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ZUG: Nachträgliches Geschenk

Die Musik ist für Sales Kleeb lebenswichtig. Jetzt gibt es über sein enormes Engagement ein modernes Zeitdokument – auf einer App.
Monika Wegmann
Sales Kleeb erzählt über 100 Geschichten. (Bild Werner Schelbert)

Sales Kleeb erzählt über 100 Geschichten. (Bild Werner Schelbert)

Wenn man von Sales Kleeb spricht, denkt man sofort an den Zuger Musikschulpionier. Er hat die Schule über 25 Jahre geleitet und umorganisiert – und zwar so, dass sie zu einer schweizweit beachteten Institution wurde. «Als ich 1967 dort begann, lief der Betrieb eher behelfsmässig ab. Es gab vier Musiklehrer, später waren es 60 bis 70, und heute besuchen über 2000 Kinder und Jugendliche die Musikschule», berichtet der 83-jährige Sales Kleeb stolz. Der Grund für seine Wahl als Musikschulleiter sei damals der gute Ruf der Kadettenmusik der Stadt Zug gewesen, die unter seiner Leitung im In- und Ausland Erfolge feierte (siehe Box). Schelmisch lächelnd sagt er: «Die Behörden haben mich genötigt, daneben die Leitung der Musikschule zu übernehmen.» Von Anfang an habe er, was heute selbstverständlich ist, Wert auf eine qualifizierte Ausbildung der Lehrer und Schüler gelegt. Noch heute freut er sich darüber, dass viele seiner Instrumentalschüler später Berufsmusiker geworden sind. Die Zuger Musikschule habe mit ihrem guten Ruf als Beispiel für andere Gemeinden gedient, nur Baar habe bereits eine Musikschule geführt.

Dass erstmals Mädchen in die Kadettenmusik aufgenommen wurden, ist ebenfalls Sales Kleeb zu verdanken, der sich gerne daran erinnert: «Dafür gab es extra einen Beschluss des Stadtrates, denn Mädchen war es lange verboten, ein Blasinstrument zu spielen.»

Sein Wirken jedoch allein auf die Musikschule zu reduzieren, würde dem Lehrer, Musikpädagogen, Dirigenten, Spielführer, Juror, Kursleiter und Komponisten gar nicht gerecht (siehe Box). Sales Kleeb hat Ausserordentliches geleistet. Deswegen wollte ihn eine Gruppe von Zugern zum 80. Geburtstag speziell ehren, was aber nicht klappte. Dann kam die Idee, Sales Kleeb auf einer App Geschichten aus seinem Leben erzählen zu lassen. Anfänglich wollte er das nicht, inzwischen hat er die Sache akzeptiert. «Ich wurde dazu verdonnert», sagt er in seinem Heim an der Rosenbergstrasse schmunzelnd, denn die modernen Medien nutzt er seit langem. Nun kann er sich per iPhone selber hören. Auf der App beleuchtet der Blasmusikexperte in über 100 Geschichten wichtige Stationen und heitere Episoden aus seinem Leben. Wer alles hören will, muss 15 Stunden investieren. Man kann auch einzelne Themen herauspicken, denn das Zeitdokument ist professionell mit Register, Fotos und Musikausschnitten hergestellt worden. Das ungewöhnliche Projekt ist sicher für die regionale Musikszene von hoher Bedeutung. Hinter dem Projekt stehen die Zuger Verena Gasser, Hugo Helfenstein und Thomas Feger. «Sales Kleeb ist ein Vorbild für seine Generation und für viele Jugendliche», begründet Verena Gasser die Idee mit der App. Nur dank der Unterstützung durch Stadt, Kanton, Stiftungen und Privaten habe man das Projekt realisieren können.

2011 wurden die Gespräche mit Sales Kleeb aufgenommen. «Sie entstanden sehr spontan, die technische Bearbeitung folgte 2012, heuer wurden die Geschichten definitiv ausgewählt», informiert Verena Gasser über den Entstehungsprozess. Sie gehöre übrigens zu den ersten Zuger Kadettinnen und ist ihm noch heute dankbar, dass er sich schon damals für die Gleichheit der Frauen eingesetzt hat. «Seine Haltung gegenüber den Menschen ist sehr motivierend, nicht nur in der Musik», würdigt ihn Gasser.

Mehrere Instrumente gelernt

Wie ist Sales Kleeb überhaupt zur Musik gekommen? Das erzählt er gerne: «Sie wurde in unserer Familie sehr gepflegt. Mein Vater war Organist, Chorleiter und Militärmusikspielführer und spielte in einem Salon-Orchester. Alle vier Buben durften ein Instrument lernen, doch die drei Mädchen nicht, sie mussten singen.» Er begann Trompete, Klavier und Geige zu spielen, später sei noch die Orgel dazugekommen. Die Ausbildung sei rudimentär verlaufen. «Von Bruder und Vater habe ich Anregungen erhalten, vieles lief im Selbststudium ab. Einen grossen Ruck in meiner musikalischen Ausbildung erlebte ich am Lehrerseminar Hitzkirch.»

Der junge Lehrer war bald nicht nur bei den Musikgesellschaften ein gefragter Mann. Wie sein Vater wirkte auch er bei den Regimentsspielen mit. Mit dem Diplom der Musikakademie in der Tasche kam Sales Kleeb 1962 nach Zug, wo er zuerst die Leitung des Jugendblasorchesters und wenige Jahre später der gesamten Musikschule übernahm.

Das Klavier ist geblieben

Weitere Institutionen klopften bei ihm an. Wie hat Sales Kleeb alle Aufgaben neben der Familie und den drei Kindern unter einen Hut gebracht? «Das habe ich meiner Frau zu verdanken, die vor fünf Jahren verstorben ist. Sie hat mich abgeschirmt, sodass die Familie nicht gelitten hat», sagt er nachdenklich. Wenn er die App abhöre, habe er manchmal ein schlechtes Gewissen. «Dabei sind wir nach Zug gezügelt, um aus den vielen Nebentätigkeiten, die ich in Richenthal hatte, herauszukommen. In Zug wurde es noch schlimmer. Ich konnte nämlich nie Nein sagen», gesteht er. Trotz vieler Ehrungen ist Sales Kleeb bescheiden geblieben. Weil seine Finger nicht mehr so gelenkig sind, hat er das Trompeten- und Geigenspiel aufgegeben. Nur das Klavierspiel behält er bei: «Es stört keinen, wenn ich zu langsam spiele», sagt er und lacht herzlich. Nach wie vor spielt die Musik bei ihm eine wichtige Rolle, vor allem die klassische: «Musik hat mit Emotionen zu tun – und tut gut bei jedem Gemütszustand. Sie kann aktivieren und trösten und ist wunderbar, um sich zu erholen und Harmonie zu finden», erzählt er.

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