ZUG: Nicht nur die Kreuze in der Kirche sind wegweisend

Dieser Tage steht das Kreuz als Symbol des Leidens Jesu, ja des Christentums, im Fokus. In Stadt und Land markieren diese Zeichen das ganze Jahr über spezielle Stellen. Manche stechen hervor.

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Dieses Sandsteinkruzifix beim Zuger Regierungsgebäude stand ursprünglich am Postplatz - und erinnert an eine Niederlage. (Bild Stefan Kaiser)

Dieses Sandsteinkruzifix beim Zuger Regierungsgebäude stand ursprünglich am Postplatz - und erinnert an eine Niederlage. (Bild Stefan Kaiser)

Am Anfang war das Kreuz. Seit 1603 ist es erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1891 steht es so in Sandstein, von Anwohnern gestiftet, an der Bahnhofsunterführung in der Ennetseegemeinde, wie wir es heute noch erspähen können. Das Kreuz, genauer gesagt das rote Kreuz, wurde zum Namensgeber des Orts, selbst wenn die tatsächliche Bedeutung der zwei Holzbalken schwierig zu deuten ist, wie Richard Hediger, früherer Rektor der Gemeinde Risch und profunder Kenner der Heimatgeschichte, einräumt.

Vom Wirtshaus zur Bahnstation

«Man weiss nicht genau, ob das rot angemalte Kreuz ursprünglich ein Pestkreuz war oder als religiöses Objekt an eine Schlacht erinnert», sagt der 71-Jährige. «Wahrscheinlich war es ein Wegkreuz.» Ein Wegkreuz, das Rotkreuz jedenfalls den Weg wies. Denn das rote Kreuz auf freiem Feld stand zuerst Pate für den Rotkreuzhof jenes Bauernhaus, das als erstes Gebäude 1807 in Rotkreuz errichtet wurde. Daraus entstand 1810 die Wirtschaft Zum Roten Kreuz, die 1864 wiederum zur Bahnstation und zum Namensgeber des aufstrebenden Eisenbahnerdorfs wurde. Heute ist Rotkreuz der grösste Teilort der Gemeinde Risch.

Wegkreuze sind Ausdruck der Volksfrömmigkeit, nicht nur weil sie zumeist von privaten Stiftern gespendet wurden. Auch weil sie wie eine Art «spirituelle Tankstelle» dem einfachen Menschen, der unterwegs war, im Alltag an Wegkreuzungen oder an markanten Stellen eine Rückversicherung auf Religion und Gott bescherten. Das älteste bekannte Kreuzzeichen im Kanton Zug stammt übrigens aus einem frühmittelalterlichen Grab in Baar, das an der Früebergstrasse gefunden wurde und aus dem 7. Jahrhundert datiert.

«In der säkularisierten Welt von heute nimmt ihre traditionelle katholische Bedeutung deutlich ab, ja werden sie oft gar nicht mehr wahrgenommen», sagt Beat Dittli, Zuger Sprachhistoriker und Ortsnamenforscher. Dafür taucht das Kreuz oder «Chrüz» – in anderen inhaltlichen Bezügen auf, wie Dittli in seinem mehrbändigen Werk über Zuger Ortsnamen festgestellt hat: «In Siedlungs- und Flurnamen bezieht sich ‹Chrüz- in der Regel auf – ehemalige – Weg- oder Flurkreuze, vereinzelt auch auf einstige Grenzzeichen an Bäumen, Steinblöcken oder Felsen.» Und die Bezeichnung «Zum Kreuz» ist ein recht häufiger Name von Gasthäusern, vereinzelt auch von gewöhnlichen Wohnhäusern, wobei oft ein Wegkreuz in der Nähe Ursprung für die Benennung ist oder war. Das gilt auch für andere Wortkombinationen im Zuger Namensgut. Es gibt eine Chrüzmüli, mehrere Chrüz­acher (Äcker und Wiesen), den Chrüzblätz (Landparzelle), die Chrüzbuech (Bauernhöfe) und die Chrüzegg (Anhöhe und Gasthaus).

Das Kreuz mit diesem Kreuz

Ein markantes Kreuz ist auch jenes Sandsteinkruzifix neben dem Regierungsgebäude. Dass dieses trotz Totenkopf – von Passanten oft unbemerkt bleibt, mag daran liegen, dass es ursprünglich am Postplatz stand. Es wurde nämlich 1714 neben dem Baarertor anstelle eines älteren Kreuzes von 1698 errichtet, wie Zugs Stadtarchivar Thomas Glauser wissen lässt. Nachdem das Baarertor abgebrochen worden war, entfernte man 1828 das Kreuz beim Ausebnen des Schanzengrabens und platzierte es später beim Regierungsgebäude. Es ist ein Werk von Josef Leonz Brandenberg und gleicht dem vermutlich vom gleichen Meister geschaffenen Kruzifix auf dem Friedhof St. Michael. Glauser: «Vielleicht entstand das Kreuz unter dem Eindruck des Zweiten Villmergerkriegs von 1712 – der endete bekanntlich für die katholischen Orte der Eidgenossenschaft mit einer Niederlage.»

Wolfgang holz

Namensgeber: das rote Kreuz in Rotkreuz. (Archivbild Fabienne Arnet)

Namensgeber: das rote Kreuz in Rotkreuz. (Archivbild Fabienne Arnet)