ZUG: Neue ZVB-Zentrale: Der Baudirektor steht im Gegenwind

Der Regierungsrat will den Hauptstützpunkt der Zugerland Verkehrsbetriebe bei den gegenwärtig laufenden Richtplananpassungen dort festlegen, wo er schon jetzt ist. Dieser Standort inmitten der Stadt passt aber nicht allen.

Marco Morosoli
Drucken
Teilen
Bald wird entschieden, ob der ZVB-Hauptstützpunkt dort verbleibt, wo er jetzt ist. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 26. Mai 2017))

Bald wird entschieden, ob der ZVB-Hauptstützpunkt dort verbleibt, wo er jetzt ist. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 26. Mai 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Die Kantone sind verpflichtet, Projekte mit gewichtigen Auswirkungen auf Raum und Umwelt in ihre Richtpläne zu integrieren. Dies ist eine Vorgabe des 2014 in Kraft gesetzten neuen eidgenössischen Raumplanungsgesetzes. Die Festlegung des ZVB-Hauptstützpunktes gehört in diese Kategorie. Im März hat der Regierungsrat seinen Plan, wo er die ZVB-Zentrale der Zukunft sieht, veröffentlicht. Er plädiert für den heutigen Standort beim kantonalen Verwaltungszentrum an der Aa. Dies, nachdem er zehn verschiedene Varianten geprüft hat. Die Vernehmlassung zum Papier der Exekutive ist am 16. Mai abgelaufen. Nicht alle Parteien können sich vorbehaltlos mit der Idee anfreunden, dass der ZVB-Hauptstützpunkt dort verbleiben soll, wo er sich derzeit befindet.

Besonders hart mit der Baudirektion ins Gericht geht die SVP. In ihrer Stellungnahme schreibt die Partei: «Es ist offenbar so, dass die Evaluation von Beginn an so aufgebaut wurde, dass am Schluss nur noch ein einziges Ergebnis möglich war, der heutige Standort der ZVB.» Deshalb sei der Regierungsrat «dringendst gebeten», das Resultat nochmals zu überarbeiten. Für die SVP steht der ZVB-Stützpunkt «der angestrebten städtebaulichen Entwicklung im wahrsten Sinne des Wortes im Wege». Dies vor allem, weil dem Gebot der Verdichtung nicht Rechnung getragen werde. Für die SVP ist klar: «Eine wesentliche Reduktion der oberirdischen Ausdehnung eines zukünftigen Hauptstützpunktes für den Feinverteiler ist eine zwingende Vorgabe.» Sein Fett weg bekommt in der umfangreichen Stellungnahme der SVP auch der Verfasser der regierungsrätlichen Botschaft: «Der gesamte raumplanerische Bericht zur Anpassung des kantonalen Richtplans lässt eine gewisse Sorgfalt der Abklärungen vermissen.» Damit wird er «der Bedeutung des Themas nicht gerecht».

Auch die CVP meldet Bedenken an

Reserviert gegenüber der Wahl des Standortes an der Aa ist auch die CVP. Der Baarer CVP-Kantonsrat Heini Schmid, der sich mit der Materie eingehend befasst hat, schreibt: «Es kann nicht sein, dass mit dem Richtplan­eintrag festgelegt wird, wie der Hauptstützpunkt gebaut wird.» Schmid plädiert dafür, dass zeitgleich auch das Projekt vorgestellt wird. Die CVP verlangt zudem, dass auch der Standort Steinhausen im Umfeld des Strassenverkehrsamtes geprüft wird: «Es ist auch die Möglichkeit zu prüfen, den kantonalen Werkhof aufzulösen und die Leistungen bei den Gemeinden einzukaufen.» Auch der schlecht genutzte Platz innerhalb der dortigen Autobahnauffahrt könne dort sicher besser genutzt werden. Die CVP verlangt deshalb, dass «die Richtplananfrage und das Bauprojekt ZVB-Stützpunkt umgehend dem Kantonsrat vorzulegen sind. So könnten Grundsatzentscheidungen durch den Kantonsrat oder den Souverän getroffen werden.

Die FDP ist ebenfalls nicht Feuer und Flamme für das Projekt aus dem Hause des Baudirektors, der ihrer Partei angehört. Die FDP fragt, ob «hier wirklich alle relevanten Standorte einer neutralen Beurteilung» unterzogen worden sind. Sie macht zudem beliebt, dass eine saubere Kosten-Nutzen-Analyse erstellt wird. Diese soll die Weiterentwicklung am alten Ort und den Bau einer solchen Anlage auf der grünen Wiese miteinander vergleichen. Dies vor allem deshalb, weil der jetzige Standort im Bereich der Seekreide liege, was wohl Mehrkosten für den Tiefbau nach sich ziehen würde. Ferner soll der Standortentscheid «nicht politisch motiviert sein» und die «zukünftige Entwicklung der Gesamtmobilität in die Planung» einfliessen.

Herleitung der Bestvariante ist «nachvollziehbar»

Einen anderen Fokus bezüglich der Standortwahl hat die Grün­liberale Partei (GLP). Sie erachtet die Herleitung der Bestvariante «als nachvollziehbar». Der derzeitige – und auch künftige – Standort des ZVB-Hauptstützpunktes hat für die GLP noch einen anderen Vorteil: «Die anderen Standorte würden allesamt längere Anfahrtswege für die verschiedenen Buslinien» bedeuten. Als «begrüssenswert» taxiert auch die Alternative-die Grünen im Kantonsrat die vorgeschlagene Variante: «Der bisherige Standort kann die Anforderungen für die Zukunft bezüglich der Verfügbarkeit und der Grösse des Grundstücks, aber auch der betrieblichen und der betriebswirtschaftlichen Ansprüche am besten von allen möglichen Standorten erfüllen.» Aus ALG-Sicht ist es auch essenziell, dass mit dem ZVB-Hauptstützpunkt an der Aa «die Leerfahrten auf ein Minimum reduziert werden können». Dies auch unter dem Gesichtspunkt, um die «Strassen nicht noch mehr zu belasten». Zudem verfüge der jetzige Standort über eine Anbindung an den öffent­lichen Verkehr in Gehdistanz.

Aufgrund der Differenzen zwischen der Parteien wird die Standortwahl des ZVB-Zentrale für spannende Debatten sorgen.