ZUG: Neue Anlaufstelle für Senioren

Morgen feiert Pro Senectute auf dem Bundesplatz ihr 100-Jahr-Jubiläum. Die Geschäftsleiterin Gabriele Plüss schaut zurück auf die Geschichte der Organisation und verrät, welche Änderungen die Zukunft bereithält.

Charly Keiser
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Gabriele Plüss, Geschäftsleiterin der Pro Senectute Zug, hält nicht nur das morgige Jubiläum auf Trab. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 22. Mai 2017))

Gabriele Plüss, Geschäftsleiterin der Pro Senectute Zug, hält nicht nur das morgige Jubiläum auf Trab. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 22. Mai 2017))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

 

Die Pro Senectute Schweiz feiert am Samstag ihr 100-jähriges Bestehen. In Zug steigt dazu ein Fest auf dem Bundesplatz (siehe Box unten). Die Organisation wächst und wächst. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie in einem grossen Wachstumsmarkt tätig ist. Dies als Fach- und Dienstleistungsorganisation der Schweiz im Dienste der älteren Menschen (siehe Box oben).

Braucht es in Zeiten der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) die Pro Senectute überhaupt noch? «Die Kesb ist nur für einen ganz kleinen Teil der älteren Menschen zuständig. Nämlich für diejenigen, die nicht mehr urteilsfähig sind und einen Beistand brauchen. Dabei geht es eher um die administrative Verwaltung der Klienten, bei Pro Senectute hingegen steht die Betreuung im Vordergrund», sagt Gabriele Plüss, Geschäftsleiterin von Pro Senectute Kanton Zug.

Die Geschichte der Pro Senectute ist eng mit dem Entstehen der AHV verknüpft, in deren Gesetz 1947 ein Paragraf aufgenommen wurde, der der Pro Senectute finanzielle Mittel für Betreuungsaufgaben zusichert. Die Grundaufgabe sei die Sozialberatung, damit den Menschen geholfen werde, die nicht mehr allein zurecht kämen. «Wir haben uns mit den Jahren sehr professionalisiert», erläutert die 63-jährige Plüss. «Früher erledigten Ehrenamtliche die Arbeiten, heute braucht es dazu Profis, weil alles immer komplexer geworden ist. So müssen sich zum Beispiel die Mitarbeiterinnen im Sozialversicherungsgesetz gut auskennen. Wir sind heute, wie gesagt, eine Dienstleistungsorganisation, die sich um ältere Menschen sorgt und ihnen in verschiedenen Belangen entsprechende Hilfe bieten kann», doppelt Plüss nach. Viele Zuger Gemeinden bekennen sich heutzutage in ihrem Leitbild zu «ambulant vor stationär», erklärt sie. «Das heisst, dass sie nicht mehr in Heime investieren, und auch weil die Menschen möglichst lange zu Hause bleiben wollen.» Um diesem Grundsatz in der Praxis nachleben zu können, müssen entsprechende Angebote und Möglichkeiten geschaffen werden.

Gratismagazin für über 60-Jährige

Und wie wissen die älteren Menschen, was Pro Senectute ihnen bieten kann? «Wir erreichen unsere Kunden hauptsächlich mit unserem Magazin, das zwei Mal im Jahr erscheint und das jeder über 60-Jährige im Kanton Zug gratis bei uns beziehen kann», sagt Plüss. Im Magazin seien alle Leistungen aufgeführt. «Deshalb kommen die Leute in der Regel zu uns, und darum müssen wir auch keine Werbung machen. Was wir im Übrigen für bestimmte Bereiche auch gar nicht dürften.» So seien zum Beispiel einige Gemeinden mit einer Leistungsvereinbarung an der Alltagsassistenz beteiligt, in der die Werbung nicht erwünscht sei. Es gehe darum, dass nicht unnötige Bedürfnisse geweckt würden. Wer nutzt welche Dienste der Pro Senectute Zug? «Wir haben eigentlich zwei Kategorien von Klienten», antwortet Plüss und erklärt: «Bis im Alter von rund 75 bis 80 Jahren sind viele ältere Menschen sehr aktiv und nutzen unsere Sport-, Kultur- oder Bildungsangebote. Diese Interessenten kommen aktiv auf uns zu, nutzen und zahlen die Angebote auch selber. Die Preise sind moderat. In etwa so wie die der Migros Klubschule.» In dieser Kategorie engagiere sich die Pro Senectute auch – in Zusammenarbeit mit dem Kanton und einigen Gemeinden – in der Gesundheitsförderung. Diese Präventionsangebote werden jeweils öffentlich publiziert. In der zweiten Kategorie geht es um Menschen, die Hilfe brauchen, erklärt Plüss weiter. Das seien meist über 75- bis 80-Jährige. Dort sei vor allem die Sozialberatung und die Alltagsassistenz gefragt. Erstere sei gratis, weil sie in Leistungsvereinbarungen abgesichert sei. Wenn jemand möglichst lange zu Hause bleiben wolle, brauche es oft nur wenig – aber sehr Wichtiges: «Zum Beispiel beim Bezahlen der Rechnungen oder dem Ausfüllen der Steuererklärung, einfach bei allen notwendigen administrativen Dingen.» Häufig werde diese Unterstützung durch Freiwillige geleistet, ergänzt sie. Sozialberatung wie Alltagsassistenz hätten in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt Plüss. Dies darum, weil viele Menschen länger zu Hause bleiben und sich die Unterstützung innerhalb der Familien verringert habe. «Heute leben viele Kinder weit weg von ihren Eltern – früher lebten die Familien oft zusammen unter einem Dach. Die Familienstrukturen haben sich stark verändert.»

Boom-Ende Alltagsassistenz

Einer der wichtigsten Bereiche der Pro Senectute sei die Alltagsassistenz: «Wir bieten den älteren Menschen in ihren eigenen vier Wänden die Haushalthilfe, die sie brauchen. Bei den Tarifen wird Rücksicht auf das Einkommen beziehungsweise das Vermögen genommen. Mit einigen Gemeinden bestünden Leistungsvereinbarungen. Wie auch bei der Spitex beteilige sich hier der Kunde sowie auch die Gemeinde mit einem Teil an den Kosten. «Das Angebot ist sehr wichtig», betont Plüss. «Oftmals genügt eine tägliche Assistenz von einer bis zwei Stunden, damit jemand gut und länger zu Hause leben kann.» Über 90 Mitarbeiterinnen seien in diesem Bereich tätig.

Seit einigen Wochen führt die Pro Senectute in Zug an der Ägeristrasse 52 auch ein Geschäft für Hilfsmittel. Dieses ist Teil des Angebots, um älteren Menschen eine möglichst lange und gute Lebensqualität zu Hause zu ermöglichen. In den gleichen Räumlichkeiten plant die Pro Senectute auf Januar 2018 die Schaffung einer Anlaufstelle für alle Fragen rund ums Alter. Das Angebot für ältere Leute sei riesig, entsprechend sei es für viele schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen. «Darum sind wir am Aufbau einer Drehscheibe. Diese soll die kantonale Anlaufstelle für Fragen im Alter werden», verrät Plüss. Ab nächstem Jahr sei dieses Modul als Ergänzung zu den Leistungsvereinbarungen für die Gemeinden verfügbar.

Gabriele Plüss selbst wird im nächsten Jahr pensioniert und gebe darum die Geschäftsleitung der Pro Senectute ab. Es sei geplant, dass sie anschliessend das Präsidium der Stiftung Pro Senectute Zug übernimmt.

Jubiläumsprogramm auf dem Bundesplatz

Ablauf: Samstag feiert Pro Senectute Zug mit einen Jubiläumsfest auf dem Bundesplatz das 100-Jahr-Jubiläum. Ab 10 Uhr steht das Folgende auf dem Programm: 

10 Uhr: Musikalische Eröffnung mit Alphorn-Quartett
10.15 Uhr: Begrüssung Gabriele Plüss, Pro Senectute Zug
10.30 Uhr: Bewegungseinlage «Sicher stehen – sicher gehen»
10.45 Uhr: Neuroth-Hörtheater
11.00 Uhr: Musikalische Einlage mit Alphorn-Quartett
11.15 Uhr: Bewegungseinlage «Sicher stehen – sicher gehen»
11.45 Uhr: Neuroth-Hörtheater
12 Uhr: Mittagsbetrieb
13.30 Uhr: Bewegungseinlage «Sicher stehen – sicher gehen»
13.45 Uhr: Neuroth-Hörtheater
14.30 Uhr: Bewegungseinlage «Sicher stehen – sicher gehen»
15.15 Uhr: Neuroth-Hörtheater
15.45 Uhr: Schlusswort, Gabriele Plüss, Geschäftsleiterin, Pro Senectute Zug.