Neuer Triebzug gibt sich in Zug die Ehre

Ab dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember ist ein Vorbote für die Flachbahn durch die Schweizer Alpen unterwegs.

Marco Morosoli
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Ein «Giruno»-Triebzug im Bahnhof Zürich.

Ein «Giruno»-Triebzug im Bahnhof Zürich.

Bild: Walter Bieri/Keystone

Der Verkehr von Zürich ins Tessin und weiter nach Mailand wird noch für mehr als ein Jahr über Rotkreuz geleitet. Bereits ab dem kommenden Fahrplanwechsel am 15. Dezember können Reisende auf dieser Achse in einen neuen, elfteiligen Triebzug aus dem Hause Stadler, Bussnang (Thurgau), einsteigen. Beim Ostschweizer Unternehmen für Schienenfahrzeuge heisst das Gefährt «Smile». Die Abkürzung steht für «schneller, mehrsystemfähiger, innovativer, leichter Expresszug». Die SBB haben den Triebzug «Giruno» getauft, was im Rätoromanischen «Bussard» heisst.

Angeschrieben ist der Zug zudem noch mit der Abkürzung RABe 501. Das heisst, der Triebzug führt Erst- (A) und Zweitklasswagen (B) mit sich. Der kleine Buchstabe «e» steht für elektrische Traktion.

Fast die Hälfte der Züge ausgeliefert

Die SBB haben 2014 insgesamt 29 Triebzüge des Typs RABe 501 bestellt. Wie der SBB-Sprecher Reto Schärli sagt, sollen bis zum Fahrplanwechsel deren 14 betriebsbereit sein. Fünf Triebzüge davon seien für die Ausbildung reserviert. Neun sollen, so Schärli, auf den Strecken von Basel, respektive von Zürich aus in den Süden zu fahren. Davon seien aber nur sieben effektiv im Nord-Süd-Verkehr eingeplant. Zwei Triebzüge stehen als Reservekompositionen zur Verfügung. Im Gegensatz zu den Doppelstockzügen aus dem Hause Bombardier ist die Testphase bei den Stadler-Produkten mehr oder weniger ohne Misstöne abgelaufen.

Der 202 Meter lange Zug bietet insgesamt 288 Plätze in der 2. Klasse und 117 in der 1. Klasse. Die bis zu 250 Stundenkilometer schnellen Triebzüge – was er allerdings derzeit nur durch die Alpen erst im Gotthard-Basistunnel ausfahren könnte – sind mit einem Leergewicht von 380 Tonnen vergleichsweise leicht. Eine Gotthard-Lokomotive des Typs Ae 6/6 bringt 120 Tonnen auf die Waage. Als erster Zug der SBB verfügt der «Giruno» über geschlechtergetrennte Toiletten. Die Komposition bietet auch den Niederflureinstieg an, wie er bei den Stadtbahnzügen Standard ist. Da vorgesehen ist, die Stadler-Züge auch bis Frankfurt durchzubinden, sind einige Zusteigemöglichkeiten mit der deutschen Bahnsteighöhe kompatibel. Diese ist mit 76 Zentimetern rund 21 Zentimeter höher, als es in der Schweiz üblich ist. Ebenso ist der «Giruno» zusätzlich mit einem 50 Zentimeter breiteren Stromabnehmer versehen. Dieser ist für Fahrten in Deutschland notwendig.

Alte Tradition aus England erlebt Wiederauferstehung

Die SBB vergeben für die Stadler-Züge wieder Namen. Zum Zuge kommen die 26 Kantone und Halbkantone. Je ein Zug trägt den Namen «Sempione», «San Gottardo» und «Monte Ceneri». Für den «San Gottardo»-Zug haben die SBB extra ein Wappen kreiert, da es eine Gemeinde mit dieser Bezeichnung ja nicht gibt. Bis jetzt haben drei weitere Triebzüge nach einer Feier ihr Wappen erhalten. Es handelt sich dabei um die Kantone Uri, Zürich und Thurgau. Letzterer hat wohl eine Vorzugsbehandlung verdient, da die Züge in diesem Kanton produziert worden sind.

Wann der «Giruno»-Zug mit dem Wappen des Kantons Zug durch die Schweiz fährt, ist derzeit noch unklar. Der SBB-Sprecher Reto Schärli lässt sich dazu wie folgt zitieren: «Frühestens im vierten Quartal des Jahres 2020.» Das lässt darauf hindeuten, dass die Taufe kurz vor der offiziellen Inbetriebnahme des Monte-Ceneri-Basistunnels über die Bühne geht. Interessant in diesem Zusammenhang dürfte sein, dass die Lokomotive Ae 6/6 11411 mit dem Wappen des Kantons Zug noch betriebsfähig ist. Der blaue Balken auf weissem Feld muss deshalb wohl nochmals hergerichtet werden. Zum Glück zählt das Zuger Zeichen zu den einfacheren Emblemen.