auf den Punkt gebracht.»