ZUG: Nirgends weihnachtet es mehr als hier

Ein Baarer besitzt die wohl grösste Schweizer Privatsammlung an historischem Weihnachtsschmuck. In der Burg Zug wird sie nun erstmals öffentlich gezeigt.

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Funkeln und Glitzern im Überfluss. Alfred Dünnenberger zeigt seine Sammlung an historischem Weihnachtsschmuck im Museum Burg Zug zum ersten Mal der Öffentlichkeit. (Bild: Andreas Faessler / Neue ZZ)

Funkeln und Glitzern im Überfluss. Alfred Dünnenberger zeigt seine Sammlung an historischem Weihnachtsschmuck im Museum Burg Zug zum ersten Mal der Öffentlichkeit. (Bild: Andreas Faessler / Neue ZZ)

Andreas Faessler

Alles dreht sich um Weihnachten. Spätestens ab diesem Wochenende gibt der Advent Vollgas. In den Strassen leuchtets, Schaufenster funkeln und glitzern, Bäume erstrahlen in Lichterpracht – es weihnachtet rundherum. Und während man Jahr für Jahr denkt, weihnächtlicher gehe es nicht mehr, setzt das Museum Burg Zug heuer noch einen drauf: Ab morgen ist hier die Sammlung Alfred Dünnenberger zu sehen. Über 30 Jahre lang hat der Baarer alle erdenklichen Objekte an Weihnachtsschmuck aus der Zeit von 1850 bis 1950 zusammengetragen, hauptsächlich aus Deutschland und Tschechien. Stellte Dünnenberger seine Sammelobjekte bislang nur in privatem Rahmen aus, so werden sie nun erstmals in ganzer Fülle der Öffentlichkeit gezeigt. «Unsere Ausstellung ‹Obacht – Weihnacht!› ist als eine Art Gegenprogramm zur allgemeinen Vorweihnachtshektik zu verstehen», sagt Burgdirektor Marco Sigg dazu. «Sie richtet sich an Kinder, Erwachsene, Familien – und natürlich an Sammler.» Die Freude an historischem Weihnachtsschmuck ist populärer, als man denken mag: «Es gibt in der Schweiz mehrere hundert Sammler», weiss Alfred Dünnenberger. «Auch in Deutschland, Grossbritannien und den USA ist die Leidenschaft weit verbreitet.»

Ein Exponat von Tausenden: fein gearbeiteter Figurenschmuck. (Bild: pd)

Ein Exponat von Tausenden: fein gearbeiteter Figurenschmuck. (Bild: pd)

Ein Exponat von Tausenden: eine Gablonzer Spinne für den Tannenbaum. (Bild: PD)

Ein Exponat von Tausenden: eine Gablonzer Spinne für den Tannenbaum. (Bild: PD)

Ein Exponat von Tausenden: ein sich drehender
Christbaumständer mit integrierter Krippe. (Bild: pd)

Ein Exponat von Tausenden: ein sich drehender Christbaumständer mit integrierter Krippe. (Bild: pd)

Mit einer Raubkatze fing alles an

In den vergangenen drei Jahrzehnten war die Sammelwut des 68-jährigen Baarers ungebrochen, das ganze Jahr hinüber hat er Objekte zusammengetragen. Entdeckt hat er diese Vorliebe früh. Wie für fast alle Kinder in unseren Breitengraden war für Alfred Dünnenberger Weihnachten schon damals ein Höhepunkt des Jahres. Dass seine Passion derart entflammte, lag auch daran, dass sich der Baarer allgemein als häuslicher Typ bezeichnet. So hat denn auch das allererste Objekt seiner Sammlung eine besondere Bedeutung für ihn, und selbstverständlich ist es ebenfalls ausgestellt: eine Raubkatze aus Presskarton, die er seinerzeit an einem Christbaum in einem Zürcher Geschäft entdeckt hat. Der Raubkatze folgten Tausende Objekte aller erdenklicher Art und allen erdenklichen Materials. Abenteuerliche Adventskalender und deren Vorläufer, Chlausfiguren und -deko, opulente Faltkrippen und Figuren, liebevoll gestaltete Weihnachtsbriefe, Ballspenden, Nippes aus Traganth und natürlich eine überwältigende Fülle an Christbaumschmuck. Aus Watte, Kunststoff, Papier, Porzellan, Formenglas, Blech, Holz, Wachs – vieles überaus filigran und bis ins kleinste Detail gearbeitet. Eine Art Christbaumwäldchen steht mitten im Ausstellungsraum. Die grosse historische Kunsttanne allein trägt mehrere hundert Objeke. Nebenan ein Kunstbaum aus Gänsefedern, mitten drin eine grosse Weihnachtspyramide mit Flügelrad. Oder ein Weihnachtsbaumersatz aus Sylt, wo keine Tannen wachsen.

Eine grosse Vitrineninstallation aus grünen Latten dient zur Präsentation besonderer Raritäten, gruppiert nach Art, Material, Technik, Epoche oder Herkunft. In einer anderen Vitrine liegen ein paar ziemlich skurrile Devotionalien mit militärischen, kriegerischen oder patriotischen Attributen. So fällt ein stehendes Weihnachtsschwein auf mit einer Trikolore um den Hals oder eine Christbaumkugel mit Hakenkreuz.

Die gesamte Ausstellung unterliegt einer thematischen Gliederung. Neun Unterkategorien sind es, jeweils mit sparsamen Texten erklärt. «Der Besucher soll nicht mit zu vielen Details verwirrt werden», sagt Ausstellungskurator Christoph Tschanz. Es sei unmöglich, jedes einzelne Objekt zu beschriften. Im Prinzip lädt die Ausstellung einfach zum Flanieren, Schauen, Staunen. Ein funkelndes Fest für die Augen ist es in jeder Hinsicht. Und mit viel Aufwand und Geduld hat Alfred Dünnenberger eine grosse Begleitpublikation zur Ausstellung erarbeitet, welche vielmehr den Charakter eines Nachschlagewerks hat. Fotografien von über 1400 Objekten, nach Material gegliedert, geben Einblick in die unerschöpfliche Fülle an historischem Weihnachtsschmuck in Dünnenbergers Fundus. Kurze Kapiteltexte erklären anschaulich den geschichtlichen Zusammenhang der folgenden Abbildungen.

Während der letzten zehn Jahre hat Alfred Dünnenbergers Sammellust ihren Höhepunkt erreicht. Aktuell gibt er sich eher wieder etwas zurückhaltender. Ist seine Sammlung vollständig? «Nein, so eine Sammlung ist nie komplett», sagt Dünnenberger. «Aber es wird immer schwieriger, gute Objekte zu finden.» Vielleicht deshalb, weil sich die besten bereits in der Sammlung Dünnenberger befinden?

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Die morgen startende, eindrucksvolle Ausstellung «Obacht – Weihnacht!» in der Burg Zug dauert bis Ende Januar 2016. Begleitet wird sie von einem mehrteiligen Rahmenprogramm, welches bereits dieses Wochenende mit dem Verkauf von historischem Weihnachtsschmuck startet. Bald folgt der beliebte Zuger Märlisunntig in der Burg, ein Familiennachmittag mit Geschenkebasteln und mehr, eine Happy Hour in der Burg mit Gaumenfreuden und rechtzeitig zum grossen Fest noch eine Dialogführung mit dem Sammler Alfred Dünnenberger und dem Kurator Christoph Tschanz. Details zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm unter www.burgzug.ch.

Hinweis

Informationen zu Sammler und Sammlung unter www.duennenberger-baar.ch