ZUG: Musizieren macht Laune

Trompete, Geige oder Schlagzeug? Jeder zweite Schüler im Kanton spielt ein Instrument. Dabei geht es um mehr als nur den guten Ton.

Carmen Rogenmoser
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Eliane Grüter und Musikschullehrer Hanspeter Treichler während der Trompetenstunde. (Bild: Maria Schmid / ZZ)

Eliane Grüter und Musikschullehrer Hanspeter Treichler während der Trompetenstunde. (Bild: Maria Schmid / ZZ)

Do – re – mi – fa –so – la – ti – do: Wer kennt diese Abfolge nicht? Für viele ist sie der Inbegriff des Musikunterrichts in der Primarschule. Man gibt sich alle Mühe, aber ob das zweite do tatsächlich genau eine Oktave höher ist als das erste, ist eher Nebensache. Es ging um eine erste Annäherung daran, selber Musik zu machen. Plötzlich entstand aus einzelnen Tönen eine Melodie, aus einzelnen Rhythmen ergab sich ein Konzept.

In der ersten Primarklasse – und in vielen Gemeinden auch in der zweiten – gehört die musikalische Grundbildung zum Schulunterricht. Schon lange bedeutet dies aber nicht mehr, dass jedem Kind eine Blockflöte in die Hand gedrückt wird. «Der Musikschulunterricht trägt über die Vermittlung musikalischer Fähigkeiten und Fertigkeiten hinausgehend zur Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler bei», heisst es in der Broschüre der Zuger Kantonalen Musikschulkonferenz, kurz ZKMK.

Von A wie Akkordeon bis X wie Xylofon

Davon sind zahlreiche Eltern überzeugt – und nicht nur sie. Das zeigen konkrete Zahlen des ZKMK eindrücklich: Über 12000 Schüler nehmen an den verschiedenen gemeindlichen Musikschulen regelmässig Unterricht. Dazu gehören Musikschüler aller Stufen, angefangen bei der Primarschule über die Oberstufe bis zur Kantonsschule, aber auch jene, die bereits eine Berufsausbildung absolvieren, sowie Erwachsene. 320 Musiklehrer sind im ganzen Kanton angestellt. Sie unterrichten gemeinsam 4298 Unterrichtsstunden pro Woche.

«Über 50 Prozent der Schulkinder machen nach der musikalischen Grundbildung weiter», bestätigt Benno Auf der Maur nicht ohne Stolz. Er ist Präsident des ZKMK und Leiter der Musikschule Baar. Die Auswahl ist riesig: Rund 26 verschiedene Instrumente werden angeboten. Darunter finden sich geläufige wie etwa das Schwyzerörgeli und die Gitarre, aber auch aussergewöhnliche wie Panflöte oder Waldhorn. Immer mehr interessieren sich für das Singen und möchten ihre Stimme aus- und weiterbilden. Zu den Dauerbrennern gehören seit Jahren das Klavier, Streichinstrumente und eben die Gitarre. «Es ist schön, dass das eigentlich alte Instrumente sind», sinniert Daniel Neukom, er gehört ebenfalls zur Geschäftsleitung des ZKMK und ist Musikschulleiter in Steinhausen. «Gitarre ist für mich jedoch fast das meist unterschätzte Instrument», sagt Auf der Maur. «Die ersten paar Akkorde gelingen bald, doch dann muss man richtig dahinter.»

Eher weniger gefragt seien Instrumente wie Fagott, Oboe oder Horn, auch das schon seit jeher. «Es gibt einen grossen Zusammenhang mit der äusseren Welt», sagt Neukom. Der Musiker, der gerne philosophiert, muss bei diesem Ausdruck selber schmunzeln. Aber so sei es nun mal: Was in den Medien passiere, färbe ab. «Ein Ed Sheeran oder ein Bastian Baker beispielsweise stehen allein mit ihrer Gitarre auf der Bühne.» Das wollen die Kinder imitieren. «Vor 20 Jahren haben James Galway und Candy Dulfer für einen Boom bei der Querflöte beziehungsweise beim Saxofon gesorgt.» Das sei nun langsam vorbei.

Die Entscheidung fällt nicht allen leicht. Deshalb organisieren die Musikschulen Instrumententage. Dort können die Schüler die Instrumente ansehen und ausprobieren. Wofür sie sich entscheiden, ist zweitrangig. «Der Musikunterricht ist eine speziel­le Art der individuellen Förderung.» Der Musikschüler geniesst Einzelunterricht. «Manchmal begleiten Musiklehrer ihre Schützlinge zehn oder mehr Jahre», so Auf der Maur. Da entstehen enge Bindungen. Der Unterricht könne auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes zugeschnitten werden. «Der Sinn aber besteht in erster Linie darin, das Instrument zu beherrschen. Das ist ein komplexes Handwerk.» Um eins kommt man da nicht herum, früher wie heute: üben, üben üben. «Durch den Einzelunterricht merkt der Lehrer natürlich sofort, wenn nicht geübt wurde. Bescheissen liegt nicht drin», lacht Neukom.

Den Musikschulen geht es gut

Ensembles, Orchesterspiel, Jugendchor: Neben dem Einzelunterricht gibt es eine Menge Möglichkeiten, das Hobby gemeinsam mit anderen auszuleben. Von der Qualität der Musikschulen und ihrem Aufbau sind Auf der Maur und Neukom überzeugt. «Wir bilden die jungen Leute gut aus. Sie beherrschen ihr Instrument.»

Mit der Situation der Zuger Musikschulen sind die beiden grundsätzlich ebenfalls sehr zufrieden. «Wir sind davon weg­gekommen, den Musikunterricht zu organisieren, und können uns der Unterrichtsentwicklung widmen», sagt etwa Neukom. Natürlich müsse man immer auch ein Auge auf sich anbahnende Probleme haben, etwa wenn der Platz knapp wird, ergänzt Auf der Maur. So zum Beispiel bei der Musikschule der Stadt Zug (Ausgabe vom 29. September). Auch andere Musikschulen haben mit der Knappheit zu kämpfen. «Es kommt immer wieder vor, dass es Wartelisten gibt», weiss Auf der Maur. Für viele bedeutet der Unterricht an den Musikschulen den ersten konkreten Kontakt mit dieser Art der Kunst. Für Auf der Maur und Neukom gehört sie zum Leben wie das Atmen. Sie gehöre zu unserer Kultur, so Neukom: «Musik ist ein nicht messbares Kulturgut und trägt den Wert in sich.»

Carmen Rogenmosercarmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch