ZUG: Musikverbot sorgt für Misstöne bei Kindern und Eltern

Zum zweiten Mal macht ein Fussballcamp in der Herti mehr als 100 junge Fussballer glücklich – obwohl es heuer einen Wermutstropfen gibt.

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Noch bis morgen trainieren 105 Buben und Mädchen im Zuger Fussballcamp. (Bild Stefan Kaiser)

Noch bis morgen trainieren 105 Buben und Mädchen im Zuger Fussballcamp. (Bild Stefan Kaiser)

Seit Montag und noch bis morgen jagen, jonglieren und köpfeln 5 bis 16 Jahre alte Buben und Mädchen Bälle in der Herti Allmend. Dies beim Zuger Fussballcamp, das im letzten Jahr erstmals stattgefunden hat. Zum ersten, aber auch zum letzten Mal konnten die Organisatoren im Vorjahr das sogenannte Animationsprogramm durchführen. Dabei wurde jeweils am Morgen und nach der Mittagspause Musik eingespielt, zu der sich die Kinder spielerisch aufwärmten und zum Teil tanzten.

«Leider könnten wir in diesem Jahr keine Musik mehr laufen lassen, denn die Stadt hat uns das verboten.» Dies habe der Cheftrainer bei der Begrüssung den Kids und deren Eltern eröffnet, erzählt ein verärgerter Vater, dessen Sohn bei Zug 94 spielt.

Zahlreiche Reklamationen

Thomas Felber, Leiter Sport beim Stadtzuger Sportamt, bestätigt: «Wir hatten im letzten Jahr Reklamationen wegen der Musik, die offenbar jeweils abgespielt worden ist.» Entscheidend sei die Benutzerordnung, erklärt Felber, der selber auch aktiv Fussball spielt. In der Ordnung sei ganz klar erwähnt, dass die Lautsprecheranlage auf den Fussballplätzen nur in Absprache mit dem Anlagewart benutzt werden dürfe. «Und dass das Abspielen von Musik über Verstärker untersagt ist.» Das sei der ausschlaggebende Punkt, ergänzt Felber. «Die Organisatoren haben im letzten Jahr gegen die Benutzerordnung verstossen.»

Es seien während des ersten Camps viele Anrufe aus dem Herti-Quartier reingekommen, wiederholt Felber und verrät: «Die Anwohner kennen die Benutzerordnung in- und auswendig.» Sobald etwas gemacht werde, das den Regeln widerspreche, werde sofort reklamiert. «Darum haben wir auch aktiv reagiert und mit dem Anlagewart und dem Veranstalter Kontakt aufgenommen. Wir haben ihnen gesagt, dass sie ganz besonders darauf achten müssen, dass keine Musik mehr abgespielt wird. Nicht dass wir die Leute im Herti-Quartier noch mehr sauer machen.»

Eine Bewilligung für das Abspielen von Musik erteile die Stadt grundsätzlich nicht, antwortet Felber auf die entsprechende Frage. Es seien lediglich Durchsagen erlaubt. Es könne zwar gut sein, dass bei der Streethockey-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr eine Ausnahmebewilligung erteilt werde. Doch möglich sei dies höchstens bei Grossanlässen und mit einem offiziellen Bewilligungsverfahren. Natürlich würden die Anwohner in so einem Fall informiert.

«Wenn jemand neben einer Sportanlage wohnt, muss er mit dem Lärm leben, den der Sport verursacht. Aber zusätzlich mit Musik müssen die Anwohner natürlich nicht rechnen», macht Felber klar und verrät, dass es sich bei der Lautsprecheranlage im Fussballstadion Herti um eine normierte Dezibel-Anlage handle. «Diese kann in Absprache mit unserem Anlagewart genutzt werden. Das heisst: Für das Abspielen der Nationalhymne bei einem Länderspiel wie jenem der Fussball-Frauen vor einer guten Woche kann die Lautsprecheranlage im Stadion Herti problemlos genutzt werden.»

Grundsätzlich gebe es sehr wenig Reklamationen wegen der Sportanlagen, sagt Thomas Felber. «Wenn ich fünf pro Jahr bekomme, ist das viel.» Der Grund sei wohl, dass die Vereine genau wüssten, was erlaubt sei und was nicht. Die Leute in der Herti seien im Generellen kulant, ergänzt er. «Man kennt sich zum Teil gar mit Namen, denn Zug ist ja keine Grossstadt. Da reklamiert kaum jemand grundlos.»

Stadt hatte kein Musikgehör

Im letzten Jahr sei schon ein wenig übertrieben worden, gibt Doris Keller vom Veranstalter Zug 94 offen zu. «Wir fragten bei der Stadt nach und hätten gerne einen Kompromiss erzielt. Doch die Stadt hat Nein gesagt.» Das sei schade, sagt Keller. «Denn die Musik gehört eigentlich zum Konzept. Wir haben einmal nachgefragt, und nach dem Nein war die Sache für uns gegessen.» Für Zug 94 sei eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt sehr wichtig, betont Keller. «Wir sind dankbar und froh, dass wir die Fussballanlagen benützen dürfen.» 105 Kinder und 10 Trainer seien am diesjährigen Camp beteiligt, ergänzt Zug-94-Juniorenobmann Christian Volkart: «Und fast alle sind aus dem Kanton Zug.»

Zwar fänden Kinder und Eltern es schade, dass es in diesem Jahr kein Animationsprogramm mit Musik gebe, fügt Doris Keller an und relativiert: «Aber wir sind ja hier zum Fussballspielen. Und die Kinder kommen trotzdem jeden Tag gerne, obwohl keine Musik mehr läuft.»

Charly Keiser